Die Strahlkraft des Heimatfestes reicht weit über die Stadt hinaus: Das weiß Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) aus eigener Erfahrung. "Dort treffen wir Leute, die wir ein Jahr nicht mehr gesehen haben", sagt sie. "Es gilt ja regelrecht als Treffpunkt für die ehemaligen Spremberger."

Diese Chance wollen die Mitarbeiter des Rathauses gemeinsam mit dem Unternehmen ASG und vier weiteren Firmen nutzen, indem sie an einem eigenen Stand um Fachkräfte werben. Wie die Bürgermeisterin erläutert, wird die Zahl der arbeitenden Menschen in der Lausitz bis zum Jahr 2030 um 36 Prozent gegenüber dem Jahr 2009 sinken - der stärkste Rückgang im bundesweiten Maßstab.

Die Konsequenzen zeigen sich schon jetzt. In der Analyse des Monats Juni der Agentur für Arbeit heißt es: "Jugendliche haben hervorragende Chancen auf einen Ausbildungsplatz in der Region." Die Arbeitslosenquote in Spremberg liegt derzeit bei 8,9 Prozent. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es noch 10,5 Prozent. In keiner anderen Stadt der Lausitz ist der Anteil der Arbeitslosen laut Statistik so deutlich geschmolzen.

So konstatiert auch Anja Beck von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft ASG: "Der Bedarf an Fachkräften wächst permanent." Vier Lehrlinge nehmen derzeit eine Ausbildung bei der Spremberger Firma Terpe Bau wahr, die sich an der Rückkehrer-Aktion zum Heimatfest beteiligt. Die Assistentin der Geschäftsführung, Sybille König, sagt: "Wir wollen, dass sie im Unternehmen bleiben und unsere Fachkräfte der Zukunft werden."

50 bis 60 Jugendliche bewarben sich früher auf einen Ausbildungsplatz im Rathaus. Heute gehen höchstens 15 bis 20 Briefe ein, wie die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Spremberg, Christina Bieder, feststellt. Damit nicht genug: "Wer einmal die Region verlassen hat, der lässt sich nur schwer wieder zur Rückkehr bewegen", sagt sie.

Einer der früheren Spremberger, die diesen Befund bestätigen, ist Clemens Kurek. Im Jahr 1998 zog er mit 22 Jahren nach Berlin zum Studium. Heute arbeitet er in Hannover für die Projektbetreuung der Niedersächsischen Lottostiftung, und obwohl er sein altes Zuhause zum Heimatfest besuchen wird, kann er sich kaum vorstellen, für immer zurückzukommen. "Die Freiheiten, die ich jetzt habe, das angenehme berufliche Umfeld - das finde ich so schnell nicht wieder", sagt er. "Außerdem haben mich die zwölf Jahre in Berlin stark geprägt, das ist schon ein anderes Leben als in einer relativ kleinen Stadt wie Spremberg."

Es gibt jedoch auch andere Beispiele: Doreen Wächtler kehrte im März 2014 aus Berlin in ihre Heimat zurück. "Ich habe die Kontakte nach Spremberg nie abreißen lassen", sagt sie. Inzwischen arbeitet sie als Personalleiterin in der Papierfabrik, die zu den Organisatoren des Rückkehrer-Stands beim diesjährigen Heimatfest zählt. "40 Prozent unserer Belegschaft werden in absehbarer Zeit älter als 60 Jahre sein", erklärt sie. "Nur wenn wir qualifizierten Nachwuchs finden, können wir erfolgreich im Industriepark bestehen." In vielen Spremberger Unternehmen gebe es wie in der Papierfabrik offene Stellen.

Dabei kennen viele Jugendliche bei Einstellungsgesprächen "gerade mal die Firmennamen", beklagt die Ausbildungsbeauftragte der Papierfabrik, Lisa Schubert. "Jetzt, im Juni, rekrutiere ich immer noch junge Leute für das laufende Jahr - weil es manchen Bewerbern leider an der richtigen Einstellung fehlt."

Zum Thema:
Am Samstag, 8. August, können sich Schüler, potenzielle Rückkehrer oder deren Familienmitglieder und Freunde von 14 Uhr bis 16 Uhr am Stand an der Dresdener Straße/Ecke Wirthstraße bei den beteiligten Firmen informieren: Terpe Bau, Actemium BEA, Hamburger Rieger Gruppe und ASG. Neben Geschäftsführern und Mitarbeitern dieser Firmen wird auch Bürgermeisterin Christine Herntier vor Ort sein.