Von Annett Igel-Allzeit

So lang wie ein Spaten ist, so groß soll der Abstand zwischen den Flatterulmen sein. Die Kinder der Welzower Goethe-Grundschule nicken eifrig und kommen ins Schwitzen. Immer wieder hüpfen  sie auf die Spatenkante. Ab einer bestimmten Tiefe geht es nur mühsam voran. Henryk Siwik, Revierförster in der Rekultutivierung am Tagebau Welzow-Süd, zeigt ihnen, dass die 200 Bäumchen eine Pflanztiefe von etwa 30 Zentimetern brauchen. „Zwei Jahre alt sind die Sämlinge. Da das Wurzel-Stämmchen-Verhältnis in diesem Alter nahezu ausgeglichen ist, haben sie beste Chancen, gut anzuwachsen.“ Die drei Hochstämme dagegen, die in der Fürst-Pückler-Baumschule Zeischa länger vorgezogen wurden, brauchen Stützen und mehr Wasser.

Die Flatterulme ist Baum des Jahres 2019. Nach Vattenfall setzt der Bergbaubetreiber Leag die Tradition fort, jedes Jahr am Tagebau Welzow-Süd den Baum des Jahres anzusiedeln. In großen Flusstälern in Auwäldern kommt die Flatterulme vor allem vor. Aber sie sei auch in der Lage, sich an trockene Standorte anzupassen, erklärt Bergbauvorstand Uwe Grosser. „Ein Gebiet des Geisendorf-Steinitzer Endmoränenzuges haben wir uns für die Pflanzaktion ausgesucht“, sagt Grosser. Um das einstige Feucht- und Abflussgebiet des Steinitzer Wassers  wieder herzustellen, haben die Bergleute einen unterirdischen Kessel in der nachempfundenen Endmoräne geschaffen. Seit Anfang der 2010er-Jahre fülle sich der Kessel mit Niederschlagswasser. Gehobenes Grubenwasser hilft zusätzlich.

Mehr als 5800 Hektar Fläche habe der Tagebau Welzow-Süd schon in Anspruch genommen. „Mehr als 2650 Hektar sind rekultiviert und wieder nutzbar – vor allem für die Land- und Forstwirtschaft“, sagt Uwe Grosser.  

Die Erwachsenen helfen den Kindern: mehrere Förster, die Mitarbeiter der Öko-Dienste Peitz, Schulleiter Norbert Breuer. Vier Wochen lang, so Breuer, waren die Kinder  auf die Baumpflanzung am Gut Geisendorf vorbereitet worden. „Es wäre schön, wenn das für unser Drittklässler Tradition wird. Die Zweitklässler helfen der Stadt Welzow beim Stecken der Frühlingszwiebeln“, erzählt der Schulleiter.  

Lutz Ratzki von den Peitzer Öko-Diensten holt den Pflanzfuchs. „Hallo, Herr Kollege“, rufen die Kinder ihn zu Problemlöchern. Dass die Erde, die der Riesenbohrer aufwirft, mal hell, mal dunkel ist, macht sie neugierig. Sie finden Kohle und Ton, sammeln die Stückchen und entdecken an den Wassertrögen, wie gut sich der Ton formen lässt. Ob sie hier schon Geld gefunden hätten, wollen die Kinder von Henryk Siwik wissen. Er lacht. „Dass sich die Kinder so für den Boden interessieren!“, murmelt er. „Darauf muss ich mich nächstes Mal besser vorbereiten.“