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Radler testen ihre Grenzen aus

Sören Lehmann aus Spremberg bereitet sich auf den Radmarathon vor.
Sören Lehmann aus Spremberg bereitet sich auf den Radmarathon vor. FOTO: wr
Spremberg. Mit einer 230-Kilometer-Strecke in Bielefeld hat er sich am Wochenende auf sein Ziel vorbereitet: Der 27-jährige Sören Lehmann aus Spremberg will im August am Ötztaler Radmarathon teilnehmen, der für seinen steilen Anstieg berühmt und berüchtigt ist. Damit folgt er der Tradition anderer Spremberger, die auf ihren Radtouren vor keiner Herausforderung zurückschreckten. René Wappler

Selbst gegen die Strecke in Bielefeld wirken die Radwanderwege in der Lausitz recht gemütlich, wie Sören Lehmann feststellt. "Da geht es mal bergauf, dann wieder bergab, anders als hier, wo die Touren eher über flaches Land führen." Achteinhalb Stunden brauchte er für die Radtouristikrundfahrt, wie sie offiziell bezeichnet wird: "Die richtige Generalprobe für das, was mich im August erwartet."

Spremberg scheint ohnehin als Heimat von Radfahrern zu gelten, die sich große Ziele setzen. Im Jahr 2014 kehrte Tom Lange aus Terpe von einer 6411-Kilometer-Strecke heim. Er war von seinem Heimatort mit dem Rad zum Nordkap und zurück gefahren, drei Monate lang, im Durchschnitt 77 Kilometer am Tag.

Zwei Jahre zuvor hatte Henrik Zech aus Spremberg gegen seine Freunde um 500 Euro gewettet, dass er es schaffen werde, 887,57 Kilometer auf dem Fahrrad abzustrampeln, von Dresden in den dänischen Ort Brande. Die Wette gewann er, gestand jedoch nach seiner Ankunft, mitunter sei ihm die Fahrt vorgekommen wie ein "Ritt durch die Hölle".

Im Jahr 2009 brach erstmals eine Gruppe aus zehn Freizeitradlern aus Spremberg zu einer Tour ins russische Wolgograd auf. Von einer "Mischung aus Abenteuerlust, sportlicher Herausforderung und der Freude, den Osten Europas zu erkunden" sprach Wolfram Mogk, der seitdem regelmäßig Touren organisiert, unter anderem mit dem Schlauchboot in Karelien, einer Landschaft, die sich von Russland nach Finnland erstreckt.

Nun nimmt sich Sören Lehmann also den Ötztaler Radmarathon vor. "Ich höre dabei aber lieber auf meine innere Vernunft, als mir etwas beweisen zu wollen", sagt er. "Wenn ich bestimmte körperliche Signale missachte, laufe ich Gefahr, mich zu verletzen: Das gilt wohl für jeden Sportler." Die Teststrecke in Bielefeld bezeichnet er als hilfreich, "schon allein wegen der Erfahrung, das mal mitgemacht zu haben".

Aus 1500 Bewerbern wählte das Cycling-Team der Firma Alpecin vier junge Frauen und sechs Männer aus, die sich seit dem späten Winter auf das Sportereignis in Österreich vorbereiten. Sören Lehmann freut sich immer noch wie am ersten Tag darüber, dass er es in diese Auswahl schaffte. Seine Mutter wird ihn vorher als Privatcoach in die Sächsische Schweiz begleiten, wo er ein paar Bergtouren einlegen will. "Ihr bereitet es Spaß, das alles mitzuerleben", sagt er.

Aus Mangel an ordentlichen Steigungen in der Lausitz absolviert Sören Lehmann sein Bergtraining oft mithilfe moderner Technik im heimischen Keller, wo er auch eine Hantelbank aufgestellt hat. Grundsätzlich spricht er sich für ein Training in der Natur aus. "Unter freiem Himmel ist man einfach besser motiviert", erklärt er. Nach dem Radmarathon in Bielefeld legte er allerdings erst mal zwei freie Tage ein - um sich danach umso gestärkter dem Training zu widmen.

Zum Thema:
Die Strecke des Ötztaler Radmarathons hat eine Länge von 238 Kilometern und führt über 5500 Höhenmeter - bei einer Steigung bis zu 18 Prozent. Der Radmarathon dauert samt Rahmenprogramm vom 24. bis zum 28. August. In diesem Jahr gehen voraussichtlich 4000 Teilnehmer an den Start. Die Route führt durch das Ötztal, den Kühtai-Sattel hinauf, durch Innsbruck, über den Brenner, den Jaufenpass, durch St. Leonhard im Passeiertal und über das 2509 Meter hohe Timmelsjoch. Die Teilnehmer brauchen für diese Strecke etwa sieben bis 14 Stunden.