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Schatz aus Holz versinkt im Clara See

Neben dem Schlauchboot liegt der Einbaum des Archäotechnischen Zentrums am Ufer des Clarasees.
Neben dem Schlauchboot liegt der Einbaum des Archäotechnischen Zentrums am Ufer des Clarasees. FOTO: wr
Welzow. Wertvolles Holz liegt seit wenigen Stunden im Welzower Clara See. Taucher haben die archäologischen Schätze am Dienstag versenkt – im Dienste der Forschung. René Wappler

Bevor Uwe Woltmann seinen Taucheranzug überstreift, sagt er: "Wenn wir in Rente gehen, holen wir das Holz wieder raus." Das meint er nur halb im Scherz. Von verschiedenen Fundorten stammt das Material. Aus Potsdam, aus Jüterbog, aus dem Tagebau Jänschwalde. Der Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege, Professor Franz Schopper, zählt an diesem Morgen zu den Besuchern der Aktion am Clara See, und er erklärt, was mit dem Holz passieren soll. "Wir probieren aus, wie es auf Lagerung reagiert", sagt er. "Je weniger Sauerstoff und Licht es abbekommt, desto länger hält es sich."

Als Unterwassermagazin bezeichnen die Mitarbeiter des Archäotechnischen Zentrums in Welzow den See. In zwei Metern Tiefe werden die Taucher das Holz versenken: Eine Brunnenkonstruktion aus dem 17. Jahrhundert gehört dazu, 12 000 Jahre alte Fundstücke - und neues Material aus dem Baumarkt.

Die drei Taucher vom Verein für Unterwasserarchäologie wollen herausfinden, was im Wasser mit dem Baumarkt-Holz geschieht. Dazu verpacken sie es in einer Folie aus Unkraut-Vlies. Denn auch daraus können sie eines Tages Antworten auf die Frage finden, mit welchen Mitteln sich archäologische Schätze dieser Art am besten konservieren lassen. Die Vereinsvorsitzende Franziska Wegener spricht von einer Premiere. "Normalerweise holen wir Holz aus dem Wasser, heute hingegen bringen wir es hinein."

Wann genau es wieder an die Oberfläche kommen soll, steht derzeit noch nicht fest. Nur so viel ist klar: Es wird viele Jahre dauern. Dies erläutert Landesarchäologe Franz Schopper.

Franziska Wegener ruft den anderen beiden Tauchern zu: "Dann sind wir so weit startklar, müssen nur noch in die Klamotten springen." Ihre Anzüge wiegen 40 bis 45 Kilogramm. Zwischendurch reißen die Männer Witze. "Jedes Mal wieder frage ich mich: Wieso rasierst du dir den Bart nicht?", sagt Lukas Goldmann vom Verein für Unterwasserarchäologie zu Uwe Woltmann, als die beiden vorsichtig in ihren eng bemessenen Tauchermonturen das Holz auf das rote Schlauchboot legen.

Auch Karin Hesse von der Spremberger Land GmbH ist an den Welzower Clara See gefahren, um beim Versenken der Schätze zuzuschauen. Die Firma hat sich erst vor knapp einem Monat gegründet, und sie soll der Region dabei helfen, das Tourismus-Geschäft auszubauen. "Es gibt bei uns so großartige Aktionen", sagt Karin Hesse mit Blick auf die Taucher und das historisch kostbare Holz, das nun im Schlauchboot auf dem Wasser schwimmt. "Damit können wir durchaus für unsere Gegend werben."

Nach Auskunft des Archäologischen Zentrums werden in ganz Brandenburg ständig Hölzer geborgen, deren Ursprung bis in die Bronzezeit zurückreicht - die Ära zwischen 2200 und 800 vor Christus. Das Verfahren zur Konservierung sei eben nur unter besonderen Bedingungen möglich, wie es auch Professor Franz Schopper vom Landesamt für Denkmalpflege erläutert. Gewässer wie der Clara See eignen sich demnach gut dafür - und so kann es passieren, dass dieser Premiere in naher Zukunft ähnliche Aktionen folgen.

Am Dienstagmittag ist das Holz im See versenkt. Dort schlummert es nun bis auf Widerruf.