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| 18:45 Uhr

Spremberg
Die Mimik am Schachbrett

Die Schachspieler der Spremberger Oberschule während einer Partie zum Lächeln zu bringen, ist nicht so einfach.
Die Schachspieler der Spremberger Oberschule während einer Partie zum Lächeln zu bringen, ist nicht so einfach. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Spremberg. Sprembergs Oberschüler suchen Schachgegner und helfen beim Turnier am 26. Mai. Von Annett Igel-Allzeit

Zwei Springer hat Alexander verloren. Kein Grund zur Panik für den 15-Jährigen aus dem russischen Oblast Nowosibirsk. Langsam pustet er Luft in die linke Hand, greift sich mit rechts seinen weißen Läufer, lässt ihn über einen schwarzen Bauern hüpfen und tippt auf das Stopp-Knöpfchen der Schachuhr. Frank Riemer, ehrenamtlicher Schachlehrer aus Bagenz, ist sein Gegner – und gibt sich unbeeindruckt. Seit Jahren hat die Berufsorientierende Oberschule Spremberg (BOS)  eine Schach-AG, so Schulsozialarbeiterin Bärbel Neumann. Mittwochs werden um 13.30 Uhr die Figuren aus den gelben Stoffsäckchen geschüttelt.

Das zehnte Spremberger Schachturnier der Grundschüler, so erzählt sie den Jungen und Sara, findet am 26. Mai im „Haus des Lernens“ statt. Um mitspielen zu können, sind die sieben BOS-Schüler zu alt. Aber sie sind eingeladen, die Grundschüler am Brett zu betreuen. Aaron freut sich: „Als Grundschüler habe ich dort mitgespielt.“ Schachspielen mache ihm Spaß, auch wenn er gegen Alexander nicht gewinnt. „Ich habe ADHS“, sagt Aaron. Damit gelte er als hyperaktiv und brauche mehr Aufmerksamkeit. „Schach holt mich ein bisschen runter. Ich lerne Strategien, muss mir merken, welche Figur wie weit gehen darf. Und Schach ist als Sportart anerkannt“, so Aaron. Alexander nickt. „Ein Spiel kann anstrengend sein wie ein Lauf. Trotzdem vergleiche ich Schach eher mit Kunst“, sagt er und erklärt: „Wenn ich ein Kunstwerk schaffe, suche ich mir zuerst alles zusammen, was ich für ein gutes Bild brauche. So ist das auch beim Schach mit Zügen und Strategien.“

Vor zwei Jahren kamen die Brüder Alexander und Ivan mit ihren Eltern nach Spremberg. Ivan will Flugzeugmechaniker werden, liebt Mathe. Nur Deutsch fällt dem 17-Jährigen schwerer als seinem jüngeren Bruder. Sie boxen beide. Und beide spielen regelmäßig Schach gegen ihren Vater. Fünf Jahre waren sie alt, als sie die Figuren erstmals hin und her schoben. In Cottbus, hat Alexander herausgefunden, gibt es Schachvereine. „Aber da kann ich noch nicht regelmäßig hinfahren.“ Im Internet Schachpartner zu finden, sei möglich. Aber so an einem Tisch ist es doch spannender. Was lässt man sich während des Spiels in der Mimik anmerken, was nicht? Alexander lacht.  „Garri Kasparow und Anatoli Karpow, unsere Großmeister, sind da ganz unterschiedlich“, weiß er. Während Karpow als „Pokerface“ gilt, der keine Gefühle zeigt, wird Kasparow nachgesagt, gegenüber Gegnern gelegentlich Nervosität vorzutäuschen.

„Viel Zeit haben wir in der Arbeitsgemeinschaft leider nicht“, sagt Frank Riemer, „wichtig ist, zuerst für jeden einen passenden Gegner zu finden.“ Sara, die Siebtklässlerin, ist neu in der AG und spielt zuerst gegen Bärbel Neumann. Frank Riemer macht Sara Mut: „Wenn Mädchen Schach lernen, dann werden sie meist richtig gut.“ Sara seufzt. Wie bei Ivan und Alexander war es auch der Vater, der sie mit den ersten Schachregeln vertraut machte. Nun will sie dazulernen. Hausaufgaben gibt Frank Riemer nicht auf. Er befürchtet, dass das bei den Schülern nicht gut ankommt. Aber wenn es die Gelegenheit am Brett gibt, erklärt er besondere Züge wie das En Passant und die Rochade. Oder er spricht über die Ehre des Remis.

Riemer hatte über die Freiwilligen-Agentur zur BOS gefunden. Mit Bärbel Neumann hofft er auf weitere Schachpartner. „Senioren, die Zeit für ein Spiel mit unseren Schülern haben, sind willkommen.“ Auch zur Schach-AG des  Erwin-Strittmatter-Gymnasium wollen sie Kontakt aufnehmen. Die Kinder aus dem „Haus des Lernens“ besuchen bereits die AG des Gymnasiums, denn der Grundschule selbst fehlt ein AG-Leiter. Aber am Wettbewerb um den „Pokal der Spremberger Bürgermeisterin“ hält der Grundschulträger, das Albert-Schweitzer-Familienwerk, fest.