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Schlafmittel wurde für eine Sprembergerin zur Sucht

Spremberg. Schlafmittel können süchtig machen. Diese Erfahrung hat eine 38-jährige Sprembergerin gemacht. ani

Gerade versucht sie, aus dem Teufelskreis herauszukommen, gestern musste sie sich vorm Amtsgericht wegen Betrugs in Tateinheit mit Urkundenfälschung verantworten. Die Cottbuser Staatsanwaltschaft warf ihr vor, sich 2015 über acht Monate in der Spremberger Arztpraxis, in der sie gearbeitet hatte, selbst 67 Rezepte ausgeschrieben zu haben. Verschiedenen Krankenkassen hat sie damit laut Anklage einen Gesamtschaden von 1815 Euro zugefügt.

Bereits bei den Ermittlungen habe sie ihr Vergehen im vollen Umfang gestanden. Wie ihr Anwalt erklärte, habe seine Mandantin seit 2011 zunehmend an Schlaflosigkeit und Nervosität gelitten. 2014 soll sie ein Schlafmittel, das in der Arztpraxis gelagert gewesen war, ausprobiert haben. Da es zu helfen schien, habe sie immer wieder danach gegriffen und sei schließlich in eine Abhängigkeit geraten. Sich mit ihren gesundheitlichen Problemen und der Sucht ihrer Arbeitgeberin oder einem anderen Arzt anzuvertrauen, vermied sie zunächst. Wohl aus Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, erklärte ihr Anwalt. Sie habe weiter die unterschriebenen Rezeptzettel, die in der Praxis lagen, genutzt, um sich immer wieder neue Schlafmittel zu verschaffen. Erst kurz vor ihrer Kündigung wandte sie sich an einen Arzt. Inzwischen habe sie eine ambulante und eine stationäre Therapie hinter sich, ist aber arbeitslos. Eine neue Stelle in einer Zahnarztpraxis verlor sie wieder, weil, so der Anwalt, sich ihr Problem doch herumgesprochen habe.

Gestern im Gerichtssaal wirkte sie sehr niedergeschlagen, still. Der Staatsanwalt bewertete das umfangreiche Geständnis positiv. Ebenso, dass sie sich um die Therapien bemühte und bemüht und dass sie keinerlei Vorstrafen hatte. In seiner Forderung zum Strafmaß plädierte er für 90 Tagessätze zu zehn Euro, weil erst Geldstrafen über 90 Tagessätze im Führungszeugnis auftauchen würden, und er ihr die Rückkehr in den Beruf nicht ganz verderben wolle. Allerdings seien es ganze 67 Einzelfälle gewesen. In einem Fall lag der Schaden der Krankenkassen bei mehr als 100 Euro, in allen andern Fällen unter 50 Euro. Ihr Anwalt hielt mit 90 Tagessätzen zu einem Euro dagegen. Sie habe schließlich versucht, sich selbst zu helfen.

Die Richterin entschied sich im Urteil für 90 Tagessätze zu fünf Euro - insgesamt 450 Euro. Sie appellierte noch einmal an die Angeklagte, dass sie die Therapietermine auch weiterhin besucht. Eine Schadensforderung der Krankenkassen in Höhe von knapp 500 Euro soll die Sprembergerin ihrem Anwalt zufolge bereits beglichen haben.