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| 13:27 Uhr

Felixsee: Rutschungen seit Jahren
Friedrichshainer besorgt wegen tiefer Risse in Boden

Die Bahnhofstraße 20 bis 26 ist nur eine kleine Stichstraße, doch Risse in Mauer, an Treppen und Auffahrten verunsichern die Grundstückseigentümer seit Jahren.
Die Bahnhofstraße 20 bis 26 ist nur eine kleine Stichstraße, doch Risse in Mauer, an Treppen und Auffahrten verunsichern die Grundstückseigentümer seit Jahren. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Friedrichshain. Risse beunruhigen Friedrichshainer. Landesbergamt kann nur Tipps als Fachbehörde geben.

Aus seiner Gerage holt der Friedrichshainer Rentner einen langen Metallstab. Er schiebt ihn in den knapp zwei Zentimeter breiten Riss, der sich quer über seine Grundstückseinfahrt zieht. Mehr als einen Meter geht es in die Tiefe. Auch unter der Wiese sei er auf 1,30 bis 1,40 Meter tief gekommen. Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, aber er möchte sämtliche Risse in Mauern und Wänden, auf dem betonierten Wegen und an der Terrasse zeigen. Sogar im Asphalt der Bahnhofstraße 20 bis 26, die eine schmale Stichstraße der Bahnhofstraße in Friedrichshain ist, lassen sich Risse finden.

Als in der jüngsten Felixseer Gemeindevertretersitzung die von Tauchern entdeckte Rutschung am Felixsee in Bohsdorf diskutiert wurde, hat der Friedrichshainer Ortsvorsteher Karsten Lehmann die Risse in seinem Ortsteil angesprochen. Er selbst wohnt in der Bahnhofstraße. „Bei mir zeigt sich das nicht so, aber in Höhe der Hausnummern 22 und 23 sind die Risse deutlich zu sehen. Als würden die Grundstücke in Richtung Solarpark rutschen.“

„Als Kinder waren wir auf diesem Berg rodeln“, erzählt der Rentner. Der Hang ist mit großen Bäumen bewachsen. Um hier gegen Ende der 70er- und in den 80er-Jahren Häuser bauen zu können, sei er in seinem Auslauf etwas abgetragen und die Fläche als Bauland eingeebnet worden.

Direkt zwischen den Grundstücken und dem Hang liegt eine lange Rinne, die typisch ist für den Muskauer Faltenbogen mit seinen Giesern. Vor den Grundstücken wiederum verläuft die Stichstraße der Bahnhofstraße mit einigen Parktaschen entlang des Maschendrahtzauns zum Solarparkgelände. „1998“, so erinnert sich der Friedrichshainer, „haben wir die Straße ausgebaut bekommen und sind dafür auch kräftig zu Kasse gebeten worden.“

Die Risse erleben er und seine Nachbarn schon seit mehreren Jahre. Hier und da sind die Spalten in Mauern, an Sockeln und zwischen Treppenstufen verfüllt und ausgebessert. Hinten im Wirtschaftsgebäude hat der Rentner ein Plakat über den Wandriss geklebt.

Holger Vöhl, der sich im Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Cottbus um Sanierung von Altbergbau kümmert, hat sich das Problem angeschaut. Das Amt Döbern-Land hatte ihn um Amtshilfe gebeten. „Nach meinen bisherigen Erkenntnissen sind wir als Landesbergamt in diesem Fall nicht zuständig“, sagt Holger Vöhl. „Es gibt Altbergbau in dieser Gegend des Muskauer Faltenbogens – zum Beispiel die Grube Julius zwischen Wolfshain und Friedrichshain. Unter dieser Stichstraße aber liegt solch eine Grube nicht.“

Deshalb wird das Landesbergamt weder intensive Untersuchungen veranlassen, noch die Kosten übernehmen. „Aber als Fachbehörde stehen wir zur Verfügung“, versichert Holger Vöhl. Das heißt, wenn ein Ingenieurbüro, das damit beauftragt wird, die Risse zu ergründen, im Landesbergamt nachfragen kann. „Braucht das Ingenieurbüro Kartenmaterial, bekommt es das natürlich von uns“, erklärt Holger Vöhl.

Der Friedrichshainer Rentner hat an seinem Skatabend erfahren, dass sich auch zwei Luftschutzbunker am Glaswerk, auf dessen Gelände heute der Solarpark steht, befunden haben sollen. Aber die Art der Spalten verweise nicht auf größere Hohlräume, sagt Holger Vöhl. Zu rechnen sei eher mit einer unterirdischen Gleitfläche – einer Tonschicht zum Beispiel – auf der Hangerde ins Rutschen kommen kann. Aber das seien bisher nur Mutmaßungen. Holger Vöhl gibt den Anwohnern lieber Tipps. Kleine Bolzen sollen sie als Messpunkte an die Spalten setzen. An solchen Punkten werde sichtbar, wie viel und wann sich der Boden bewegt. So lässt sich herausfinden, ob die Risse etwas mit Wasser oder mit der Witterung zu tun haben, so der Experte vom Landesbergamt.

Der Friedrichshainer Rentner hat in seiner Garage zwei helle, gut sichtbare Bolzen gefunden. Einmal in der Woche soll er nach ihnen schauen, nachmessen, das Ergebnis aufschreiben. „Passiert mehr, kann ruhig öfter gemessen und protokolliert werden“, sagt Holger Vöhl. Einen Fall wie in Nachterstedt aber, wo im Juli 2009 ein Doppelhaus ganz, ein zweites Doppelhaus zum Teil, Straßenabschnitte und ein Aussichtspunkt plötzlich in die Tiefe stürzten, sei in Friedrichshain nicht zu befürchten. Die Risse verunsichern trotzdem die Bewohner, die Grundstückswerte sinken. „Ich bin ja schon alt“, sagt der Rentner, „aber einige Nachbarn sind jünger und haben sich hier so schöne Häuser gebaut.“

Mit solchen Spalten haben Grundstückseigentümer in einer Stichstraße der Bahnhofstraße in Friedrichshain seit Jahren zu kämpfen. Das Landesbergamt hat sich das Problem bereits angeschaut, schließt aber Altbergbau als Ursache aus.
Mit solchen Spalten haben Grundstückseigentümer in einer Stichstraße der Bahnhofstraße in Friedrichshain seit Jahren zu kämpfen. Das Landesbergamt hat sich das Problem bereits angeschaut, schließt aber Altbergbau als Ursache aus. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit