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| 14:47 Uhr

Spremberg
„Das macht etwas mit euch“

Mit der Klampfe begleitet Hagen Rittel den den deutsch-russischen Schüleraustausch.
Mit der Klampfe begleitet Hagen Rittel den den deutsch-russischen Schüleraustausch. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Deutsche und russische Lehrer sind sich einig: Es ist mehr als ein Schüleraustausch zwischen Schelesnogorsk und Spremberg. Von Annett Igel-Allzeit

Mit den grünen Schüleraustausch-Shirts sind sie bereits in Schelesnogorsk aufgefallen. „In einem Einkaufszentrum“, erzählt Corinna Züge, Russischlehrerin am Erwin-Strittmatter-Gymnasium, „haben uns die Leute direkt angesprochen. Wo wir herkommen, wollten sie wissen, und ob der Austausch mit mehr Schulen möglich wäre.“ 13 Schulen, so Olga Schirotschenkova, stellvertretende Direktorin des Schelesnogorsker Gymnasiums Nr. 1, hat Sprembergs Partnerstadt, die Eisenerzmetropole im Westen Russlands.

Einen Tag Moskau und drei Tage Schelesnogorsk haben die jungen Spremberger vor Ostern erlebt, einen Tag Berlin und zweieinhalb Tage Spremberg die jungen Schelesnogorsker. Wenig Zeit, volles Programm, die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, viele Sponsoren und Eltern halfen.

Während die jungen Schelesnogorsker den Standrundgang in kurzen Hosen antreten, haben die 13 Spremberger Schüler von der Berufsorientierenden Oberschule (BOS) und dem Gymnasium im März russischen Kälte kennen gelernt. Minus 38 Grad Celsius, erinnert sich Vincent.  „Dafür gab es viel menschliche Wärme“, sagt Monika Droese, Russischlehrerin der BOS.

Überhaupt sind die Lehrerinnen – die deutschen wie russischen – stolz auf ihre Schüler. „Das hat etwas mit euch gemacht“, so Corinna Züge. Olga Schirotschenkova erklärt gerührt, dass sie nun in Spremberg ein paar „Kinder“ mehr habe, neue Schwestern und einen Bruder.

Mit dem Bruder meint sie Hagen Rittel, Sonderpädagoge der BOS. Er denkt über die mentalen Unterschiede nach und gibt Ernan, dem jungen Chilenen mitten im deutsch-russischen Schüleraustausch,  Recht. Ernan findet, dass die Russen den Chilenen ähnlich seien: Sie beginnen auch mal, mitten auf der Straße zu tanzen. „Weil die Deutschen da steifer sind, haben sie das Schunkeln erfunden“, behauptet Hagen Rittel, als er den Schülern als Nachtwächter Kulke Spremberg zeigt. Daniel Polyakov, Schüler des Strittmatter-Gymnasiums mit russischen Wurzeln, übersetzt. Wer nicht singen kann, bekommt den Schellenring in die Hand gedrückt. Die Leidenschaft, mit der junge Russen ihre Volkslieder singen, steckt an.

Eine Unterrichtsstunde von 90 Minuten – das machen die Russen klar – dauert zu lange. Am Montag- und Dienstagvormittag hatten sie am Blockunterricht teilgenommen. Ihre Lehrer hospitierten. Nachmittags ging es auf Tour. Görlitz, der  Strittmatter-Laden in Bohsdorf, Drachenbootfahren am Bootshaus. Neben weiteren Lehrern kamen auch Eltern auf das Kanuten-Gelände.

Das Interesse der Spremberger an der russischen Partnerstadt sei groß, bestätigt auch Bürgermeisterin Christine Herntier. Sie empfing alle am Dienstag im Rathaus, bekam Grüße vom Schelesnogorsker Bürgermeister. Sie wollte wissen, was die Schüler in Russland gesehen hatten, ob sie auch so viel essen mussten wie sie 2015 und wie es Anna, Darja, Viktor und den anderen in Spremberg gefällt.

Lucy erzählt, dass ihre Familie einen Urlaub in Petersburg plane: „Mein kleiner Bruder will die tief liegende Metro sehen.“ Schnell stellt  sie ihre Smartphone-Tastatur auf kyrillische Buchstaben um. So erreicht sie Lisa in Russland. Bis zur nächsten langen Nacht im Zug von Moskau nach Schelesnogorsk.

Für Hagen Rittel war es mehr als die erste Stadtführung mit Russen. „Wir machen hier echte Politik, verbessern das deutsch-russische Verhältnis, was den Großen gerade so schwer fällt.“ Und nebenbei bringe der Schüleraustausch in Spremberg auch die BOS und das Gymnasium zueinander.

Am 8. Mai legen russischen Schüler und Lehrer aus Schelesnogorsk mit ihren Spremberger Gastgebern Blumen an der Zentralen Gedenkstätte und auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof nieder.
Am 8. Mai legen russischen Schüler und Lehrer aus Schelesnogorsk mit ihren Spremberger Gastgebern Blumen an der Zentralen Gedenkstätte und auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof nieder. FOTO: Detlef Bogott