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| 15:59 Uhr

Einsatz für die Dorfgeschichte
Proschimer kämpfen um Brücke

Marianne Kapelle und Erhard Lehmann wollen die Brücke erhalten.
Marianne Kapelle und Erhard Lehmann wollen die Brücke erhalten. FOTO: LR / René Wappler
Welzow. Einwohner wehren sich unbeirrt gegen den geplanten Abriss des Bauwerks.

Ein Beschluss lässt sich auch kippen. So argumentieren die Einwohner von Proschim, die sich gegen den Abriss der Kohlebahnbrücke am Ortseingang wehren. Zwar hat sich die Mehrheit der Welzower Stadtverordneten dafür ausgesprochen, die marode Brücke zu entfernen. Doch der frühere Ortsvorsteher Erhard Lehmann, ein CDU-Mitglied, will sich damit nicht abfinden.

Noch immer zeugen die Kratzer an der Brücke von dem Fahrzeug, das sie rammte. Erhard Lehmann steht vor dem Bauwerk am Rande von Proschim, und er deutet oben, wo sich die Schrammen eingegraben haben. „Wir wissen nicht, woher das Fahrzeug stammt, weil es einfach weiter seine Reise fortsetzte“, sagt er. „Aber das war der Moment, der die Brücke aus ihren Lagern riss.“

Seit vier Jahren ist sie gesperrt. Eine Prüfung ergab damals die Zustandsnote 4,0, gleichzusetzen mit einem Verfall, der sich durch Reparaturen nicht mehr aufhalten lasse. In den Unterlagen des Rathauses heißt es: „Damit werden mindestens Instandsetzungen durch Austausch der defekten Bauteile notwendig.“ Als Ursachen für diese Note gelten Aufprallunfälle und von Pilz befallenes Holz. Die Aring Bauplanungsgesellschaft prüfte im Auftrag der Stadt Welzow,  ob sich die Brücke retten läst. Schließlich entschieden sich die Stadtverordneten für den Abriss.

Über diesen Beschluss ärgert sich Erhard Lehmann bis heute. Nach wie vor hofft er, das Projekt lasse sich aufhalten. Er betrachtet die Brücke, im Jahr 1939 erbaut, als ein Wahrzeichen von Proschim, das nicht einfach so verschwinden darf. „Mit relativ wenig Aufwand ließe sich die Brücke per Kran in ihre Lager hängen“, sagt er. „Wenn man sie wieder herrichten würde, wäre vor allem den Radfahrern mehr gedient.“ Denn nach seinen Worten gäbe sie eine ideale Verbindung ins Lausitzer Seenland her.

Allerdings trifft er bei Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) auf Widerspruch. „Der Abwägungsprozess der Stadtverordneten hat nun einmal stattgefunden“, sagt sie. Damit sei auch klar, dass die Brücke verschwindet, nur nicht, zu welchem Zeitpunkt. „Da eine Gefahr vom Bauwerk ausgeht, müssen wir es beseitigen“, erläutert das Stadtoberhaupt.

Mit dem Beschluss für den Abriss ist ein Konflikt entstanden, der bei manchen Einwohnern von Proschim das Gefühl befeuert, wichtige Entscheidungen würden über ihren Kopf hinweg getroffen. So äußert sich neben Erhard Lehmann auch Marianne Kapelle enttäuscht, die sich unter anderem im Kulturverein engagiert. „Die Brücke gehört doch zu unserer Dorfgeschichte“, sagt sie. Schon früher sei der Abriss als eine mögliche Variante im Gespräch gewesen, weshalb sie vermute, dem Bauwerk solle bewusst keine Chance mehr eingeräumt werden. „Das wäre traurig“, erklärt Marianne Kapelle.

Mit einem Wunsch trägt sich Erhard Lehmann. Sollte sein Protest gegen das Entfernen der Brücke ohne Erfolg bleiben, würde er sie gern als Denkmal im Ort behalten. Einen Platz dafür hat er sich auch schon ausgesucht: nur ein paar Meter von ihrem aktuellen Platz entfernt, wo sich momentan ein wilder Parkplatz befindet.

Die Stadtverordneten betrachten das marode Bauwerk als Gefahr.
Die Stadtverordneten betrachten das marode Bauwerk als Gefahr. FOTO: LR / René Wappler