| 02:37 Uhr

Prüfer: Schulrat fehlt das Rückgrat

René Prüfer erhebt schwere Vorwürfe an das Landesschulamt.
René Prüfer erhebt schwere Vorwürfe an das Landesschulamt. FOTO: René Wappler
Döbern. Im Streit um Ausfallstunden und die Bedingungen für den Unterricht an Pilotschulen für Inklusion im Süden Brandenburgs wird der Ton rauer. Der Vorsitzende der Schulkonferenz Döbern, René Prüfer, wirft dem Leiter der Regionalstelle Cottbus des Landesschulamtes, Gerald Boese, vor, sich dem Thema nicht stellen zu wollen und Statisiken zum Unterrichtsausfall schön zu rechnen. Beate Möschl

Dass Gerald Boese seiner Einladung zur Schulkonferenz der Mosaikgrundschule Döbern Anfang März zum Thema Inklusion nicht persönlich gefolgt ist, sei schon ein Schlag ins Gesicht der Döberner Eltern, Schüler und Lehrer gewesen, so Prüfer. Aber die Argumentation, die der Schulamtschef noch vor den Oster-Ferien zu den Ausfallstunden an den Schulen im Schulamtsbezirk verbreitet habe, schlage dem Fass den Boden aus. "Das ist doch alles schön gerechnet. Die Zahlen soll er mir mal erklären, aber das Rückgrat hat er ja nicht", reagiert Prüfer empört auf die Darstellung, dass an den Grundschulen 8,6 Prozent aller Stunden nicht planmäßig erteilt wurden und real 0,8 Prozent ausgefallen sind. Boese hatte das als "einen hervorragenden Wert" bezeichnet (RUNDSCHAU vom 26. März).

Der Vorsitzende der Döberner Schulkonferenz hatte Ende Februar einen Brandbrief an das Schulamt in Cottbus geschickt, in dem er kritische Fragen stellte - zu den Anforderungen an Schulen, die den Inklusionsgedanken in Pilotprojekten modellhaft umsetzen sollen, und zu den tatsächlichen Bedingungen dafür. "Wir haben nichts gegen Inklusion", betont Prüfer, "aber etwas gegen unzulängliche Bedingungen für Inklusionsunterricht." Er bemängelt vor allem die personelle Ausstattung. Die Lehrer an der Mosaik-Grundschule seien sehr engagiert, aber stoßen an Grenzen, wenn Lehrkräfte längere Zeit krankheitsbedingt ausfallen. Die gültige Vertretungsregelung nennt Prüfer "nicht tragbar". Denn die hat allein im ersten Halbjahr 2014/15 dazu geführt, dass an der Mosaik-Grundschule Döbern 229 Stunden Förderunterricht ausgefallen sind. Weil die dafür zuständigen Fachkräfte zur Absicherung der regulären Unterrichtsvertretung herangezogen wurden.

"Was wird das staatliche Schulamt Cottbus konkret ändern, damit sich diese schockierende Zahl nicht wiederholen kann", fragt er erneut. Dem Schulamt liegen diese Frage und fünf weitere schriftlich vor. "Eine Antwort habe ich bis heute nicht von Herrn Boese bekommen. Er hat nicht das Rückgrat bewiesen, selber Rede und Antwort zu stehen in unserer Schulkonferenz. Das überlässt er anderen. Das zeigt mir, dass er eigentlich der falsche Mann ist", äußert Prüfer empört.

An der Schulkonferenz am 11. März habe die zuständige Schulrätin, Karin Nowotnick, teilgenommen. Auf die Anfragen zu den aus Sicht der Eltern nicht tragbaren Schwachstellen, habe es keine Antworten gegeben, aus denen sich erkennen lässt, dass sich etwas ändern wird. "Damit hat das Schulamt einen Offenbarungseid geleistet", so Prüfer.

Die Schulkonferenz war einberufen worden, weil das Land Brandenburg eine Verlängerung der Pilotprojekte zur Inklusion um weitere zwei Jahre ermöglicht, dazu aber ein Beschluss der Schulkonferenz erforderlich ist. "Wir haben zähneknirschend unterschrieben, weil wir die Kinder nicht opfern wollten", sagt Prüfer und erklärt: "Hätten wir der Verlängerung nicht zugestimmt, würde die Mosaik-Grundschule als Integrationsschule weitergeführt und nicht mehr als Integrationsschule. So hat uns das die Frau Nowotnick klar gemacht." Auf die Frage, an welcher Schule die Kinder mit erhöhtem Förderbedarf denn dann unterrichtet werden sollen, hieß es: Die Kinder bleiben hier an der Schule, aber ohne Förderunterricht, schildert Prüfer und sagt: "Das ist Erpressung." Der Vorsitzende der Döberner Schulkonferenz betont, dass es ihm um das Wohl der Kinder geht, was er beim Schulamt so nicht erkennen könne. "Das Schulamt verstößt gegen die UN-Konvention, wenn es nicht dafür sorgt, dass alle Kinder die Förderung erhalten, die sie brauchen", sagt Prüfer. Nun sieht er die Landesregierung am Zug.