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| 02:46 Uhr

Projektwoche in Welzow vermittelt Wissen über Forstwirtschaft und Tiere

Die Schüler besuchten das rekultivierte Tagebaugelände, und sie bauten mit Anleitung einen Naturbeobachtungsturm aus Kiefernholz.
Die Schüler besuchten das rekultivierte Tagebaugelände, und sie bauten mit Anleitung einen Naturbeobachtungsturm aus Kiefernholz. FOTO: Volkmar Küch
Welzow. Sobald Forstleute Bäume fällen, regt sich Protest. Doch die Empörung ist schnell vergessen, wenn sich die Leute schicke Holzmöbel für ihre Wohnung wünschen. René Wappler

Über diesen Widerspruch wundert sich der Archäologe Dr. Hans-Joachim Behnke aus Welzow. Doch dabei belässt er es nicht. So lud er Schüler zu einer Projektwoche ein, die das Rekultivierungsgebiet des Tagebaus Welzow-Süd und angrenzende Biotope und Jagdreviere besuchten.

Ein Bildungsurlaub also, über den der 14-jährige Maximilian aus Chemnitz sagt: "Wir haben vieles gelernt, zum Beispiel über die Verbreitung des Wolfes, und zum ersten Mal konnte ich im rekultivierten Tagebau eine Gottesanbeterin sehen."

Der elfjährige Theodor aus Cottbus schwärmt unterdessen vom Erlebnis, einen Hochsitz zu bauen. "Außerdem haben wir die Förderbrücke F 60 besucht - die ist ja riesig."

Kolossale Maschinen, exotische Tiere, Holz für den Hochsitz: Der Wald ist nach den Worten von Hans-Joachim Behnke "der beste Freund des Menschen und der Motor menschlicher Entwicklung". Letztlich vermittle die Projektwoche den Schülern den Umgang mit der Natur, wobei Abenteuer und Wissenschaft "nicht zu kurz" kämen.

Selbst auf dem Land sinkt die Zahl der Leute, die Ahnung von ursprünglichen Produktionsprozessen haben. Das beklagt der Präsident des deutschen Forstwirtschaftsrats, Georg Schirmbeck, der am Donnerstag die Schüler in Welzow besuchte. "Dabei handelt es sich um einen mächtigen Wirtschaftszweig", sagt er. Zwei Millionen Waldbesitzer, 1,1 Millionen Arbeitsplätze, 125 000 Betriebe. Diese Relevanz besitzt die Forstwirtschaft laut Georg Schirmbeck.

Allein der Spree-Neiße-Kreis ist zu 45 Prozent, also nahezu der Hälfte aller Flächen, mit Wald belegt: Darauf weist wiederum der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze hin. Er zählte am Donnerstag ebenfalls zu den Gästen der Projektwoche. "Es handelt sich bei unserer Region um den waldreichsten Kreis im Land Brandenburg", erklärt Klaus-Peter Schulze.

Dabei beobachtet Waldbesitzer Dirk Kuhla, der die Projektwoche mit organisiert, eine Diskrepanz zwischen ländlichen Regionen und den Metropolen: "Umweltorganisationen erreichen mit ihrem ideologischen Ansatz vor allem die Jugend in den Großstädten, obwohl sich ihr Fachwissen oft auf dünnem Eis bewegt." Als hilfreiches Gegengewicht sieht er die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, wie es in Welzow passiert.

Ihm stimmt Pädagogin Gabi Franz zu. "Für uns ist es wichtig, den Kindern und Jugendlichen die Pflege und Hege des Waldes beizubringen", sagt sie. "Für unser kleines archäotechnisches Zentrum in Welzow handelt es sich schon um ein schwieriges Unterfangen."

Hilfe erhält das Projekt auch vom 15-jährigen David Jähnisch aus der Nähe von Frankfurt/Oder, der seit drei Jahren am Camp teilnimmt und inzwischen selbst zu den Betreuern zählt. "Dieses Mal konnte ich mir endlich mal das frühere Tagebaugelände anschauen", sagt er. "So ein Erlebnis bleibt haften."