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Schlauchtum vor dem Fall

Der Schönheider Schlauchturm ist gut von Graustein aus zu sehen, aber er ist ein Sicherheitsproblem am Rande der Dorfaue geworden.
Der Schönheider Schlauchturm ist gut von Graustein aus zu sehen, aber er ist ein Sicherheitsproblem am Rande der Dorfaue geworden. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg-Schönheide. Mehr als zwei Jahrzehnte haben die Schönheider um den Erhalt des Schlauchturms auf dem Dach des einstigen Feuerwehrdomizils an der Straße "Schöne Heide" gekämpft. Er gehört zum Ensemble der Dorfaue. Annett Igel-Allzeit

Doch nun gibt der Ortsbeirat auf. Am 20. Februar steht der Rückbau des Turms auf der Tagesordnung der Ortsbeiratssitzung. "Die Stadt Spremberg hat sicher kein Geld, und ich mache mir Sorgen um die Sicherheit unserer Kinder hier im Dorf", so Ortsvorsteher Wilfried Noack.

Wer in einem Dorf die Feuerwehr sucht, muss in der Regel nur über die Dächer schauen, bis er einen Schlauchturm in den Himmel ragen sieht. Sie wurden gebaut, damit die Schläuche dort nach den Einsätzen trocknen können. Früher, als die Schläuche noch aus Hanf waren, war das ganz wichtig, heute, bei den Kunststoffschläuchen, macht es auch noch Sinn, ist aber nicht mehr zwingend nötig. Es gibt inzwischen elektrisch betriebene Schlauchtrockner. Aber die Sirene hat ihren Platz auf dem Turm. Und sind die Türme richtig stabil wie an Spremberger Hauptwache, erklärt Fachbereichsleiter Frank Kulik, kann in und an ihnen auch trainiert werden: "Innen haben wir Treppen, die die Kameraden mit schwerem Gerät hinauf- und hinunterlaufen, außen kann auch mal mit der Hakenleiter geübt werden." Doch in Schönheide ist die Sachlage ganz anders: Der Turm ist sichtbar, wenn man sich von Graustein auf der B 156 dem Spremberger Ortsteil nähert. Doch die Ortsfeuerwehr nutzt inzwischen das etwa 100 Meter entfernte Herrenhaus. Die "Martha", das Schönheider Tragkraftspritzenfahrzeug und Nachfolger des alten Opel Blitz, hat dort seit 2009 ihre Garage.

Am alten Domizil ist das Betreten seit Jahren verboten, ein Zaun sperrt den Zugang, Schilder warnen vor der Einsturzgefahr. Um die Schläuche zu trocknen, hatten die Schönheider Feuerwehrleute in den 50er-Jahren den Holzturm hochgezogen. Er ragt aus dem Dach des alten Feuerwehrdomizils an der Dorfaue und trägt noch die Sirene.

Auf der Tagesordnung des Ortsbeirates steht der Turm nicht zum ersten Mal. 2008 stellten die Schönheider seine Sanierung sogar an die erste Stelle ihrer Investitionsliste für die Vorhaben 2010. Wilfried Noacks Argumente damals waren, dass der Turm den Sturm ,Kyrill" überlebt hatte und der Ortsteil das alte Feuerwehrgebäude als Unterstellmöglichkeit für Gerätschaften, die alte Kegelbahn und Bänke fürs Festgelände braucht. Im Jahr 1996 war das Dach des alten Feuerwehrgebäudes noch einmal saniert worden, auch der Schlauchturm wurde dabei äußerlich erneuert. "Aber an den morschen Tragbalken im Inneren haben die Handwerker damals nichts getan", erinnert sich Noack. Inzwischen stehen auch die Grundstücke links und rechts leer. Und obwohl das Gelände abgesperrt sei, tummeln sich immer wieder Kinder dort. "Ich kann nicht sagen, in welche Richtung der Turm fällt, wenn wir nicht handeln. Aber ich möchte keine Angst mehr um unsere Kinder haben müssen, deshalb soll der Turm so schnell wie möglich abgetragen werden", so der Ortsvorsteher. "Ich habe mir jetzt das Okay für den Rückbau bei unseren ältesten Feuerwehrleuten geholt." Nun soll der Ortsbeirat, in dem auch die Schönheider Ortswehrführerin Tanja Belaschk sitzt, abschließend über den Rückbau befinden. Kostenlos wird aber auch das Abtragen des Turms nicht werden.

Zum Thema:
Der Ortsbeirat in Schönheide tagt am kommenden Montag, 20. Februar, ab 18 Uhr im Versammlungsraum an der Teichstraße. Neben dem Schlauchturm stehen die Raumnutzung fürs Dorfgemeinschaftshaus und die Mittel, die Schönheide 2017 für die Kultur im Ort ausgeben will, auf der Tagesordnung der Ortsbeiratssitzung. Die Bürger sind nicht nur zum Zuhören, sondern auch mit Fragen willkommen.