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| 17:11 Uhr

Schuldebatte in Spremberg
Nur drei neue siebte Klassen?

 Das Gymnasium in Spremberg wurde erweitert. Trotzdem empfiehlt das Schulamt für 2019/2020 nur eine Dreizügigkeit für die Siebtklässler.
Das Gymnasium in Spremberg wurde erweitert. Trotzdem empfiehlt das Schulamt für 2019/2020 nur eine Dreizügigkeit für die Siebtklässler. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Spremberger kritisieren, dass das Schulamt die Klassenzahl runterfährt. Von Annett Igel-Allzeit

Die Berufsorientierende Oberschule Spremberg (BOS) platzt aus den Nähten und braucht mindestens einen Erweiterungsbau. Das Spremberger Gymnasium soll nach den Sommerferien in den siebten Klassen nur noch dreizügig laufen, obwohl seine Erweiterung 2016 mit der Einweihung der Turnhalle erfolgreich abgeschlossen wurde. Das Gerücht, dass das Staatliche Schulamt in Cottbus Lehrermangel als Grund für nur drei siebte Klassen am Gymnasium angegeben habe, macht weiter die Runde. Und so wurde das Thema Schule, das am heutigen Mittwoch im Bildungsausschuss mit der Zukunft der BOS auf der Tagesordnung steht, bereits im Hauptausschuss am Montag breit diskutiert.

Benny Stobinski (Die nächste Generation) befürchtet, dass künftig nicht mehr alle Spremberger Schüler, die in ihrer Heimatstadt zur Schule gehen wollen, das auch tun können. Nach den Sommerferien 2018 waren sowohl die Siebtklässler in der BOS als auch im Gymnasium vierzügig ins neue Unterrichtsjahr gestartet. Neben der Leistungs- und Begabtenklasse 7 L, die gesetzt ist, weil diese Schüler seit Klasse 5 am Gymnasium lernen, gebe es fürs Schuljahr 2019/2020 ganze 69 Anmeldungen. Das bestätigt die Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) nach Rücksprache mit dem Schulamt in Cottbus. Die Zahlen seien aber noch mit Vorsicht zu genießen, betont sie, weil sie vorläufig seien. Gegenüber der RUNDSCHAU hatte Gerald Boese, Leiter des Staatlichen Schulamtes, zur BOS erklärt: „Wir bekommen ja noch Anmeldungen. Sprechen die Zahlen dann doch für eine Vierzügigkeit, gehen wir damit noch einmal auf die Oberschule zu und fragen, ob vier 7. Klassen möglich sind.“ Durch die Inklusion und das gemeinsame Lernen liegen die Klassenstärken an der Oberschule inzwischen bei 24, 25 Schülern.

Eltern, Lehrer und Kommunalpolitiker in Spremberg rechnen aber auch mit vorläufigen Zahlen weiter. Bei einer Klassenstärke von maximal 29 Mädchen und Jungen für die beiden neuen siebten Klassen am Gymnasium blieben elf Schüler übrig. Aus Kapazitätsgründen kann sie die BOS, wenn die Schüler das überhaupt wollen, wahrscheinlich nicht aufnehmen. Sind junge Spremberger also künftig gezwungen, Schulen in Sachsen und Cottbus zu besuchen? Das Gymnasium versucht mit den Bläser- und Musical-Klassen als Leistungs- und Begabtenklassen seit 2006 genau das zu verhindern. Die Entscheidung des Landkreises Spree-Neiße für die Erweiterung und Manifestierung des Erwin-Strittmatter-Gymnasiums an der Mittelstraße war ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Zudem habe Spremberg, so gab Raik Nowka zu bedenken, als Regionaler Wachstumskern und Mittelzentrum eine Verantwortung für das Umland. Und, so Benny Stobinski, woher soll der Nachwuchs für die neue Wirtschaft im Strukturwandel kommen, wenn nicht aus der „besten berufsorientierenden Oberschule Brandenburgs“?

Und in Sachen Lehrermangel ärgerte Bürgermeisterin Christine Herntier, dass die vielen Millionen Euro für die Lehrerausbildung in Brandenburg wieder nach Potsdam gehen. Warum, fragt sie, wird keine Lehrerausbildung im Süden Brandenburgs etabliert. „Es gibt einen Klebeeffekt“, weiß sie, „wenn Lehrer in unserer Region ausgebildet werden, bleiben sie eher.“

Noch am Montag hat sich Raik Nowka hingesetzt, um Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst die Situation in Spremberg in einem Brief zu schildern. „Langfristig“, so schreibt der Landtagsabgeordnete, „wird sich die nun geplante künstliche Reduzierung der Schülerzahlen auf das Kursangebot an dem einzigen Gymnasium im Regionalen Wachstumskern Spremberg  und damit auf dessen Wettbewerbsfähigkeit negativ auswirken.“ Er befürchtet gegenüber Britta Ernst, dass Familien aus Umlandgemeinden ihre Kinder gar nicht mehr versuchen, in Spremberg anzumelden,  wenn sie über mehrere Jahre aus Kapazitätsgründen auf andere Bildungsstandorte verwiesen werden. „Diese bittere Erfahrung musste die Stadt bereits hinsichtlich der zu knapp geplanten Oberschulkapazitäten machen“, so Nowka.

 Das Gymnasium in Spremberg wurde erweitert. Trotzdem empfiehlt das Schulamt für 2019/2020 nur eine Dreizügigkeit für die Siebtklässler.
Das Gymnasium in Spremberg wurde erweitert. Trotzdem empfiehlt das Schulamt für 2019/2020 nur eine Dreizügigkeit für die Siebtklässler. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit