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Spremberg
Er sieht die Schlange im Ast

Eichhörnchen hat der Kettensägenschnitzer Torsten Wanke in diesem Zedernholzstamm entdeckt.
Eichhörnchen hat der Kettensägenschnitzer Torsten Wanke in diesem Zedernholzstamm entdeckt. FOTO: Annett Igel-Allzeit / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Spremberg. Torsten Wanke hat beim Sägen des Ofenholzes sein Hobby entdeckt. Von Annett Igel-Allzeit

Der Grizzly hat sich hoch aufgerichtet. Er droht mit seinem offenen Maul, seine Reißzähne leuchten weiß. Die Vorderpfoten rudern in der Luft. Vor seinen Hinterpfoten schlängelt sich eine armdicke Natter. Torsten Wanke schmunzelt. „Dass eine Schlange in diesem Ast steckt, habe ich schon im Wald gesehen“, sagt er.

Seit mehr als 20 Jahre sägt er nun schon Brennholz für seinen Ofen. Dafür bewirtschaftet der Sellessener auch ein Stück Wald. Ein prächtiger Mischwald. „Und plötzlich kam mir die Idee, in so einen Stamm mit der Kettensäge mal ein Gesicht zu schnitzen. Ein Rübezahl ist nicht schwer. Mund, Augen, Runzeln und ein ordentlicher Zinken“, zählt der 49-Jährige auf. Eulen folgten, Adler, ein Ziegenbock, der Elefant und mit Axt und Schrotsäge auch Gegenstände. Witz hat die bärenstarke Sitzgelegenheit gegenüber auf dem Hof. Während man am Bankende rechts einen Bärenkopf streicheln kann, erscheint links ein Bärenpopo mit Stummelschwanz und Hinterbeinen. An der Lehne rauschen Tannen, und auf der Sitzfläche hat Torsten Wanke Bärentatzenspuren hinterlassen.

Wer ihn direkt fragt, erfährt, dass er sich mehr als Sellessener als als Spremberger fühlt. Trotzdem hat er den Wolf für die Schaufensteraktion zur Belebung der Spremberger Innenstadt gern beigesteuert. „Ich bin hier aufgewachsen, war ein eher ruhiger Schüler. Meine Kunstlehrerin würde über die Skulpturen hier doch sehr staunen“, so Torsten Wanke.

Gelernt hat er nach der Schulzeit erst einmal Landmaschinenschlosser. Und Tiere mag er schon immer, Auf seinem Hof leben einige. Und was er über Weißkopfadler, die Bienen, Igel oder Waschbären noch nicht weiß, recherchiert er, wenn er sie für Freunde und Bekannte schnitzen soll.

Meist entscheidet er sich für Eichenholz. „Die Leute, denen ich etwas schnitze, sollen schließlich lange Freude an der Figur haben. Eiche, wenn man sie ein bisschen behandelt, ist da ideal. Aber auch Kiefer habe ich schon ausprobiert. Gerade arbeite ich mit Zedernholz. Das hat mit eine Familie vorbeigebracht, die die Zeder in ihrem Garten fällen musste, aber aus dem Holz etwas als Erinnerung geschnitzt haben möchte“, erzählt Wanke. Wanke hat sich den Stamm angesehen, sich mit der Familie ausgetauscht. Inzwischen thront ein Eichhörnchen ganz oben, aus einem Loch im Stamm schaut ein zweites Eichhörnchen. Ja, und dass sie so neugierig gucken, liegt an einem Bärenjungen am Fuße der Zeder.

Leben will Torsten Wanke mit der Kettensägenschnitzerei in das gefällte Holz bringen. „Die Figur immer lebendiger wirken zu lassen, daran arbeite ich.“

Als Zuschauer hat er sich in diesem Jahr zu Pfingsten beim Weltcup der Kettensägenschnitzer umgeschaut. „Die großen Wildtiere Europas bei Liebe oder Kampf war das Thema“,  erinnert sich Torsten Wanke noch genau. „Aber dort in Blockhausen bei Freiberg habe ich gesehen, dass ich von den Großen in Sachen Lebendigkeit noch kilometerweit entfernt bin“, so der Sellessener. Aber das mache ihn keineswegs traurig, sondern sporne an. „Ich schnitze nur in meiner Freizeit  Aber es tut mir rundum gut. Endlich habe ich ein richtiges Hobby. Und so eine Skulptur lässt mir auch keine Ruhe, bevor ich sie nicht vollendet habe.“ Bei einem großen Bär, für den er sich auch extra kräftige Eichen kauft, braucht Torsten Wanke  schon mal etwas länger.

Aber so ein Eichhörnchen ist schnell geschafft. „Die Nachbarn kommen gucken, wenn sie mal wieder meine Säge gehört haben“, sagt Wanke. Und neben maximaler Lebendigkeit hat er noch einen Traum: Er will nach einigen grimmigen Waldgeistern auch mal eine schöne Nixe schnitzen. „Das ist mit zwei Augen und einem Zinken in der Mitte nicht getan“, gesteht er lachend.