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| 14:58 Uhr

Interview mit Schulleiterin Regine Branzke
„Ich habe die Schule immer geliebt“

 Schulleiterin Regine Branzke wird in den Ruhestand kutschiert. Es ging mit den Pferden quer durch die Stadt. Im Rathaus und in verschiedenen Geschäften wurden Zwischenstopps eingelegt. Beim Schulessen-Lieferanten Schütz gab es einen Gutschein für zweimal Quark mit Leinöl, ihrem Lieblingsessen.
Schulleiterin Regine Branzke wird in den Ruhestand kutschiert. Es ging mit den Pferden quer durch die Stadt. Im Rathaus und in verschiedenen Geschäften wurden Zwischenstopps eingelegt. Beim Schulessen-Lieferanten Schütz gab es einen Gutschein für zweimal Quark mit Leinöl, ihrem Lieblingsessen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Schulleiterin Regine Branzke verabschiedet sich in den Ruhestand und hofft auf mehr Stetigkeit im Bildungssystem. Von Annett Igel-Allzeit

Der letzte Schultag vor den Sommerferien war für Regine Branzke der letzte Schultag überhaupt. Die Schulleiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule hatte 1977 in Slamen begonnen, Kinder zu unterrichten.

Frau Branzke, erinnern Sie sich noch an die Lehrer Ihrer Kindheit?

Regine Branzke Ich hatte viele tolle Lehrer damals in Spremberg, aber tatsächlich ist mir eine ganz besonders in Erinnerung: die Mathelehrerin. Sie war uns Schülern sehr zugewandt und hat auch mal etwas falsch gemacht, aber dann dazu gestanden.

Wann wussten Sie, dass Sie Lehrerin werden?

Branzke Ziemlich früh. Meine Freundin und ich spielten oft Schule. Wir haben unseren Mitschülern auch ein bisschen Nachhilfe gegeben – na ja, die Jungen wollten nicht immer so, wie wir das wollten. Wir mussten viel Geduld haben. Aber auch meine Freundin ist tatsächlich Lehrerin geworden.

Welche Fächerkombination hatten Sie ursprünglich?

Branzke Neben den Fächern, die man als Unterstufenlehrerin in der DDR studieren musste, hatte ich Musik gewählt. Meine Kollegen neckten mich damit in den letzten Jahren immer ein bisschen, denn Musik habe ich wirklich Jahrzehnte nicht mehr unterrichtet.

Gleich nach der Wende wurden Sie Schulleiterin ...

Branzke Ein Jahr war ich sogar noch Leiterin einer zehnklassigen Oberschule. Dann kam die Teilung in Grund- und Realschule auf dem Schomberg. Das war eine anstrengende, wilde Zeit – auch wegen der personellen Entscheidungen. Welche Lehrer bleiben in der Grundschule, welche wechseln in die Realschule. Und es dauerte, bis die neuen gesetzlichen Grundregeln zum Schulalltag kamen.

War das einfach schlimm, oder war das auch wichtig?

Branzke Ich bin bis heute froh, dass wir uns in Brandenburg für das Berliner Modell mit sechs Klassen Grundschule entschieden haben. Die Mädchen und Jungen haben in der 5. und 6. Klasse noch einmal so einen großen Sprung in der Entwicklung ihres Bewusstseins. Das macht die kleinen Persönlichkeiten und den Unterricht für uns Lehrer interessanter. Die Kinder wissen mehr, was sie wollen und beginnen, dafür gezielt zu lernen, strengen sich mehr an. Wir haben zwar in Spremberg am Gymnasium die Leistungs- und Begabungsklassen ab Klasse 5, und das ist auch gut so für einige Kinder. Aber viele Viertklässler sind noch nicht so weit, mit zu entscheiden. Deshalb sollten wir ihnen als Lehrer und Eltern die Zeit in Klasse 5 und 6 lassen.

Sind die Kinder heute anders als vor drei Jahrzehnten?

Branzke Nein. Schüler, die etwas kritisch hinterfragen, hat es immer gegeben.

Und die Eltern?

Branzke Wenn ich all die Jahre zurückblicke, gibt es nur ganz, ganz wenige Eltern, mit denen wir überhaupt nicht zurecht kommen. Es ist wichtig, mit ihnen im Gespräch zu bleiben und ein Verhältnis zu entwickeln, in dem wir auch über Fehler, die wir natürlich machen, reden können. Eltern finden manchmal, dass wir ihre Kinder nicht genug wertschätzen. Daran müssen wir dann arbeiten. Aber das ist ein gegenseitiger Prozess.

Neben sechs Grundschuljahren war auch Flex – die flexible Eingangsphase in den ersten zwei Grundschuljahren – ein Novum in den 90er-Jahren. Gibt es Flex bei Ihnen noch?

Branzke O ja, Flex hat sich bei uns bewährt. 1996 gehörten wir damit zu den Vorreitern in Brandenburg. Es schlossen sich dann die Veränderungen in der Jahrgangsstufe 5 und 6 mit Naturwissenschaften und in den Gesellschaftswissenschaften an. Es ist anstrengend für Lehrer, neben dem Unterrichten auch noch Konzepte zu schreiben, sie auszuwerten. Deshalb finde ich es schade, wenn die vielen wichtigen Gedanken vergessen werden. Das gemeinsame Lernen, die Integration unterschiedlicher Kinder, was jetzt ein großes Thema ist, haben wir damals für die Flex-Klassen im Kleinen längst erarbeitet und durchdacht.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kollegen?

Branzke Mehr Stetigkeit. Die Abhängigkeit vom politischen Willen, der sich alle paar Jahre ändern kann, ist ein großes Problem für uns in der Bildung. Und ich wünsche mir mehr Rückkopplung zwischen den Ministerien beziehungsweise Schulämtern und den Schulen. Manches wirkt wie von oben aufgedrückt. Wenn wir dann Probleme mit der Umsetzung haben, will das kaum einer hören.

Wie gehen Sie in die Sommerferien?

Branzke Ich habe die Schule wirklich immer geliebt – als Schulkind, als Lehrerin, als Schulleiterin. Meist wurde ich zum Ferienbeginn erst einmal krank und freute mich die Ferien hindurch auf den Schulanfang. Ich bin nicht aus der Welt, werde vorerst keine große Reise antreten. Aber ich möchte Gabriele Höfer, die neue Schulleiterin, in Ruhe starten lassen. Mein Mann freut sich sehr auf mich – er ist seit zwei Jahren im Ruhestand. Ich habe mehr Zeit für Enkel – einer geht in die 4. Klasse, der Kleine ist Schulanfänger. Meinen Sport – Radfahren und Nordic Walking – will ich intensiver betreiben. Und ich habe mir am Wochenende überlegt, dass ich mein Arbeitszimmer zu Hause umgestalten muss: Die Schule wird darin nicht ganz verschwinden, aber ich rücke sie ein bisschen in den Hintergrund.

 Schulleiterin Regine Branzke wird in den Ruhestand kutschiert. Es ging mit den Pferden quer durch die Stadt. Im Rathaus und in verschiedenen Geschäften wurden Zwischenstopps eingelegt. Beim Schulessen-Lieferanten Schütz gab es einen Gutschein für zweimal Quark mit Leinöl. ihrem Lieblingsessen.
Schulleiterin Regine Branzke wird in den Ruhestand kutschiert. Es ging mit den Pferden quer durch die Stadt. Im Rathaus und in verschiedenen Geschäften wurden Zwischenstopps eingelegt. Beim Schulessen-Lieferanten Schütz gab es einen Gutschein für zweimal Quark mit Leinöl. ihrem Lieblingsessen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit