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| 16:59 Uhr

RUNDSCHAU vor Ort
Bevor im Stroh Kätzchen fiepen

Dr. Renée Robel, Andrea Schickentanz und Dr. Annett Stange stehen zum Thema Haustier in der Veranstaltung "RUNDSCHAU vor Ort" Rede und Antwort.
Dr. Renée Robel, Andrea Schickentanz und Dr. Annett Stange stehen zum Thema Haustier in der Veranstaltung "RUNDSCHAU vor Ort" Rede und Antwort. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Experten und Bürger diskutieren in Spremberg Pflichten der Katzen- und Hundehalter. Von Annett Igel-Allzeit

Der Aufnahmestopp für Katzen im Tierheim am Schäferberg ist aufgehoben. Dr. Annett Stange, die Tierheimleiterin, bestätigt, dass sich die Lage entspannt hat. „Nach unserem Aufruf haben sich viele ein Katzenkind geholt.“ Ohnehin galt der Aufnahmestopp nur für gesunde Katzen. „Kranke und verletze Tiere haben wir weiter angenommen.“ Gemeinsam mit der Spremberger Tierärztin Renée Robel und der Tiermedizinerin Andrea Schickentanz vom Veterinäramt Spree/Neiße Cottbus hat sie am Donnerstag in der Veranstaltung „RUNDSCHAU vor Ort“ im Restaurant des Hotels „Stadt Spremberg“ Bürgern Rede und Antwort gestanden, die Fragen rund ums Haustier hatten. Vermisst wurden Vertreter des Spremberger Ordnungsamtes. Doch wie sich Vize-Bürgermeister Frank Kulik im Vorfeld entschuldigt hatte, sei ihm nicht bekannt, dass Spremberg ein großes Problem mit Katzen habe. „Es gibt keine Gefahrenlage. Und die Einführung einer Kennzeichnungs- oder Kastrationspflicht für Katzen muss immer bis Ende gedacht werden. Die Durchsetzung einer solchen Pflicht ist nicht einfach, wir greifen da in  Rechte der Bürger ein.“

Von einer „Katzenplage“ im Spree-Neiße-Kreis kann auch Andrea Schickentanz vom Veterinäramt nicht sprechen. „Aber durchaus von einer Schwemme. Es kommt öfter vor, dass sich der Vorstand einer Kleingartensparten bei uns meldet, weil er das Katzenproblem nicht mehr in den Griff bekommt.“ Und zur Plage würden Katzen in den Sparten dann, wenn keine Singvögel mehr da sind.

Die Diskussion über die Kastrationskosten kennt Tierärztin Renée Robel gut: „Doch die Höhe und dass wir nicht weit über oder unter diesen Preisen liegen, regelt die Gebührenordnung für Tierärzte“, erklärt sie. Anders als beim Kater komme man bei der Katze, wo die Eierstöcke entfernt werden, über 100 Euro. Aber die lohnen sich, sagt Annett Stange. Wenn es plötzlich in der Scheune fiept, weil dort ein Wurf Katzen liegt, sei es heute nicht mehr so einfach, die kleinen Katzen an Freunde und Bekannte los zu werden.

Einen Wurf Katzen einfach zu töten, verbietet das Tierschutzgesetz, so Andrea Schickentanz. „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“, heißt es in Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes. „Ein Tier los werden zu wollen, ist kein vernünftiger Grund.“ Renée Robel nickt: „Auch ich darf ein Tier nur einschläfern, wenn es leidet oder schwer krank ist. Menschen, die ihr Haustier einschläfern lassen möchten, weil sie es nicht mehr wollen, schicke ich wieder nach Hause“, sagt sie. Auch Andrea Schickentanz hat im Veterinäramt viel abzuwägen. „Regelmäßig wird uns angezeigt, dass Tiere verwahrlosen. Komme ich dann in die Wohnung, wo die verwahrlosten Tiere zwischen Schmutz leben, sehe ich, dass der Mensch selbst auch Hilfe braucht.“ Allerdings sind sich die drei Expertinnen einig: Ein Tier – ob Hund oder Kaninchen – ist ein Hobby. Man müsse es sich finanziell leisten können und Zeit fürs Tier haben. Einen Hund acht Stunden in der Wohnung allein zu lassen, sei schlimm für dessen Blase.

Den Tränen nahe war zur Vor-Ort-Veranstalung am Donnerstag eine Sprembergerin, die seit August ihre Katze vermisst. „Eine Glückskatze und mit einem Kopf wie ein Teddy. Vor sechs Jahren ist sie mir zugelaufen. Sie hat abends auf meinen arthrosekranken Füße gelegen.“ Im Spremberger Ordnungsamt und in den Tierheimen hat sie nachgefragt. Die Katze blieb verschwunden.

Hätte es geholfen, die Katze mit einem Chip kennzeichnen zu lassen? Zumindest, so Tierheimleiterin Annett Stange, habe sie Tiere schon öfter glücklichen Haltern zurückgeben können. Und sie versuchte, die Sprembergerin mit einer Geschichte einer Kollegin aufzumuntern: „Im Fall meiner verzweifelten Mitarbeiterin lebte die schöne Katze nur ein paar Straße weiter bei einer anderen Familie.“

Wer ein Tier findet, muss das, wie beim Portemonnaie, dem Ordnungsamt melden. Das weist das Tier ins Tierheim ein. Ist man als Finder bereit, das Tier aufzunehmen, muss man sich ausgiebig umhören, ob jemand das Tier vermisst. Auch mit dem Füttern sei das nicht einfach, sagt Tierärztin Renée Robel. „Manche Katzen habe zum Beispiel ein Nierenleiden und brauchen eine Diät. Der Besitzer möchte deshalb gar nicht, dass sein Tier von Fremden Futter bekommt“, erklärt sie.

Auch Hundehalterinnen erzählten von ihren Erfahrungen. Zum Beispiel davon, wie schlimm es für sie war, als ihr Hund eingeschläfert werden musste. Zudem bekam Annett Stange Gelegenheit zu erläutern, warum sie nicht jedem Tierheimbesucher den gewünschten Hund gibt und nicht jeden Hund einer Familie mit kleinen Kindern aushändigt.

Für 1359 Hunde in Spremberg und den Ortsteilen bekommt die Stadt Spremberg aktuell Hundesteuern von den Haltern. 882 Hunde – ab 20 Kilogramm oder einer Risshöhe von 40 Zentimetern – sind zudem ordnungsrechtlich gemeldet, bestätigt Frank Kulik. Hundeauslaufwiesen werden in Spremberg nur von privaten Hundefreunden angeboten. Schwierig sei es mit der Beweispflicht bei der Zuordnung der Hundehaufen. Sie in den öffentlichen Mülleimern der Stadt zu entsorgen, sei nicht verboten. „Aber idealerweise entsorgt ein Hundehalter die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners zu Hause in seiner Restmülltonne“, sagt Frank Kulik.