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| 16:07 Uhr

Konzert
Der tiefe Bass aus dem Apoldaer Spielmannszug

Ronny Weiland
Ronny Weiland FOTO: Tristan Ladwein
Spremberg. Sein tiefer Bass erzeugt Gänsehaut, und sein großes Vorbild Ivan Rebroff (1931 - 2008) hatte es mit dem Stimmumfang von viereinhalb Oktaven ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft. Vor seinen Konzerten in Cottbus und Spremberg sprach der Sänger Ronny Weiland mit der RUNDSCHAU über die Piccolo-Flöte und den Russischunterricht in Apolda. Von Annett Igel-Allzeit

Herr Weiland, musikalisch losgelegt haben Sie mit der Piccolo-Flöte im Spielmannszug Apolda. Im Heeresmusikkorps 13 in Erfurt spielten Sie mit. Flöten Sie noch immer?

Angefangen hatte ich als Sechsjähriger mit der Geige. Aber die Piccolo-Flöte im Verein zu spielen, dass hat mir als Jugendlicher viel mehr Spaß gemacht. Als ich jetzt mit Captain Cook und den Hainich Musikanten auf Fahrt ging, hatte ich auch die Flöte dabei. Ich glaube, meiner Zeit im Spielmannszug verdanke ich mein gutes musikalische Gehör.

Sie haben Steinmetz gelernt, Ihr Prüfungsstück für den Meister-Abschluss ist Teil der Dresdner Frauenkirche. Wann wussten Sie, dass Sie Sänger werden?

Ich hatte 2004 für eine Geburtstagsfeier zwei Lieder einstudiert. Nach meinem Auftritt fragten mich sämtliche Gäste, warum ich da nicht mehr draus mache. 29 Jahre war ich damals. Zu alt, um noch Musik zu studieren. Also nahm ich privat Gesangunterricht an der Franz-Liszt-Hochschule in Weimar.

Und fassten so schnell Fuß in der Musikszene?

Mich faszinierte Ivan Rebroff, ich erlebte Kosakenchöre und  merkte, dass die russische Volksmusik nicht nur bei mir für Gänsehaut sorgt. Sie reicht von der fröhlichen „Kalinka“ bis zu den traurigen „Wolgaschleppern“. Ich hatte auch bei Brigitte Fassbaender vorgesungen. Ich hätte für zwei Jahre an einem festen Haus in Innsbruck arbeiten können. Aber zwei Jahre die selben Rollen singen, das wollte ich doch nicht. Ich bin lieber frei. Apolda liegt zentral, von da aus kann ich mich in alle Richtungen bewegen. Und das Repertoire zur russischen Seele bedient neben mir nur Peter Orloff. Ich bin sogar für Kanada und die USA gebucht – und ich soll dort keinen Country singen, sondern sie wollen mich mit russischer Seele.

Wie gut waren Sie als Schüler im Fach Russisch?

Ich hatte eine Drei. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich mal mit russischen Liedern auftrete, hätte ich ihn wohl ausgelacht. Aber ehrlich, hätte ich das geahnt, hätte ich mich in Russisch mehr angestrengt. Aber die russischen Märchenerzähler habe ich als Kind gern gehört. Russland ist sehr schön. In Sankt Petersburg bin ich inzwischen gewesen. Neben der Kunst und Kultur habe ich miterlebt, wie die Russen feiern. Man bekommt sofort das Gefühl, dass jeder Russe singen kann.

Nach Cottbus und Spremberg kommen Sie nicht nur mit „Liedern vom Wolgastrand“, oder?

Oh, ich bringe auch eine Arie aus Verdis Oper „Nabucco“ mit. Ich werde „Lilli Marleen“ singen, weil es die Menschen immer wieder hören wollen. Und für meine neue CD „Uhr des Lebens“ habe ich Lieder selbst geschrieben – über einen alten Bettler, über eine Flaschensammlerin. Ich versuche, zunehmend sozialkritische Töne anzuschlagen, denn das alles ist unser Leben.

Mit Ronny Weiland sprach
Annett Igel-Allzeit