Siebenmal darf Maskenführer Rüdiger Budek das goldene Glöckchen bimmeln lassen. Der Dorfclub Sellessen hat zum zwölften Preismaskenball ins Dorfgemeinschaftshaus Haidemühl eingeladen. Sieben Maskenbilder mit 27 Masken bitten um Einlass: zuerst die „Insekten for Future“ – das Insektensterben ist ein dringender Anlass. So wird es fürs Publikum, das wertet, schnell spannend. Genau verfolgen die Gäste an den Tischen das Geschehen im Saal. Eine der ältesten Besucherinnen ist Brigitte Albrecht. Sie ist 84 Jahre, und stand, wie sie erzählt, vor vier Jahren noch selbst mit Maske im Saal.

Um den Ball auf die Beine zu stellen, erfordert es den ganzen Einsatz der Mitglieder des Dorfclubs Sellessen. Frank Hoffmann leitet ihn. Ob hinterm Tresen oder als Kellner – es „muss einfach laufen“. Carina Wandelt von der Dussmann-Service Deutschland GmbH sorgt für die Speisen des Abends.

Drei Stunden geschwitzt

Nachdem die Masken bis zu drei Stunden unter ihren Larven geschwitzt haben, beginnt die Demaskierung. In der Wertung „Große Maske“ haben die „Insekten for Future“ die Nase vorn, gefolgt von der Hochzeitsgesellschaft und den Humpenbrüdern aus Bayern. In der Wertung „Kleine Maske“ siegt die Gruppe „Wer hat Angst vorm bösen Wolf.de“. Platz zwei geht an die Glücksbringer 2020, Platz 3 an „Klopetra“ und ihren treuen Diener.

Die Maske Babajaga soll einen Trostpreis in Empfang nehmen, aber sie hatte sich vor der Demaskierung schon „aus dem Staub“ gemacht. „So etwas kommt ab und zu vor“, sagt Rüdiger Budek. Er ist seit vielen Jahren und auf mehreren Bällen Maskenführer.

Holger Schwarz aus Sellessen zieht erschöpft die Maske der „Klopetra“ vom Gesicht. „Das ist heute mein zwölfter Maskenball. Ich war jedes Jahr dabei. Oft habe ich die Kostüme selbst gebastelt, Monate lang“, so Schwarz. Diesmal fehlte die Zeit, er lieh sich das Qutfit vom Pumpschen Carnevalsclub.

Undine Janetzky von der Gruppe „Wer hat Angst vorm bösen Wolf.de“ aus Sellessen und Bühlow kennt die Maskenbälle noch von ganz früher. „Ich hatte jetzt 30 Jahre nirgends mitgemacht, heute wieder das erste Mal. Dass wir einen ersten Platz belegen, ist eine Überraschung.“ Bei der Auswahl der Masken seien sie immer gern originell unterwegs, so Undine Janetzky. „Wir möchte brisante Themen ansprechen. Es soll zum Nachdenken anregen. Der Wolf und die Schafe sind ja immer wieder in den Medien.“

Schon in Sellessens „Linde“ getanzt

Um ein aktuelles Thema ging es auch dem Spremberger Jens Möschter mit den Insekten. „Wir bauen in der Gruppe in der Werkstatt. Im Vorfeld sammeln wir Vorschläge. Steht der Favorit fest, geht es los. Mit Pappmaché, Dämmstoff, Bauhelm. Die Gemeinschaft ist dabei am schönsten. Wir haben schon acht Mal erste Plätze belegt.“

Andrea Budek von bayerischen Humpenbrüdern hat als Kind die Maskenbälle in Sellessens „Linde“ erlebt: „Die Platzierung ist für uns nicht so wichtig“, sagt sie, „das Publikum entscheidet. Aber von unserem Preisgeld gehen wir gemütlich essen.“