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| 18:07 Uhr

Welzow
Rathsburg-Brand trifft Welzower

Die ausgebrannte Rathsburg in Welzow: Die Stimung schwankt zwischen Wut und Furcht.
Die ausgebrannte Rathsburg in Welzow: Die Stimung schwankt zwischen Wut und Furcht. FOTO: Richter-Zippack
Welzow. Groß ist die Trauer nach dem Brand der ehemaligen Gaststätte Rathsburg in Welzow. „Ich bin tief erschüttert“, sagte Bürgermeisterin Birgit Zuchold. Die Stadt will Hinweise, die zum Täter führen, mit 1000 Euro belohnen.

Eine verrußte Säule ragt in den Himmel. Mehr ist vom markanten Turm des einstigen Gasthauses Rathsburg nach der Brandnacht zum Sonntag nicht geblieben. Viele, die am Montag am Wahrzeichen vorbeikommen, werden an der Ecke Spremberger Straße/Jahnstraße langsamer, schauen nach oben. Das gesamte Dachgeschoss haben die Flammen zerstört.

„Es hat mehrmals laut geknallt. Davon sind wir wach geworden“, sagt Alexander Scholz. Der Welzower wohnt schräg gegenüber. Kurz vor 3 Uhr, so die Polizei, hatten Anwohner das Feuer gemeldet. „Wir gehen von vorsätzlicher Brandstiftung aus“, sagt Polizeisprecherin Ines Filohn. Eine Ermittlungsgruppe hat viel Arbeit. Denn es gilt in Welzow nicht nur diesen Brand aufzuklären, sondern eine Brandserie, die die Feuerwehr seit Ende Januar in Atem hält.

Es war die achte schlaflose Nacht und der neunte Brand in Folge, so Stadtbrandmeister Bernd Aßmus. Kurz nach 5 Uhr kam Bürgermeisterin Birgit Zuchold vor Ort. Mit Helfern richtete sich im Rathaus einen Verpflegungsstützpunkt für die 60 Einsatzkräfte ein aus Welzow und Proschim, Spremberg, Drebkau, Neupetershain und Bahnsdorf, die vom Hubsteiger der Leag-Werkfeuerwehr unterstützt wurden. „Aber um den Turm zu retten, hätten wir zwei riesige Container Wasser direkt über ihm ausschütten müssen“, sagt der Stadtbrandmeister. Türme seien im Brandfall schwer zu halten, denn oft kommt die Schlotwirkung dazu. „Außerdem musste hier mitten in der Stadt zuerst verhindert werden, dass die Flammen auf Nachbarhäuser übergreifen.“

Olaf Leidel nickt. „Dass das Feuer auf unser Haus übergreift, haben sie verhindern können, auch Wasserschäden haben wir nicht.“ Gegen 11 Uhr konnte er am Sonntag in die Wohnung zurück. Das frische Gelb des Mietshauses Wand an Wand mit der Brandruine wirkt so grotesk wie der leuchtend gelbe Briefkasten an der Rathsburg-Backsteinwand in der Jahnstraße.

Ein rot-weißes Absperrband verhindert, dass Briefe im Kasten landen – doch nicht erst seit der Brandnacht. Der Fußweg an der Rathsburg ist schon länger gesperrt. Um Passanten vor herab fallenden Steinen zu schützen, war in der vergangenen Woche begonnen worden, Vorrichtungen aus Holz zwischen der zweiten Etage und dem Dachgeschoss anzubringen.

Um 1902, so heißt es auf der Geschichtstafel hinterm Absperrband,   hatte die Familie Rathsburg, die als Brauerei- und Hotelbesitzer nach Welzow gekommen war, die „Burg“ vom Architekten und Maurermeister Theodor Streubel errichten lassen. Lebendige Erinnerungen an das Gasthaus hat Stadtbrandmeister Aßmus: „Als meine Familie hier in Welzow ankam, fand meine Mutter 1967 in der Küche der Rathsburg ihre erste Arbeitsstelle“, erzählt er. Jugendweihen wurden hier gefeiert. Monika Sommerfeld:. „Ich habe bei Baumaschinen gearbeitet, und in der Rathsburg hatten wir oft unsere Betriebsfeiern.“ Die 74-Jährige schaut besorgt zur Brandruine. „Was gerade in Welzow passiert. ist schlimm. Die Brandserie muss endlich schnell aufgeklärt werden.“

Noch im September hatte sich Bürgermeisterin Birgit Zuchold über eine Zusatzförderung aus dem Programm „Kleine Städte“ freuen können: 50 000 Euro für die Sicherung des denkmalgeschützten Gebäudes. Parallel dazu sollte weiter nach einem Investor gesucht werden. Nun muss die Versicherung zuerst den Schaden begutachten lassen, den die Polizei  nach einer ersten Schätzung mit mindestens 200 000 Euro angibt.

Die Stadt Welzow hat für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen, eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt. Über weitere Schutzmaßnahmen sollen kurzfristig Gespräche mit der Polizei geführt werden. „Ich bin tief erschüttert, dass man uns das Wahrzeichen auf so schändliche Art und Weise zerstört hat“, so die Bürgermeisterin. Leichtfertig sei  das Leben von Familien in der Nachbarschaft aufs Spiel gesetzt worden, verurteilte sie die Tat aufs Schärfste.

Am Freitag liefen noch Sicherungsarbeiten an der Rathsburg
Am Freitag liefen noch Sicherungsarbeiten an der Rathsburg FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR
Nach dem Brand fehlt der markante Turm im Stadtbild.
Nach dem Brand fehlt der markante Turm im Stadtbild. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR