ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:56 Uhr

Proteststurm gegen Schweine-Baron

Einige Mitglieder der Bürgerinitiative Wadelsdorf protestierten gestern direkt vor der Ferkelzuchtanlage gegen die illegale Bautätigkeit.
Einige Mitglieder der Bürgerinitiative Wadelsdorf protestierten gestern direkt vor der Ferkelzuchtanlage gegen die illegale Bautätigkeit. FOTO: cw
Wadelsdorf. Einwohner aus Wadelsdorf und Umgebung haben eine Bürgerinitiative gegründet, die die Wiederinbetriebnahme der Ferkelzuchtanlage in Wadelsdorf verhindern will. Fast 50 Bürger protestierten mit Transparenten und Entschlossenheit am Dienstag vor der Gemeindevertretersitzung gegen die Massentierhaltung. Der Landkreis Spree-Neiße hat gestern zudem einen Baustopp für bereits begonnene, aber nicht genehmigte Bauarbeiten in der Anlage verfügt. Catrin Würz

"Wir wollen keine Massentierhaltung a la Straathof in unserem Ort", sagt Carola Freitag. Die Mitinitiatorin der neu gegründeten Bürgerinitiative "Saustall" befürchtet, dass mit dem niederländischen Investor Adrianus Straathof, der deutschlandweit als "Schweine-Baron" schon für reichlich Negativschlagzeilen gesorgt hat, nun auch dessen umstrittene Methoden der Tierhaltung nach Wadelsdorf kommen. So soll Straathof schon an mehreren Orten in ganz Deutschland seine Tiere in teilweise illegal errichteten Ställen produziert und gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen haben. "Quer durch die Republik zieht dieser Mann eine Spur von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, das Baugesetz oder das Immissionsschutzgesetz. Dagegen müssen wir uns wehren", so Dirk Marx vom Naturschutzbund Nabu in Vetschau, der die Wadelsdorfer Initiative unterstützt.

Die Straathof-Holding hatte im März 2013 die Gebäude der 1976 gebauten Schweinezuchtanlage im Wald bei Wadelsdorf vom Vorbesitzer erworben. Dieser hatte die Anlage 2011 wegen eklatanten Verstößen gegen den Tierschutz aufgeben müssen. Nun will der niederländische Geschäftsmann dort noch in diesem Jahr insgesamt 6800 Tiere neu einstellen. Die Zeit drängt für den Investor, denn nur noch bis Mitte November besteht für die Ferkelzuchtanlage der dreijährige Bestandsschutz der Betriebsgenehmigung.

Bauantrag noch nicht genehmigt

Für die Wiederinbetriebnahme der Anlage vor Ablauf dieser Frist müsste der neue Eigentümer jedoch eine Reihe von gesetzlichen Anforderungen und Auflagen erfüllen. Für entsprechende bauliche Veränderungen wurden zwei Bauanträge beim Landkreis eingereicht, die allerdings beide noch nicht genehmigt sind. "Trotzdem fahren dort die Betonfahrzeuge hin und her und es wird mit Hochdruck an den Ställen gearbeitet", erzählen die Mitglieder der Bürgerinitiative.

Die Bauordnungsbehörde des Landratsamtes hat diesen Vorwurf geprüft und bestätigt gesehen. "Es wurden in der Tat genehmigungspflichtige Baurbeiten schon ausgeführt", erklärt die Sachgebietsleiterin der Bauaufsicht, Gudrun Rusche. Seit Mittwoch ist aus diesem Grund ein Baustopp für die Arbeiten verfügt worden.

Amtstierarzt Dr. Dietmar Vogt kündigt für den Fall, dass die Ferkelzucht in Wadelsdorf wieder aufgenommen wird, strenge Kontrollen zum Tierschutz, zur vorbeugenden Seuchenbekämpfung und zur Futtermittelüberwachung an. "Wir haben dem neuen Eigentümer auch von Anfang an gesagt, dass von der Altanlage quasi nur noch die bauliche Hülle zu verwenden ist und haben alle gesetzlichen Auflagen klar und deutlich benannt", sagt er. Allerdings müsse er die Dinge aus seiner Funktion heraus objektiv beurteilen und dürfe keinen Tierhalter vorverurteilen. Sollten die Bedingungen in der Wadelsdorfer Anlage erfüllt sein, werde es auch eine Genehmigung für die Betriebsaufnahme geben.

Fragwürdiges Verhalten

Inzwischen hat sich auch der CDU-Landtagsabgeordnete Raik Nowka mit dem Problem befasst. "Die illegalen Bautätigkeiten müssen schnellstmöglich gestoppt werden", fordert auch er. Die Verstöße gegen das Baurecht seien das eine. "Aber darüber hinaus halte ich die gewerberechtliche Zuverlässigkeit Straathofs für fragwürdig. Sein bisheriges Verhalten als Betreiber von Schweinzuchtanlagen in Holland und verschiedenen deutschen Bundesländern lässt nicht darauf schließen, dass am Standort bei Wadelsdorf Umwelt- und Tierschutzstandards eingehalten werden."

Kommentar zum Artikel: Absolut kein guter Start

Zum Thema:
Die konkreten Pläne des neuen Eigentümers zur Ferkelzuchtanlage Wadelsdorf sehen vor: Die Ställe sollen mit 1574 Sauen, fünf Ebern sowie 753 Jungsauen und 4470 Aufzuchtferkeln betrieben werden. Der Verkauf der Anlage im März 2013 ging vonstatten, ohne dass die Gemeinde Hornow-Wadelsdorf befragt wurde.