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| 20:36 Uhr

Schulausflug für junge Hunde
Tierisch lehrreicher Stadtrundgang

 Hundetrainer Bernd Müller (links im grünen Shirt) platziert die Welpen nebst Halter an die verkehrsberuhigte Lange Straße, um die Vierbeiner an teils noch nicht erlebte Eindrücke zu gewöhnen.
Hundetrainer Bernd Müller (links im grünen Shirt) platziert die Welpen nebst Halter an die verkehrsberuhigte Lange Straße, um die Vierbeiner an teils noch nicht erlebte Eindrücke zu gewöhnen. FOTO: Detlef Bogott
In der Welpenschule entdecken junge Hunde das Stadtleben in Spremberg, und die Halter lernen mit. Von Marcel Laggai

Ein besonders agiles Trüppchen ist auf Entdeckungstour durch Spremberg. Hundetrainer Bernd Müller ist mit seinem nun schon vierten Welpenkurs in der Innenstadt unterwegs gewesen, um die jungen Fellnasen an die zahlreichen und teilweise noch ungewohnten Eindrücke zu gewöhnen. „Zwar wird in der Welpenschule das grundlegende Wissen vermittelt, aber so ein Ausflug ins belebte Stadtzentrum ist schon etwas anderes“, versichert Müller, der auf mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Hunden zurückblicken kann.

 Der Welpenkurs wird stets mit einem speziellen Stadttraining beendet, sagt der Hundetrainer. So auch am Sonnabend.

Mit dabei sind diesmal Torsten Kaiber mit Riesenschnauzer Ronja, Heidi Joppa mit Labrador Rosi, Dirk Sembdner mit der Englischen Bulldoge Chicco, Camila Luge mit Labrador Schoko und Kevin Richter mit Golden Retriever Theo. Bernd Müller weiß aus Erfahrung, „dass so eine Stadt viele Herausforderungen bereithält, bei der sowohl Hund als auch deren Halter einfach Ruhe bewahren müssen.“

Im Erdgeschoss des City-Centers geht es los mit der besonderen Trainingstour. „Schon der glatte Untergrund ist für viele Welpen eine Herausforderung, an die sie mit Geduld herangeführt werden müssen“, so Müller. Auch die offenen Geschäfte seien für die Vierbeiner neu und dürften nicht gleich als Einladung verstanden werden, erläutert er weiter. Der Hund soll ja schließlich auch lernen, sich in Gebäuden zu benehmen.

Ein besonderes Schreckgespenst in der Passage – zumindest für die Welpen – ist indes die Rolltreppe. Das plötzliche, laute Anfahren und das metallische Klappern ist selbst für die mutigsten Welpen eine Zumutung, auf die man bestenfalls verzichten sollte. „Die Krallen könnten sich dort verhaken und schlimmstenfalls zu Verletzungen führen, weshalb man Hunde von Rolltreppen besser fernhalten sollte“, rät der Hundefreund.

Am Markt und in der Langen Straße wird das sichere Straßenüberqueren geübt. Das klappt schon relativ gut bei allen Tieren. Am Eingang zu Kosel´s Hauswirtschaftsgeschäft bietet sich eine weitere Möglichkeit des Trainings. Beim Rosteüberqueren reagiert manch Hund das erste Mal vielleicht doch zögerlich, da ja diese Kellerabdeckungen nicht den gewohnten festen Untergrund wie allgemein bieten. Am Pflegeheim des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) klappt das Begehen der Rollstuhlrampe bei allen recht gut.

Dass dann noch im Inneren des Hauses die Fahrt mit dem Aufzug ansteht, ist für manch einen Vierbeiner ebenfalls etwas völlig Neues. „Das Aufzugfahren habe ich schon seit längerer Zeit in mein Stadttraining integriert, weil es ja schnell mal passieren kann, dass man mit seinem Hund den Lift benutzen muss.“ Letzte Station des Tages ist das Aussichtsplateau am Mühlenwehr – unmittelbar an der Spree. Dort gebe es nicht nur die Geräusche des Wassers, sondern die Höhe zu berücksichtigen, so Müller.

Abschließend zeigt sich der Hundetrainer recht zufrieden mit dem Tag, auch wenn das Training nun für die Halter allein weitergeht. „Herrchen und Frauchen müssen nun dranbleiben und regelmäßig weiter trainieren, damit das Gelernte verinnerlicht wird“, betont der Trainer. Nur so könne eine Umwelttauglichkeit des Vierbeiners gewährleistet werden, was den Stress – für beide Seiten – enorm minimiere, ergänzt der Spremberger.

Des Weiteren appelliert Müller aber nochmals an die Hundehalter, ihre geliebten Vierbeiner nicht zu verhätscheln oder sie zu vermenschlichen und sie stets weiter zu erziehen. Ein Umstand, den Müller immer wieder feststellen muss: „Schließlich stammt der Hund ja vom Wolf ab. Und falsch verstandene Tierliebe führt langfristig nur zu Problemen.“

Schließlich werden in der Welpenschule nicht nur die Vierbeiner erzogen, sondern die Besitzer gleich mit. „98 Prozent der Arbeit investiere ich in die Aufklärung oder Belehrung der Tierhalter“, bestätigt der Experte. Denn nicht selten würden bestimmte Rassen angeschaft, weil diese im Trend lägen, stellt er weiter fest. „Ohne Vorwissen sind die Besitzer dann schnell überfordert und schieben die Tiere nicht selten ins Heim ab“, bestätigt Müller.