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Kultur
Schraubenyeti reist mit Klavier

Martin Lischke nimmt sein Klavier mit auf Reisen
Martin Lischke nimmt sein Klavier mit auf Reisen FOTO: Paul Glaser

Er hat den guten alten Rat beherzigt, der in vielen Familien bis heute gilt: Lerne erst mal was Ordentliches, dann kannst du immer noch weiter schauen. Der 28-jährige Martin Lischke aus Spremberg arbeitete als Maschinenbauingenieur im Görlitzer Siemens-Werk, das der Konzern trotz des Protests von Angestellten, Politikern und Gewerkschafts-Vertretern schließen will. Schon im Jahr 2013 deutete sich dort ein  Stellenabbau an, wie Martin Lischke berichtet. Also stieg er ganz auf seine Leidenschaft um: Seitdem tourt er samt seinem Klavier als Musiker durch die Welt, und am 9. Dezember wird er in der nordrhein-westfälischen Stadt Siegen als einer der nominierten Künstler für den Deutschen Rock- und Pop-Preis auftreten, in der Kategorie der Songwriter.

Inzwischen kann Martin Lischke sogar von seiner Musik leben. „Das ist wohl wie bei jedem anderen Beruf“, sagt er. „Wenn man sich ihm nur halbherzig widmet, wird auch nur was Halbes draus.“ Richtig Energie hineinzustecken, das Gefühl zu erleben, „dass was dabei rumkommt“ – das sei in einem Nebenjob kaum möglich.

Insofern hat ihn der Abschied aus seinem bisherigen Beruf beflügelt und ermutigt. Natürlich verfolgt Martin Lischke die jüngsten Meldungen zum Siemens-Werk in Görlitz, natürlich ärgert er sich darüber, dass seine frühere Arbeitsstelle bald nicht mehr existieren wird. „Aber die Tendenz war schon vor fünf Jahren abzusehen“, sagt er. „Damals wurden schon Stellen gestrichen, obwohl das Werk bestens ausgebildete Fachkräfte beschäftigte, die sich auch mit der Energiewende auskannten.“

Inzwischen wohnt Martin Lischke, der sich wegen seiner Freude am Heimwerken auch als „Schraubenyeti“ bezeichnet, in Leipzig. Mit seinem umgebauten VW-Bus reist er von Auftritt zu Auftritt, „auf Marktplätzen, Häfen und in Parks“, wie er berichtet. Das Klavier stattete er mit Rädern aus. Für den Transport im Bus bastelte er eigene Schienen, um sich beim Ausladen des Instrumentes nicht zu verheben. Sein erstes Album nannte er „Ein Tier am Klavier“. Im Jahr 2015 begab er sich für vier Monate nach Australien. Diese Reise inspirierte ihn zu seinem Mini-Album „Out of Rooteney“, auf dem er erstmals auch zwei englischsprachige Lieder sang. Gemeinsam mit seiner Liveband „Das Mammut“ will er nun ein neues Album aufnehmen, für das er eine Werbekampagne ins Leben gerufen hat. Unter dem Projektnamen „Von hier ab jetzt“ setzt Martin Lischke auf das Modell der Gruppenfinanzierung im Internet, bekannt unter dem englischen Begriff des Crowdfundings. Seinen Schritt begründet er so: „Mit dem Geld werden all die Menschen bezahlt, die einen professionellen Job machen, um dieses Album zu einer runden Sache werden zu lassen.“ Auf der Internetseite www.startnext.com/schraubenyeti haben die Fans bereits 3300 Euro gespendet. 7000 bis 10 000 Euro benötigt der Musiker nach eigenen Angaben für die Produktion des Albums. Noch in diesem Monat will er die Finanzierung abschließen. Erscheinen wird es voraussichtlich bis zum Ende des Jahres 2018.

Zuvor besucht Martin Lischke jedoch seine Heimatstadt: In der Weinhandlung Gässner in der Langen Straße 9 in Spremberg wird der Schraubenyeti am Freitag, 15. Dezember, ein Konzert geben – bei freiem Eintritt. Es beginnt um 19.30 Uhr.