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| 18:04 Uhr

Besonderes Ehrenamt
Sprembergs Lesepaten können auch ganz still genießen

Monika Kunze, Schriftstellerin aus Weißwasser, war eine Überraschung für Sprembergs Lesepaten.
Monika Kunze, Schriftstellerin aus Weißwasser, war eine Überraschung für Sprembergs Lesepaten. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg . Sprembergs Lesepaten bekommen immer mehr Anfragen. In Kindertagesstätten werden sie fröhlich als „Leseomis“ begrüßt, von den Ortsgruppen der Volkssolidarität werden sie regelmäßig zu verschiedenen Themen „gebucht“. Von Annett Igel-Allzeit

Der Mittwochnachmittag ist ihr Hauptlesetermin geworden. Am heutigen Mittwoch lesen sie in Cantdorf in der Gaststätte „Zur Linde“. Manuela Kühn betreut die 14 Frauen und Krystian Kupka seit vielen Jahren. Die jüngste Vorleserin ist 36, die älteste Mitstreiterin über 80. „33 Programme“, so Manuela Kühn, „haben wir bereits entwickelt.“ Zu Themen wie Natur, Gesundheit und Beziehungskisten, zu allen vier Jahreszeiten, für die Adventszeit.

Cordula Engelmann ist eine der Leserinnen und gehört eindeutig zu Gattung „Leseratte“. „Ein Buch pro Tag muss sein“, gesteht  die 65-Jährige ihren Lesehunger. Sie liebt Thriller, hat eine Zeitlang aber auch mit herrlich kitschigen Liebesromanen verbracht. „Ich höre, was so alles an Literatur empfohlen wird. Und besonders anspruchsvolle Bücher schenkt mir immer mein Sohn“, erzählt sie. Aber durch schlechte Bücher sei ihr so ein Tag doch zu schade: „Erst lese ich das Ende, dann den Anfang und daraufhin entscheide ich, ob ich auch die Seiten dazwischen noch lesen will.“ Das Vorlesen, so sagt sie, entspanne sie. Und überhaupt: Sich regelmäßig in  er Gruppe zu treffen und sich mit den anderen Lesepaten über Literatur und das Leben auszutauschen, sei einfach schön. „Und bei den Programmen versuche ich immer, eine paar lustige Texte mit einzustreuen. Das ist auch wichtig für die Zuhörer.“ Wenn da nur Nachdenkliches und schwere Probleme vorgetragen werden, gehen sie mit einem unguten Gefühl nach Hause. Deshalb, so Cordula Engelmann, müsse immer etwas Heiteres und Leichtes dazwischen sein.

Genau das konnten die Lesepaten zu ihrer jüngsten Weiterbildung gut nachempfinden. Manuela Kühne hatte sie dazu jüngst ans „grüne Ufer der Spree“ eingeladen. Auf der Terrasse des Spremberger Bootshauses erwartete sie ein gesunden Frühstück und die Weißwasseraner Schriftstellerin Monika Kunze. Mit Büchern wie „Steh-auf-Frauchen“, „Wenn die Liebe stirbt“, „Zu Hause ist anderswo“ und „Dreimal sieben Jahre“ hat sie eine große Leserschaft erreicht. Das Wiederaufrappeln nach schweren Schicksalsschlägen, die Wendezeit, den Suizid-Versuch schreibt sie in den Vordergrund. In einer Sprache, die sich nicht nur gut still wegschmökern, sondern auch gut vorlesen lässt. Und Cordula Engelmann, Lisa Lehmann, Anja Guhlan und all die anderen Lesepatinnen leiden lauschend eine ganze Weile mit. Bis dann doch noch etwas Lustiges kommt: die Kindheitserrinnerungen, die Monika Kunze, die inzwischen auch eine ganze Reihe E-Books anbietet,  aufgeschrieben hat. Fröhlich lachen alle, als die kleine Moni den Schulranzen für Rutschpartien in einen Sommerschlitten verwandelt, damit der Hosenboden sie daheim nicht durch Grasflecken verrät. Der siebenschwänzige Stock der Großmutter wird trotzdem auf ihrem Rücken tanzen. „Dresche vergeht, Arsch besteht!“, ermutigt sie singend ihren Spielkameraden Peter und rettet ihn am Ende sogar noch.

Eine ganze Reihe Bücher hat Monika Kunze den Lesepaten in Spremberg gelassen. Das kurbelt die weitere Themensuche an. Angesiedelt sind die Lesepaten bei der Spremberger Freiwilligenagentur im Haus der Volkssolidarität in der Georgenstraße. Und als sie 2007 starteten, waren es vor allem Kinder, denen sie vorlasen. Weil ihre Eltern keine Zeit dafür haben oder die deutsche Sprache nicht beherrschen oder weil die Kinder einfach Geschichten lieben. „Diese Veranstaltung ist leider eingeschlafen“, sagt Manuela Kühn. Aber gefragt sind sie trotzdem unheimlich. Im Spree-Neiße-Kreis sind sie die einzigen Lesepaten – die Städte Forst und Guben haben so eine Gruppe nicht. Kerstin Kossack, Gleichstellungsbeauftragte und Beauftragte für sorbisch-wendische Angelegenheiten im Landkreis Spree-Neiße, die das „grüne Ufer an der Spree“ mit genießen durfte, lobte das Engagement und will sich die Spremberger nun mal ausborgen.