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Schüler kämpfen für Jugendtreff

Spremberg. Mit einem Hilferuf hat sich der Geschäftsführer des Albert-Schweitzer-Familienwerks am Mittwochabend an die Mitglieder des Spremberger Bildungsausschusses gewandt: Dr. Holger Wahl fürchtet, dass aufgrund eines Konzepts des Landkreises der offene Jugendtreff schließen muss – und zwar bereits Ende Juni. René Wappler

Selten besuchen Schüler aus freien Stücken eine Konferenz von Kommunalpolitikern. Doch am Mittwochabend schaute eine Gruppe von Jugendlichen dem Bildungsausschuss im Bürgerhaus zu, unter ihnen drei 18-jährige Gäste aus Spremberg. "Mir ist es wichtig, dass der Jugendtreff erhalten bleibt", sagt einer von ihnen, Leonhard Graf von Plettenberg. "Ein Mal pro Woche spiele ich dort Fußball, und ich nutze die Sportgeräte."

Valentin Schirmer erklärt: "Ich besuche regelmäßig das Bergschlösschen und den Jugendtreff - viel mehr Möglichkeiten gibt es für uns ja nicht in Spremberg."

Ähnlich äußert sich Mathes Grätz: "Es geht mir darum, dass eine Vielfalt erhalten bleibt, und die sehe ich nicht mehr, wenn der Jugendtreff schließen muss."

Kai Noack vom Albert-Schweitzer-Familienwerk sagt, er wäre "fast umgekippt", als er vom Plan des Kreises erfuhr, die vorhandenen Sozialarbeiterstellen auf die Schulen zu verteilen, sodass der Jugendtreff künftig leer ausgeht. "Nach wie vor halte ich das für einen Scherz", erklärt Kai Noack. "Klar ist mir, dass sich die Jugendarbeit verändern muss - aber ich habe eher den Eindruck, dass der Jugendtreff totgemacht werden soll." Er spricht von einem einmaligen Vorgang, der das Albert-Schweitzer-Familienwerk unter Druck setze: Ein Beschluss zu den Sozialarbeiterstellen solle schon am 19. Juni im Jugendhilfeausschuss des Landkreises fallen, woraufhin am 30. Juni die Kündigung an den betroffenen Träger gehen würde. Direkt wendet sich Kai Noack an die Bundestagsabgeordnete der Linken, Birgit Wöllert, die im Jugendhilfeausschuss des Kreises mitwirkt: "Bisher hat sich die Linke für Kinder und Jugendliche eingesetzt", sagt er zu ihr. "Hier geht es darüber hinaus auch um die Menschen, die in diesen Einrichtungen arbeiten."

Birgit Wöllert erwidert: "Auch im Jugendhilfeausschuss wird nicht einfach was vorgelegt und abgenickt. Wir haben klar gesagt, dass wir Sozialarbeiterstellen an den Schulen wollen."

Unzufrieden zeigt sich der Ortsvorsteher von Schwarze Pumpe, Göran Richter (SPD): "Man hätte vorher mal mit den Betroffenen sprechen sollen."

Ihm pflichtet Peter Reininger von der CDU bei: "Dass hier ein Jugendtreff eingedampft wird, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen." Auch wenn die Planungshoheit beim Landkreis liege, fordere er "ein deutliches Mitspracherecht der Stadt Spremberg". Schließlich plädiert eine Mehrheit der Mitglieder im Spremberger Bildungsausschuss für seinen Vorschlag, der lautet: Das Schließen einer Einrichtung zur Jugendarbeit wird abgelehnt. Offen bleibt vorerst, wie die Mitarbeiter des Landkreises darauf reagieren werden.