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| 12:32 Uhr

Historisches Transportmittel in Spremberg
Ganzer Stolz der S-Bahn-Bastler

Holger Schwarz (links) und Wolfgang Wandelt haben gemeinsam mit weiteren Helfern den S-Bahn-Waggon hergerichtet.
Holger Schwarz (links) und Wolfgang Wandelt haben gemeinsam mit weiteren Helfern den S-Bahn-Waggon hergerichtet. FOTO: René Wappler / LR
Spremberg . Holger Schwarz und seine Freunde laden zum Fest am Waggon in Schwarze Pumpe ein. René Wappler

Mit neuen Tischen und Heizkörpern haben sie den S-Bahn-Waggon ausgestattet, so dass er trotz seines Alters von fast 100 Jahren recht modern wirkt: Der Bastler Holger Schwarz aus Schwarze Pumpe und seine Freunde werden den historischen Schatz am morgigen Sonnabend öffentlich einweihen. Ursprünglich stammt der Waggon aus Berlin. Am 14. Juni 2008 entgleiste er in der Nähe des Bahnhofs an der Friedrichstraße. Daraufhin wurde er stillgelegt. Im August 2017 ließ ihn Holger Schwarz von Fachleuten über die Autobahn und die Landstraße auf sein Grundstück transportieren, wo ihn zwei Kräne auf dem Boden absetzten.

Damit war das Werk jedoch noch nicht vollbracht. Drei Monate aufwändiger Arbeit schlossen sich an. Schließlich wollten Holger Schwarz und seine Handwerker-Freunde den Waggon so herrichten, dass er als gemütlicher Treffpunkt dienen kann. Wolfgang Wandelt, der den Umbau begleitete, erzählt vom Austausch der Heizkörper: „Die alten Modelle waren auf 750 Volt Gleichstrom gepolt, also mussten wir welche kaufen, die auf 230 Volt ausgelegt sind.“ Thomas Vatter aus Sellessen fertigte die neuen Tische an, die Firma Fritschka half bei der Elektrik aus.

Selbst ein Andreaskreuz, wie es an Bahnübergängen steht, erhielten die Bastler, und zwar vom Dampflokclub in Cottbus, bei dem Wolfgang Wandelt als Schlosser arbeitet. „Das Kreuz haben wir mit einem Sandstrahler gereinigt, frisch gestrichen und neue Birnen eingesetzt.“ Damit das Projekt wie gewünscht an diesem Wochenende seinen Abschluss findet, hat sich der Schlosser noch mal zwei Wochen Urlaub genommen. Andere Leute fahren dorthin, wo es warm ist und die Sonne scheint, er hingegen findet seine Erfüllung wie Grundstückseigentümer und Oldtimer-Sammler Holger Schwarz beim Bauen und Schrauben.

Einen kleinen Verkehrsgarten werden die Tüftler am Sonnabend, 2. Dezember, in der Straße des Aufbaus installieren, wo sie derzeit das Fest zur Einweihung des S-Bahn-Waggons vorbereiten. Ein Bäckermeister aus Spremberg liefert Teig, damit die Besucher Stockbrot zubereiten können. Auch einen Auftritt des Weihnachtsmannes erwartet Holger Schwarz. „Im nächsten Jahr wollen wir am lebendigen Adventskalender der Stadt teilnehmen“, sagt er.

Für den Umbau des Waggons gab er nach eigenen Worten „eine vierstellige Summe“ aus: „Allein das Verlegen des Teppichs kostete um die 500 Euro.“ Allerdings achtet Holger Schwarz darauf, so viele Details im Waggon so ursprünglich wie möglich zu belassen: „Hier sind immer noch die alten Lautsprecher aus dem Jahr 1921 vorhanden.“ Das stillgelegte Transportmittel soll den Besuchern ja auch von seiner Geschichte erzählen. Denn dem Fest am Wochenende werden bald regelmäßige Verkehrsteilnehmerschulungen im Waggon folgen, wenn alles nach dem Plan des Oldtimer-Sammler und seiner Freunde läuft.

Der Schlosser Wolfgang Wandelt sagt: „Ein bisschen Talent muss man schon mitbringen, um so einen alten Waggon sachgemäß umzurüsten.“ Sein Großvater arbeitete als Stellmacher, sein Vater als Schmied. „Bei ihnen habe ich schon als Kind wichtige Handgriffe gelernt.“

Ein historischer S-Bahn-Waggon steht ebenfalls in einem Kaufhaus in Prag, wie Holger Schwarz erzählt, ausgebaut zu einem Imbiss. Doch vor einem solchen Schicksal will der Tüftler aus Schwarze Pumpe seine Attraktion bewahren, da ihm alles daran liegt, sie zu hegen und zu pflegen. So warnt er, halb im Scherz, halb im Ernst: „Der erste Besucher, der am Sonnabend aus reiner Neugier die Notbremse im Waggon zieht, zahlt eine Saalrunde.“