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| 02:35 Uhr

Schüler bauen Brücke nach Russland

Sie nehmen am Schüleraustausch teil: Anna Nirkow, Lena Emmrich, Daniel Polyakov, Vincent Korzenek, Luise Wittig und Lehrerin Corinna Züge (von links).
Sie nehmen am Schüleraustausch teil: Anna Nirkow, Lena Emmrich, Daniel Polyakov, Vincent Korzenek, Luise Wittig und Lehrerin Corinna Züge (von links). FOTO: René Wappler
Spremberg. Zwischen Schülern aus Spremberg und Schelesnogorsk bahnt sich eine Partnerschaft an. Sie tauschen Briefe aus, sie reden per Internet-Dienst Skype miteinander, und sie bereiten sich auf gegenseitige Besuche vor. René Wappler

So klein ist die Welt geworden. Mögen Spremberg und die Partnerstadt Schelesnogorsk auch 6000 Kilometer voneinander entfernt sein: Sobald sich Schüler aus beiden Regionen über Musik und ihre Lieblingsserien unterhalten, gibt es keine Distanz mehr.

Die 17-jährige Lubow schwärmt in einem Schreiben an ihre Spremberger Brieffreundin von den Serien "Sherlock" und "Game of Thrones". Eine 16-jährige Mitschülerin verehrt Comic-Verfilmungen wie die "Avengers" und "Captain America".

Diese Vorlieben teilen sie mit ihren deutschen Brieffreundinnen. Im Kontakt zwischen dem Spremberger Erwin-Strittmatter-Gymnasium und der Partnerschule aus Schelesnogorsk gelten vertauschte Regeln: Die deutschen Schüler schreiben auf Russisch, die russischen auf Deutsch. So lernen beide Seiten gleich die Tücken der anderen Sprache kennen, vielleicht sogar besser, als es jeder Unterricht vermitteln kann.

Die 17-jährige Lena Emmrich aus Spremberg erzählt: "Wir haben unsere Steckbriefe hingeschickt und schnell Antworten erhalten." Seitdem hält sie den Kontakt zur Austauschschülerin Lubow über das soziale Netzwerk Facebook, und neben der aktuellen Popkultur unterhalten sie sich auch darüber, was sie so im Leben vorhaben.

Zweisprachig ist Daniel Polyakov aufgewachsen, ein 14-jähriger Schüler, der am Spremberger Gymnasium lernt. Sein Vater stammt aus Russland, die Mutter aus Kasachstan. "Deshalb kann ich gut Russisch", sagt Daniel. "So pflege ich zu fast jedem der Austauschschüler Kontakt."

Die 18-jährige Anna Nirkow entstammt ebenfalls einer russischen Familie. Sie kam mit ihren Eltern im Jahr 2005 nach Spremberg, und sie fühlt sich in der Lausitz zu Hause. "Als ich am Schomberg eingeschult wurde, ging eigentlich alles ganz unkompliziert", erzählt sie. "Kinder sind ja meistens sehr offen, und so lernte ich die deutsche Sprache ziemlich schnell."

Insofern dient der Austausch sowohl Daniel als auch Anna zugleich als eine Brücke in die frühere Heimat. Im November kam es zu einer ersten Videokonferenz per Skype zwischen den Spremberger Gymnasiasten und ihren Partnern aus Schelesnogorsk. "Dabei wurden die anfänglichen Hemmungen schnell begraben", berichtet Anna, " und viele von uns hatten die Gelegenheit, diejenigen zu sehen, die ihnen vor mehreren Wochen schon einen Brief geschrieben hatten."

Darin liegt ein Segen der modernen Technik: Wenn sich die Schüler per Video miteinander unterhalten können, bekommt eine solche Partnerschaft gleich eine neue Dimension. Das stellt Russischlehrerin Corinna Züge fest. "Dabei sind wir erst am Anfang", sagt sie. "Der Kontakt zur Schule in Schelesnogorsk wächst Stück für Stück." So bereiten sich die Schüler beider Länder bereits auf gegenseitige Besuche vor - auch wenn dafür noch ein paar organisatorische Fragen geklärt werden müssen. Eines steht schon fest: Die Gymnasiasten werden nicht per Flugzeug reisen, sondern mit dem Zug. Schließlich geht es auch darum, die Landschaft kennenzulernen. Corinna Züge sagt: "Gerade angesichts der großen internationalen Konflikte finde ich es wichtig, dass es diesen freundschaftlichen Kontakt im Privaten gibt."

Zum Thema:
Als "besten Weg zur engen Zusammenarbeit unserer Völker" bezeichnet Evgeny Aljoschin von der Russischen Botschaft die Idee des Schüleraustauschs. Er besuchte im Mai die Stadt Spremberg, um an der Einweihung des neu gestalteten russischen Soldatenfriedhofs teilzunehmen. Bei der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages mit Schelesnogorsk sagte die Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos): "Obwohl uns Tausende Kilometer zwischen beiden Städten trennen, haben wir festgestellt, dass wir viele ähnliche Probleme zu lösen haben."