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Schule ist 110 Jahre alt und trotzdem jung

Die Schule an der Wirthstraße in Spremberg ist in diesen Tagen genau 110 Jahre alt geworden. Sie wurde im Jahr 1905 als Höhere Mädchenschule gegründet. Bis heute ist sie ein markantes Gebäude der Stadt. Zur Festveranstaltung zeigte eine Gruppe Schüler, wie zu den damaligen Zeiten geturnt und Sport getrieben wurde.
Die Schule an der Wirthstraße in Spremberg ist in diesen Tagen genau 110 Jahre alt geworden. Sie wurde im Jahr 1905 als Höhere Mädchenschule gegründet. Bis heute ist sie ein markantes Gebäude der Stadt. Zur Festveranstaltung zeigte eine Gruppe Schüler, wie zu den damaligen Zeiten geturnt und Sport getrieben wurde. FOTO: Sammlung Bogott
Spremberg. Die Schule an der Wirthstraße in Spremberg ist das älteste und eines der schönsten Schulgebäude, das heute in und um Spremberg noch in Betrieb ist. Vor genau 110 Jahren wurde es eingeweiht. Das Jubiläum wurde am Dienstagabend mit einem Schulfest und vielen Gästen gebührend gefeiert. Catrin Würz

Jede Menge Trubel herrscht in den Gängen auf allen drei Etagen des historischen Backsteinbaus. Auf Tischen präsentieren Schüler Unterrichtsmaterialien aus längst vergangenen Jahrzehnten: alte Landkarten und Chemie-Gerätschaften, abgegriffene Vokabelbücher und rindslederne Ranzen, die frühere Schülergenerationen stolz auf dem Rücken trugen. Neben der Erwin Strittmatter-Ecke - der Schriftsteller lebte 1926/27 in der Hausmeisterwohnung der damaligen höheren Mädchenschule - wird ein Lazarett dargestellt. Hier bekommt jemand gerade seine mit roter Farbe imitierte Kopfverletzung verbunden. Die kleine Szene erinnert daran, dass die Schule in den beiden Weltkriegen zum Lazarett umfunktioniert wurde. Und im Klassenraum der 8c zeigen die Jungen und Mädchen die Schrift im Wandel der Zeit. Melinda-Sue (15) und Anastasia (14) sind echt froh, dass sie heute nicht mehr in Sütterlinschrift schreiben müssen. Für die Gäste zeigen sie aber gern die komplizierten Buchstabenkringel.

"Im Vorfeld des Jubläums haben sich alle Klassen auf eine Geschichtsreise von 1905 bis 2015 begeben. Die Ergebnisse der Projektarbeiten sind heute hier zu sehen", erklärt Schulleiterin Kerstin Berger. Eltern, Großeltern und frühere Lehrer der Schule sind zu der Präsentation eingeladen - und die Gäste sind ehrlich begeistert. "Das gefällt mir super", sagt Hannelore Gutsch. Die ehemalige Unterstufenlehrerin hat viele Jahre lang selbst an der einstigen Polytechnischen Oberschule "Karl Liebknecht" unterrichtet. Sie freut sich, beim Schulfest auf ihre früheren Kolleginnen Christine Paulusch und Inge Müller zu treffen. Alle drei ehemaligen Lehrerinnen sind sich einig: "Dieses Schulgebäude hat einen ganz eigenen Charme. Die schweren Holztüren und der Fußboden aus Granitstein - alles atmet hier Geschichte", sagen die drei Pädagoginnen im Ruhestand.

Die bauliche Hülle der Schule mag 110 Jahre alt und damit historisch sein. "Doch im Herzen ist unsere Einrichtung jung", sagt Rektorin Kerstin Berger während der Festveranstaltung in der Aula. Die heutige BOS habe seit der Wende 1990 viele im brandenburgischen Bildungssystem verankerten Umstrukturierungen von der Ganztagsschule bis zur heutigen Oberschule mit Berufsorientierung durchmachen müssen. Das war nicht immer einfach. "Für manche Dinge in der Schule brauchen wir mehr Platz - und so hoffen wir, dass eines Tages auch das Dachgeschoss der Schule noch ausgebaut werden kann", wünscht sich Kerstin Berger in ihrer Rede vor Bürgermeisterin, zwei Bundestagsabgeordneten und Schulpartnern.

Iim Festprogramm zum 110-jährigen Jubiläum zeigen die BOS-Schüler, welche Talente in ihnen stecken. Chor- und Sologesang, eine Rhythmusgruppe mit Cup-Musik, die Trommelgruppe BOSsanova, witzige Moderationen und Sketche zum Schulalltag erfreuen die Jubiläumsgäste. Zum Schluss gehen beim umjubelten Auftritt der HipHop-Musiker von "Gangsters tomorrow", die alle drei Schüler der BOS sind, dann Dutzende Hände nach oben: Das ist ein guter Tag!