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Aus dem Cottbuser Landgericht
Psychologin sagt in Prozess um Spremberger Delikte aus

Spremberg/Cottbus. Experten stellten beim Beschuldigten die Diagnose der paranoiden Schizophrenie. Die Verhandlung geht noch im Februar weiter.

Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, sehr unruhig, schwer krank: So hat eine Psychologin des Maßregelvollzugs den 33-jährigen Mann aus Spremberg erlebt, gegen den das Cottbuser Landgericht seit dem vergangenen Jahr verhandelt: Dem Beschuldigten wird eine Reihe von Delikten vorgeworfen, von Körperverletzung über versuchten Raub und Diebstahl bis zur Sachbeschädigung. Mehrere Spremberger Familien fühlten sich von ihm terrorisiert.

Die Psychologin sagte am Donnerstag als Zeugin aus. Dafür ließ sie sich von der Schweigepflicht entbinden. Laut Diagnose leidet der Mann unter paranoider Schizophrenie. Er nahm im Maßregelvollzug in Brandenburg an der Havel zunächst an keinem therapeutischen Angebot teil, lehnte außerdem Einzelgespräche mit dem Stationsarzt ab, wie die Expertin erklärte. Allmählich wirke sich jedoch die medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika positiv aus. „Seine Belastungsgrenze im persönlichen Gespräch liegt aktuell bei einer halben Stunde“, sagte die Psychologin. „Eine umfassende Analyse war noch nicht möglich.“ Momentan lasse sich nicht sicher einschätzen, ob der Beschuldigte eine Einsicht in seine Krankheit zeige. „Er ist derzeit sehr zurückgezogen, sitzt viel in seinem Zimmer, scheint mit sich selbst beschäftigt zu sein“, stellte die Zeugin fest.

Der Beschuldigte selbst bat bei der Verhandlung am Donnerstag ebenfalls um das Wort. „Ich würde gern nach Spremberg zurückkehren“, sagte er. „Dafür würde ich auch Sozialstunden machen und den Auflagen für die Medikamente folgen.“ Gegenüber dem Richter erklärte er: „Bitte ermöglichen Sie mir wieder ein normales Leben.“

Die Verhandlung wird noch im Februar fortgesetzt. Zwar hatte die Staatsanwaltschaft eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt. Doch die Hürden für diese Entscheidung sind hoch: Sie kommt laut Strafgesetzbuch nur in Frage, wenn „die Opfer seelisch oder körperlich erheblich geschädigt oder erheblich gefährdet werden oder schwerer wirtschaftlicher Schaden angerichtet wird“.