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| 15:36 Uhr

Welzow
Industriepark liegt auf Clara-Kippe

Der Raum für wirtschaftliche Perspektiven in Welzow liegt auf Altbergbauflächen. Baugenehmigungen sind trotzdem möglich.
Der Raum für wirtschaftliche Perspektiven in Welzow liegt auf Altbergbauflächen. Baugenehmigungen sind trotzdem möglich. FOTO: Anja Guhlan / Guhlan Anja
Welzow/Spremberg. Bauherren in Welzows Industrie- und Gewerbepark haben es schwerer. Stadt setzt auf Erfahrung Spremberger Wirtschaftsförderer. Von Annett Igel-Allzeit

Welzows Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) hofft auf die Erfahrung der Spremberger Wirtschaftsförderin ASG. Eine Kooperationsvereinbarung  hat das Welzower Stadtparlament einstimmig beschlossen. Sie soll die Zusammenarbeit im Wirtschaftsraum Spremberg/Welzow im Lausitzer Strukturwandel stärken. Tatsächlich ist es nicht einfach, neue Unternehmen in den Welzower Industrie- und Gewerbepark (IGP) Ost zu holen. Viele Firmen hängen vom Bergbau ab.

Viel Kraft hat die Stadt am Tagebaurand in die Wiederbelebung IGP Ost stecken müssen. Die industriellen Hinterlassenschaften wegzuräumen, wurde besonders teuer. Ohne die optimistische Investition der B & B Baumaschinen GmbH und den Einsatz des einstigen Wirtschaftsministers Ralf Christoffers (Die Linke) hätte die Stadt 2012 nicht mit der Beräumung beginnen können. Für die Erschließung danach mussten die Fördermittel aufgestockt werden. 2017 wurde gefeiert: Zur Teilfläche 1 mit 29,2 Hektar gehören nun weitere 19,3 Hektar in Teilfläche 2. Insgesamt 4,5 Hek­tar dieser Fläche stehen für Industrie- und Gewerbeansiedlungen zur Verfügung. Zur Eröffnung der Teilfläche 2 hatte Birgit Zuchold um einen kommunalen und politischen Zusammenhalt und um Unterstützung bei der Vermarktung gebeten.

Nicht alle Mitglieder in der Stadtverordnetenversammlung sind da optimistisch. Bernd Teclaw (CDU/Grüne Zukunft Welzow) ließ sich jetzt von der Bürgermeisterin erklären, was die Kooperation mit der ASG kosten wird. „Natürlich kostet Marketing. Das werden wir bei den einzelnen Vorhaben abzuwägen haben. Ich hoffe aber schon, dass die Kooperation mehr Früchte trägt“, so Birgit Zuchold.

Sorgen macht Teclaw die Vergangenheit der Teilfläche 2. Er fürchtet um das Leben der Mitarbeiter von Firmen. Wie Matthias Händler von der Pressestelle des Landkreises Spree-Neiße bestätigt, liegt das IGP im Altbergbaubereich „Clara“. „Dort wurde sowohl im Tiefbau als auch im Tagebau Braunkohle gefördert. Dementsprechend liegen da Kippenflächen des Tagebaus als auch Strecken, Schächte und Bruchfelder aus Tiefbauzeiten. Und die sind ein erhebliches Problem für den Baugrund“, erklärt Händler.

Speziell Teilfläche 2 liege vollständig auf der „Clara“-Kippe – und die sei Risikobaugrund. „Besonders problematisch ist der Übergang von gewachsenen zu gekippten Bereichen oder – wie im vorliegenden Fall – der Übergang zu einem Bruchfeld“, so Händler. Denn ein Gebäude, das an einer solchen Stelle gebaut wird, belaste den Untergrund unterschiedlich. Das Bauwerk könne in die Schieflage geraten, oder es bilden sich Risse. „Zudem sind gekippte Bereiche bei hohem Grundwasserstand häufig verflüssigungsgefährdet“, sagt Händler.

Trotzdem sei eine Bebauung auf der Teilfläche 2 möglich – mit entsprechenden Gründungsaufwendungen, wie Händler betont. Demnach sind Untersuchungen und Gutachten, die ein Unternehmen bringen muss, umfangreicher. „Grundsätzlich“, so Händler, „wird bei jedem Bauantrag in diesem Bereich des Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe beteiligt.“ Der Bauherr oder Objektplaner werde aufs Landesamt hingewiesen, in seiner Verantwortung liege es, dort die nötigen Unterlagen einzuholen.

„Gibt es in einem Bauantragsverfahren gravierende Sicherheitshinweise von der Bergbaubehörde, genehmigen wir als Untere Bauaufsicht den Bau natürlich nicht“, so Matthias Händler. Was so ein Genehmigungsverfahren im IGP Ost mehr kostet, kann der Landkreis nicht sagen. Das hänge von Investition und Bauausführung ab. Tatsächlich gibt es im Bereich des Welzower IGP Ost auf der Teilfläche 2 den rechtskräftigen Bebauungsplan „Webaumix“. Er trat 2002 in Kraft. Für die 2. Änderung des B-Planes „Webaumix“ hat die Stadtverordnetenversammlung gerade Planungsleistungen an ein Spremberger Büro vergeben. Laut Beschluss liege der Wert des Auftrages bei 80 000 Euro.