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| 19:32 Uhr

Veranstaltung
Vergnügliche Diskussion zu Pflanzennamen in Mundart

 Biologe und Hobbybotaniker Jens Martin aus Burg/Spreewald (M.) diskutiert mit dem Publikum über wendische Reliktnamen.
Biologe und Hobbybotaniker Jens Martin aus Burg/Spreewald (M.) diskutiert mit dem Publikum über wendische Reliktnamen. FOTO: Arlt Martina
Proschim. Burger Botaniker gastiert im Kulturhaus Proschim.

Die Proschimer sind für interessante Vortragsthemen im Kulturhaus bekannt. Diesmal hat Ute Henschel als Leiterin der Cottbuser Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur den Biologen und Hobbybotaniker Jens Martin mitgebracht. Der 49-Jährige kommt aus Burg, ist im Spreewald aufgewachsen, beherrscht die sorbisch/wendische Sprache bestens und ist ein Fachmann im Bereich der Pflanzenwelt. In Proschim referierte er zu wendischen Reliktnamen.

„Proschim bekennt sich zur sorbischen Herkunft. Früher sprachen die Menschen in unserem Dorf auch sorbisch“, sagt Marianne Kapelle. Einige gebräuchliche Bezeichnungen für Pflanzen aus der Region habe auch sie „noch im Ohr“. Der Burger Botaniker hat als Ergebnis seiner langjährigen Forschungen in der gesamten Niederlausitz 2012 das „Wörterbuch der niedersorbischen/wendischen Pflanzen-, Pilz- und Flechtennamen“ herausgegeben.

Neben einem großen Spektrum niedersorbischer Bezeichnungen aus der zweisprachigen Lausitz enthält das Buch auch zahlreiche slawische Reliktnamen aus Gegenden, in denen die wendische Sprache schon lange nicht mehr gesprochen wird. Derartige zum Teil noch heute gebräuchliche Pflanzennamen liegen sogar in verschiedenen Dialekten vor. Jens Martin stellte in Proschim zahlreiche Pflanzennamen aus entsprechenden Regionen vor, die in der sorbischen Literatur zu finden sind.

Schon für eine Pflanzenart gibt es sehr unterschiedliche Namen in den Ortschaften. „Die Menschen entfernen sich immer mehr von der Natur und kennen sich kaum noch damit aus. Die nächste Generation wird über die Pflanzenwelt noch weniger wissen“, sagt er. Bildhaft stellte er beispielsweise Sumpf- und Schafgarben, Rainfarn, Traubenkirsche, Gänsedistel und Hahnenfußarten vor. Die Melde, das Schneidegras oder der  Blutweiderich waren auch den Proschimern bekannt. Jens Martin gab auch einen Hinweis zum Greiskraut, weil diese Wildpflanze giftig ist.

Zum Abschluss der Veranstaltung machte Marianne Kapelle darauf aufmerksam, dass es im Foyer des Kulturhauses eine Ausstellung zu gelebten sorbischen Bräuchen in Proschim gibt: „Eckhard Tetsch aus Proschim drehte über sorbische Bräuche in unserem Dorf einen Film. Damit nahmen wir am Wettbewerb ‚Die sorbische Sprache lebt’ teil und bekamen eine finanzielle Unterstützung, die wir für sorbische Bräuche und Traditionen einsetzen“, erklärt sie.

 Biologe und Hobbybotaniker Jens Martin aus Burg/Spreewald (M.) diskutiert mit dem Publikum über wendische Reliktnamen.
Biologe und Hobbybotaniker Jens Martin aus Burg/Spreewald (M.) diskutiert mit dem Publikum über wendische Reliktnamen. FOTO: Arlt Martina
(mat)