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| 19:29 Uhr

Kritische Waldsituation
Schädlinge lauern im Wald

 Ein massives Auftreten von Borkenkäfern fürchten private Waldbesitzer auch im Landkreis Spree-Neiße. Da der Holzpreis aktuell so niedrig ist, scheuen viele den finanziellen Aufwand, die Bäume aus dem Wald zu entfernen.
Ein massives Auftreten von Borkenkäfern fürchten private Waldbesitzer auch im Landkreis Spree-Neiße. Da der Holzpreis aktuell so niedrig ist, scheuen viele den finanziellen Aufwand, die Bäume aus dem Wald zu entfernen. FOTO: dpa / Klaus-Dietmar Gabbert
Auch rund um Spremberg fürchten Waldbesitzer Preisverfall durch Borkenkäfer.

Wenn es nach Udo Grams geht, dann braucht man als Waldbesitzer derzeit Nerven aus Drahtseilen. Und Grams muss wissen, wovon er spricht, schließlich ist er als privater Waldbetreuer tätig. In seinem Job kümmert er sich mitunter um die komplette forsttechnische Betriebsleitung. „Ich plane und organisiere sämtliche forstlichen Maßnahmen“, erklärt der Förster. Von Durchforstung, Kulturpflege, Holzernte bis hin zur Holzvermarktung kann er alles arrangieren, wenn es nur gewollt ist.

Zu seinem Aufgabengebiet zählt aber auch das Monitoring forstlicher Schadinsekten und das bereitet ihm ziemliche Bauchschmerzen, wie er offen zugibt. „Durch Sturmtief ‚Herwart“ und Orkan ‚Friederike’ sind die Gehölze noch immer so dermaßen geschwächt, dass sie einfallende Schädlinge fast nicht mehr abwehren können.“ Die noch immer andauernde Trockenperiode würde die Situation weiter verschlimmern, heißt es von Grams

Vielerorts sind die Wälder bereits großflächig und langfristig geschädigt. „Kaum eine Region, die keine Schäden an den Bäumen zu beklagen hat.“ In solchen Fällen müsse Holz eigentlich sofort geschlagen und aus dem Wald entfernt werden, wie der Förster ermahnt. Ist ein Baum erst einmal von Borken- oder Prachtkäfer befallen, dann schwärmt die Brut rasant aus. Bei den stetig steigenden Temperaturen seien schon jetzt erste Schädlinge aktiv. Dabei muss man wirklich kein Fachmann sein, um geschädigte Hölzer oder Schädlinge zu entdecken. „Rötlich abgestorbene Kiefernnadeln, feines Bohrmehl am Waldboden, Harzfluss oder die strukturierten Gangsysteme unterhalb der Rinde –  das alles ist leicht zu erkennen und ein Grund zu handeln.“

Bei den unzähligen Visiten in Privatwäldern seien die Waldbesitzer immer wieder entsetzt, wie schlecht es um die eigenen Gehölze bestellt ist, bedauert Grams. „In Anbetracht des schlechten Holzpreises droht dann meist ein Verlustgeschäft.“ Lag der Preis für einen Festmeter Holz vor einiger Zeit noch bei 50 Euro oder mehr, liegt er derzeit nur noch bei 10 Euro. „Wenn überhaupt, denn vielfach wird das Holz nicht einmal mehr von Unternehmen abgenommen und zwar europaweit“, wie Grams in Erfahrung bringen konnte. Und trotzdem müssen die schadhaften Bäume dem Bestand entnommen werden, um die Schädlinge vom „gedeckten Tisch“ zu entfernen. Hierfür rät der Förster den Waldbesitzern zum Zusammenschluss, um anfallende Kosten für Geräte und den Abtransport zu teilen und somit zu minimieren.

Grams hofft jedoch, dass sich die Bestände doch wieder erholen. „Schon nach dem Orkan ‚Kyrill’ sah es schlecht um die hiesigen Wälder aus.“ Zwar seien die Jahre nach 2007 wirklich hart für Waldbesitzer gewesen, aber allmählich habe sich der Bestand wieder erholt, wie sich der Waldfachmann erinnert. Trotzdem ärgert eines den Fachmann enorm: „Während in Sachsen die Förderung betroffener Waldbesitzer schon recht gut funktioniert, bekommen die Brandenburger meist nur einen ‚Bruchteil’ bezuschusst.“ In Anbetracht der aktuellen Lage müsse sich dies rasch ändern, wünscht sich Grams, der trotzdem optimistisch in die Zukunft blickt.

 Ein massives Auftreten von Borkenkäfern fürchten private Waldbesitzer auch im Landkreis Spree-Neiße. Da der Holzpreis im Keller ist, wird ein notwendiges Beröäumen befallener Bäume schwierig.
Ein massives Auftreten von Borkenkäfern fürchten private Waldbesitzer auch im Landkreis Spree-Neiße. Da der Holzpreis im Keller ist, wird ein notwendiges Beröäumen befallener Bäume schwierig. FOTO: dpa / Klaus-Dietmar Gabbert