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| 02:43 Uhr

Risse ziehen sich durchs ganze Haus

Wie andere Einwohner von Neupetershain und Welzow klagt Petra Franz über Risse an ihrem Wohnhaus.
Wie andere Einwohner von Neupetershain und Welzow klagt Petra Franz über Risse an ihrem Wohnhaus. FOTO: René Wappler
Welzow/Neupetershain. Einwohner von Welzow und Neupetershain beklagen: Der Tagebau mindere den Wert ihrer Häuser. Das Netzwerk "Bergbauschäden" drängt auf finanziellen Ausgleich, nachdem der Plan einer Schlichtungsstelle gescheitert ist. René Wappler

Von oben bis unten zieht sich der Riss durch die Hauswand. Petra Franz tritt einen Schritt zurück, betrachtet ihn, schüttelt den Kopf.

"Dieses Haus galt für mich und meinen Mann mal als Altersversorgung", sagt sie. "Aber bei solchen tiefen Rissen kauft es wohl niemand mehr."

Petra Franz, Rentnerin aus Neupetershain, arbeitete einst als Bauingenieurin. Deshalb ging sie davon aus, dass ihr andere Fachleute Glauben schenken werden. Die Risse, sagt sie, stammen vom Bergbau im benachbarten Tagebau bei Welzow. Vattenfall-Mitarbeiter überprüften das Gebäude. Sie kamen zu einem anderen Schluss, den sie Petra Franz in einem Brief mitteilten: "Setzungserscheinungen durch bergbauliche Einflüsse" seien "wiederholt nicht nachzuvollziehen" - und die Überprüfung damit abgeschlossen.

Wie Petra Franz geht es vielen Einwohnern der Tagebauregion. Uwe Noack lebt ebenfalls in Neupetershain, auch er klagt über Risse in seiner Hauswand, in der Küche, im Schuppen.

"Das ist nicht mehr normal", sagt er. "Jetzt habe ich schon manche der Risse selbst tapeziert, aber man sieht das alles ja nach wie vor."

Weit mehr als 100 Einwohner von Neupetershain und Welzow leben mit diesem Problem: Das schätzt Hannelore Wodtke, die für die "Grüne Zukunft Welzow" im Stadtparlament mitarbeitet. Außerdem gehört sie zum Vorstand des Netzwerks "Bergschäden", das inzwischen bis nach Nordrhein-Westfalen reicht und auf einen finanziellen Ausgleich für die Nachbarn von Tagebaugebieten drängt. "Wir wollen diese Aufgabe jetzt wieder stärker in Angriff nehmen", sagt sie.

Zunächst sollte eine Schlichtungsstelle zwischen beiden Seiten vermitteln, den Bewohnern und den Unternehmen. Das beschloss der Brandenburgische Landtag im Juli 2016 nach einem Antrag der BVB/Freie Wähler. Vattenfall sagte zu. Doch der Bund als Eigentümer der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) lehnte die Teilnahme an einer solchen Schlichtungsstelle ab.

Die Welzower Stadtverordnete Hannelore Wodtke hält dies für einen Fehler. Viele Leute wagen es nach ihren Worten nicht, sich einem Gerichtsprozess auszusetzen, in dem sie auch noch die Beweislast dafür tragen, dass die Schäden auf ihren Grundstücken aus dem Bergbau herrühren. Zwar ließ es Uwe Noack aus Neupetershain auf ein Verfahren am Cottbuser Landgericht ankommen. "Doch das wurde inzwischen eingestellt", sagt er.

In einem anderen Verfahren steht das Ergebnis noch aus. Jens Gebke aus Schenkendöbern, selbst ein Jurist, klagt mit der Begründung gegen den Bergbaubetreiber, das Absenken des Grundwassers beeinträchtige auch sein Grundstück. "800 Euro wurden mir dafür angeboten", sagt er. "Aber das ist doch ein lächerlicher Betrag."

Für die Betroffenen bleibt es oft schwierig, den Beweis für einen Bergschaden an ihrem Eigentum zu liefern: Das stellte bereits im Jahr 2015 der CDU-Landtagsabgeordnete Steven Bretz fest. Deshalb komme es mitunter zu "langwierigen und kostenintensiven" Gerichtsprozessen, gab er in einer Anfrage an die Landesregierung zu bedenken. Eine Schlichtungsstelle biete die Chance, derartige Prozesse zu vereinfachen und die hohen Kosten für beide Seiten zu vermeiden. Die Welzower Stadtverordnete Hannelore Wodtke sagt: "Nichts ist in dieser Hinsicht bis heute passiert. Dabei war uns diese Stelle bereits zugesagt."

Zum Thema:
Der Wasserbau-Ingenieur Bernd Ebeling aus dem niedersächsischen Uelzen wird am Donnerstag, 16. Februar, um 19 Uhr einen Vortrag im Proschimer Kulturhaus halten. Darin befasst er sich mit der Frage, welche Folgen des Absenken des Grundwasserspiegels unter der Region für die Flora und Fauna und die Grundstücke mit sich bringt. Rechtsanwalt Martin Schwarz erklärt den Besuchern zudem, welche Ansprüche Immobilienbesitzer haben und mit welchen Mitteln sie ihre Rechte durchsetzen können.