| 02:37 Uhr

Schock nach Überfall sitzt tief

Der Überfall ereignete sich tagsüber an der Bahnhofstraße, wie die junge Frau aus Spremberg berichtet. Die Polizei sucht weiter nach den Tätern.
Der Überfall ereignete sich tagsüber an der Bahnhofstraße, wie die junge Frau aus Spremberg berichtet. Die Polizei sucht weiter nach den Tätern. FOTO: wr
Spremberg. Zwei Wochen nach dem Überfall an der Spreebrücke in der Spremberger Bahnhofstraße berichtet die ausgeraubte Frau, wie sie den Angriff dreier Jugendlicher erlebt hat. Nach eigenem Bekunden fürchtet sie sich immer noch vor Menschengruppen – und will anonym bleiben. René Wappler

"Die erste Woche war schwer", erklärt sie. "Ich schlief kaum und bekam kaum einen Bissen herunter." Bis heute leide sie an den Folgen der Tat.

So erinnert sich die 29-jährige Frau an den Überfall: Sie stellte ihr Auto auf dem Parkplatz am Georgenberg ab. Ihren elf Monate alten Sohn legte sie in den Kinderwagen. Sie lief mit ihm in die Innenstadt, um einzukaufen, bemerkte unterwegs, dass sie ihr Mobiltelefon vergessen hatte, kehrte um und sah drei junge Männer am Tunnel unter der Bahnhofstraße. "Zwei lehnten an der Wand, einer stand ihnen gegenüber, und sie unterhielten sich scheinbar", berichtet sie. Als sie mit dem Kinderwagen in den Tunnel lief, ging einer der jungen Männer auf sie zu und berührte sie an Brust und Gesäß. "Erschrocken und angewidert stieß ich ihn von mir." In diesem Moment baute sich ein anderer Täter vor ihr auf: "Gib Geld", sagte er zweimal, zog ein Klappmesser aus seiner rechten Hosentasche und bedrohte sie damit. "Ich gab ihm meine Scheine aus dem Geldbeutel, er forderte mich auf, ihm meine Brieftasche zu zeigen, immer noch mit dem Messer in der Hand." Dann sagte er: "Gib Uhr". Als sie ihm Folge leistete, rannten alle drei jungen Männer sofort an ihr vorbei. "Ich ging sofort aufgelöst mit meinem schreienden Baby los, weiter in Richtung Auto, ohne mich umzudrehen, ich setzte ihn hinein und verließ den Ort." Erst später brach sie in Tränen aus.

Zwei der drei Jugendlichen würde sie nach eigener Aussage wiedererkennen. Positiv äußert sie sich zur Arbeit der Polizeibeamten im Spremberger Revier: "Sie nahmen die Sache sehr ernst, schickten sofort einen Streifenwagen los und fuhren auch mit mir noch mal alles ab." Wie die Pressestelle der Polizei kurz darauf mitteilte, sind die drei Täter vermutlich 15 bis 17 Jahre alt, bei einer Größe von 1,60 Meter bis 1,70 Meter. Sie sprechen gebrochenes Deutsch und werden als "arabisch aussehend" beschrieben. Bisher hat die Polizei die Identität der Täter noch nicht geklärt. Die Beamten ermitteln weiter in diesem Fall. Zwei Tage lang verließ die Frau ihr Haus nicht mehr. "Jede Ansammlung von Menschen strengte mich total an", sagt sie. "Das ist bis heute noch so, weil man nur damit beschäftigt ist, zu sehen, dass man nicht mehr in so eine Situation kommt." So vermeide sie es, allein mit ihrem Sohn spazieren zu gehen. "Ich bin froh, dass ich einen guten Partner und eine verständnisvolle Familie an meiner Seite habe, sowie einen Freundeskreis, der versucht, sich gut um mich zu kümmern und mich aufzufangen." Trotzdem trägt sie sich mit grundsätzlichen Bedenken: Es ängstige sie, dass Asylbewerber oft in Gruppen unterwegs seien. "Ich will nicht alle von ihnen über einen Kamm scheren", erklärt sie. "Aber die Täter standen mit einem gezogenen Messer vor mir und meinem elf Monate alten Baby."

Zum Thema:
Bei der Gewaltkriminalität im Land Brandenburg zeigte sich nach Jahren des Rückgangs im vergangenen Jahr erstmals wieder eine Zunahme der Fälle - und zwar um 15,6 Prozent auf 4767 Straftaten. Dies teilt die Pressestelle des Brandenburgischen Innenministeriums mit. Raubüberfälle - wie im geschilderten Beispiel aus Spremberg - zählen zur Gewaltkriminalität. Beim Delikt der Körperverletzung sei ein sehr hoher Anstieg nichtdeutscher Tatverdächtiger zu verzeichnen. Die Aufklärungsquote bei Gewaltkriminalität lag im Jahr 2016 bei 79,5 Prozent.