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| 17:18 Uhr

Im Porträt
Der Mann, der auch Meerjungfrauen trainiert

 Das Schwimmen mit der Monoflosse steht der neunjährigen Hannah noch bevor. Louis (5) hat bereits erfolgreich sein Seepferdchen absolviert. Reinhard Sprigade bringt seit 45 Jahren Kindern und Erwachsenen das Schwimmen und Tauchen bei.
Das Schwimmen mit der Monoflosse steht der neunjährigen Hannah noch bevor. Louis (5) hat bereits erfolgreich sein Seepferdchen absolviert. Reinhard Sprigade bringt seit 45 Jahren Kindern und Erwachsenen das Schwimmen und Tauchen bei. FOTO: Detlef Bogott
Eichwege/Bad Muskau. Reinhard Sprigade ist seit 45 Jahren Tauch- und Schwimmlehrer aus Leidenschaft. Zu seinen Schülern gehören Kinder und Erwachsene, die aus der gesamten Lausitz nach Köbeln kommen. Von Detlef Bogott

Ein bisschen verrückt ist Reinhard Sprigade schon – das gibt er selbst offen zu. In jungen Jahren nahm er jede sportliche Herausforderung an, fuhr Motorradrennen im Sommer und die steilsten Skipisten im Winter. Zwischendurch legte er meist kurzentschlossen 250-Kilometer-Touren mit seinem Rad zurück. Dann entdeckte er den Schwimmsport und das Tauchen für sich. Beides ließ ihn nicht mehr los. 1969 begann die Tauch-Ära von Reinhard Sprigade aus Köbeln, in dem Ortsteil von Bad Muskau wohnt er seit 1957. Am 25. April 1974 legte er an der damaligen Marineschule in Greifswald-Wieck seine Prüfung als Tauchlehrer ab. Jetzt begeht er sein 45-jähriges Jubiläum.

In all den Jahren absolvierte er zahlreiche Weiterbildungen, wie er erzählt. Nach der Wende musste er die gesamte Prozedur noch einmal wiederholen. An der internationalen Tauchlehrer-Akademie in Potsdam (ITLA) legte er die Prüfung nach bundesdeutschem Recht ab und erhielt 1997 seine Diplom-Tauchlehrer-Urkunde samt Anerkennung zum staatlich anerkannten Tauchlehrer.

Eigentlich ist Reinhard Sprigade gelernter Elektroingenieur und legte das Diplom im Maschinenbau später noch drauf. Über viele Jahre arbeitete er im Schaltgerätewerk Bad Muskau. Das Tauchcenter Sprigade wurde 1991 in Bad Muskau unter Leitung von Gisa und Reinhard Spri­gade gegründet. Drei Jahre später eröffnete sein Sohn Frank, der ebenfalls Tauchlehrer ist und auf den Spuren seines Vaters wandelt, in Cottbus einen Tauch-Shop. Die Tauchschule wird nach international gültigen CMAS-Regeln geführt. Selbst Sprigades Ehefrau Gisa ist eine ausgebildete Tauchlehrerin.

Heute hat das Tauchcenter 50 eingetragene Mitglieder, hinzu kommen Familienangehörige. Im Club gibt es eine ganze Reihe Ganzjahrestaucher, sodass unter Wasser immer Betrieb ist. Die Tauchbegeisterten können alle geplanten Termine – vom Neujahrstauchen bis zum Weihnachts­tauchen – dem Clubplan entnehmen. Auch Familienangehörige sind willkommen.

Zur beliebten Tradition ist der gemeinsame Tauchurlaub in Ägypten geworden. Auch Tauchgänge in Kroatien und auf den Malediven haben die Clubmitglieder schon gemeinsam erlebt. Über alle Tauchgänge führt der Tauchlehrer akribisch Logbuch. Bis zu 150 Tauchgänge kommen pro Jahr schon zusammen.

Jeder, der Interesse am Tauchsport hat, kann den Clubsportlern erst einmal zusehen, wie Sprigade betont. Oft sind die Taucher auch in Bohsdorf am Felixsee, am Badesee in Eichwege oder in Halbendorf anzutreffen. Wer abtauchen will, muss zunächst eine solide Ausbildung absolvieren und auch über technisch einwandfreie Ausrüstung verfügen. Die Tauchausbildung findet zuerst im hauseigenen Pool sowie in den Gewässern der Region statt. Mittwochs wird sogar nachts getaucht.

Reinhard Sprigade ist Bezirksmeister im Orientierungstauchen. Viele Jahre war er auch im Rahmen der Leichenbergung tätig. Zu seinem Verantwortungsbereich gehörte der Bezirk Cottbus. Viele der dramatischen Fälle konnte er bis heute nicht vergessen, vor allem wenn Kinder betroffen waren. Seiner Ansicht nach ist das Schwimmenlernen elementar wichtig.

Auch aus diesem Grund entschied sich Reinhard Sprigade mit seiner Frau Gisa, auf dem eigenen Grundstück einen Pool zu bauen. In diesem bringt er auf Wunsch Kindern und Erwachsenen das Schwimmen bei. Besonders geeignet dafür seien Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren, betont Sprigade. „Aber auch Kinder, die in der Schule das Schwimmen nicht auf Anhieb lernen, sind bei uns gut aufgehoben“, sagt er. Allerdings müsse der Wille da sein, das sei eine Grundvoraussetzung.

Wie vielen Kindern er das Schwimmen schon gelernt hat, weiß Reinhard Sprigade nicht. Mitgezählt hat er nicht. Der hauseigene Pool wird auch für erste Tauchgänge genutzt. Auf Wunsch gibt es eine Grundausbildung oder das „Schnuppertauchen“ für alle Altersklassen. Auch die Spezialausbildung zum Kreislaufgerätetauchen wird angeboten, die in der Fachsprache ,,Kreiseltauchen“ genannt wird. Bis heute waren es Hunderte Taucher, die er ausbildete. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen. Reinhard Sprigade nimmt auch die gesamte Druckprüftechnik (TÜV) für die Tauchertechnik ab.

Mittlerweile tummeln sich sogar Nixen in seinem Pool. Zahlreiche Filme und Serien rund um Meerjungfrauen haben den neuen Trend ausgelöst. Bei Sprigades können interessierte Mädchen die drei Stufen des Nixenschwimmens erlernen. Dazu gehören das Schwimmen allgemein, das Schwimmen mit zwei Flossen und letztlich das Schwimmen mit der Monoflosse. Aber auch die Schwimm- und Tauchstufen werden abgenommen. Sogar Kinder aus Cottbus, Guben, Forst, Senftenberg und Spremberg kommen zu ihm. Ans Aufhören denkt der Köbelner, der dem achten Lebensjahrzehnt entgegengeht, noch lange nicht.

 Reinhard Sprigade taucht gern mal ab, beispielsweise im Felixsee bei Bohsdorf oder dem Badesee in Eichwege.
Reinhard Sprigade taucht gern mal ab, beispielsweise im Felixsee bei Bohsdorf oder dem Badesee in Eichwege. FOTO: Detlef Bogott