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| 01:33 Uhr

Proschim soll nicht der Kohle geopfert werden

Petra Rösch, Ortsvorsteherin in Proschim. Foto: Gentzsch
Petra Rösch, Ortsvorsteherin in Proschim. Foto: Gentzsch FOTO: Gentzsch
Proschim. Der Proschimer Ortsbeirat hat sich einstimmig für die Nicht-Abbaggerung des Dorfes durch das geplante Tagebau-Teilfeld Welzow-Süd II ausgesprochen. Eine entsprechende Vorlage der CDU-Fraktion wurde der Stadtverordnetenversammlung, die am heutigen Mittwoch tagt, empfohlen. Von Torsten Richter

"Ich lehne den Tagebau-Teilabschnitt II in Gänze ab. Schließlich geht es um das Wohl unserer Bürger. Wir sind nicht der Meinung, dass Proschim der Kohle geopfert werden soll." Mit diesen klaren Worten sorgte die Proschimer Ortsvorsteherin Petra Rösch (Wählergemeinschaft Proschim) am Montagabend für einen Paukenschlag.

Der Ortsbeirat stimmte einer entsprechenden Beschlussvorlage der CDU-Fraktion zu, nach der die Umsiedlung des Ortes verhindert werden soll.

Die Ablehnung des Teilfeldes II, das nach heutigen Planungen Proschim etwa in anderthalb Jahrzehnten in Anspruch nehmen würde, sorgte bei der Welzower Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) für Erstaunen. Die Bürgermeisterin zeigte sich verwundert darüber, dass sich die Proschimer für das Aus des Teilfeldes II einsetzen. Besser sei es nach ihrer Ansicht, zunächst alternative Technologien zu überprüfen, ob das 370-Einwohner-Dorf nicht mittels einer Landbrücke erhalten werden könne. "Wir sollten uns nicht aller Möglichkeiten zum Teilfeld II berauben lassen", sagte Birgit Zuchold. Darauf konterte Petra Rösch, dass es das Beste für Welzow und Proschim sei, wenn der bereits bestehende Tagebau wie geplant in ungefähr 30 Jahren ausliefe. Dadurch würden sich für die Stadt viel mehr Chancen ergeben. "Die Bürgermeisterin müsste dieser Sache sehr aufgeschlossen gegenüberstehen", so die Ortsvorsteherin.

Mit der einstimmigen Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung wurde auch eine Beschlussvorlage hinfällig, die die Bürgerinitiative Zukunft Welzow/Proschim (ZWP) eingebracht hatte. Danach soll Bürgermeisterin Zuchold beauftragt werden, eine Bürgerbefragung in Proschim durchzuführen. Die Frage lautet: Wünschen die Bürger des Ortsteils Proschim, dass parallel zum laufenden Braunkohleplanverfahren Welzow-Süd, räumlicher Teilabschnitt II, Verhandlungen mit dem Bergbauunternehmen in Vorbereitung zu möglichen Umsiedlungen geführt werden?

Petra Rösch wies darauf hin, dass es für den Teilabschnitt II noch keine Rechtsgrundlage gebe. Ortsbeiratsmitglied Erhard Lehmann (CDU) erklärte, dass eine solche Befragung lediglich dazu diene, die Leute mürbe zu machen. Außerdem habe die Proschimer bislang niemand gefragt, ob sie überhaupt weg wollten. Petra Rösch sagte, sie habe den Eindruck, dass so getan werde, als ob die Devastierung des Ortes bereits feststehe.

Einwohnerin Marianne Kapelle fühlte sich an alte DDR-Machenschaften erinnere, als vor über 50 Jahren die Bauern zwangsweise in die LPG geholt wurden. Karl-Heinz Küssner mahnte, dass sich "die Proschimer Gemeinschaft nicht zerkloppen lassen darf."

Der ZWP-Abgeordnete Gebhard Schulz erklärte, dass er die Ablehnung des Antrages akzeptiere. Mitunterzeichner Ralf Paulo sah die Gefahr, dass Proschim durch ausbleibende rechtzeitige Verhandlungen mit Vattenfall auseinanderbrechen könnte.