| 17:35 Uhr

Flammen in der Schillerstraße
Polizei ermittelt nach Autobränden

Um 1.30 Uhr ging in der Leitstelle der Polizei die Meldung ein, dass zwei Fahrzeuge brennen. Ein PKW Skoda brannte völlig aus, ein daneben stehender Ford brannte auch und wurde beschädigt. Die Feuerwehr konnte beide Fahrzeuge löschen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur Brandursache übernommen.
Um 1.30 Uhr ging in der Leitstelle der Polizei die Meldung ein, dass zwei Fahrzeuge brennen. Ein PKW Skoda brannte völlig aus, ein daneben stehender Ford brannte auch und wurde beschädigt. Die Feuerwehr konnte beide Fahrzeuge löschen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur Brandursache übernommen. FOTO: Picasa / Bogott Detlef
Spremberg. Betroffene Frau aus Spremberg berichtet von jahrelangem Stalking durch Ex-Partner.

Zwei Autos brennen aus, um 1.30 Uhr, in der Spremberger Schillerstraße. Mit dem Fall vom Dienstagmorgen befasst sich nun die Polizei. Eine der Betroffenen glaubt an Stalking als Motiv. Seit mehr als zwei Jahren stelle ihr ein früherer Freund nach. Deshalb erstattete sie Anzeigen bei der Polizei. Staatsanwälte ermittelten ohne Ergebnis. Die Frau sagt: „Ich fühle mich schon lange nicht mehr sicher.“ Ihre Chefin, mit der sie befreundet ist, erklärt: Der Psychoterror zermürbe sie ebenfalls.

Diese Nacht wird die 28-Jährige  wohl nie vergessen. „Der Mann, der über mir wohnt, hat einen Knall gehört“, erzählt sie. „Er schaute aus dem Fenster, sah die ersten Flammen, rief die Feuerwehr an und kam runter zu uns.“ So habe sie erfahren, dass ihr Auto brennt – und das einer Nachbarin. „Wir konnten nichts mehr machen“, sagt sie. „Obwohl die Feuerwehr unglaublich schnell da war, innerhalb von fünf Minuten, mussten wir zusehen, wie der Motor regelrecht wegschmolz.“

Nun ermittelt die Polizei. Die Sprembergerin fürchtet, dass es sich um Brandstiftung handelt. Zwar gibt es bislang keine Hinweise auf einen Täter. Doch für die Mieterin aus der Schillerstraße reiht sich der Verlust ihres Autos in eine Kette von Ereignissen ein, die sie schon lange nicht mehr ruhig schlafen lassen.

Ihren Namen will sie nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Ohnehin hat sie ihr Grundvertrauen verloren, wie sie sagt. So stellt sich das Problem nach ihren Worten dar: Im Jahr 2016 trennte sie sich nach wenigen Monaten von ihrem Freund. Daraufhin habe er begonnen, ihr nachzustellen. „Er schickte mir 60 Kurznachrichten am Tag auf mein Handy“, berichtet sie. Er habe sie bedroht. Er sei mit einem Messer auf sie losgegangen. Immer wieder habe er ihr per Kurznachricht mitgeteilt, er wisse, wo sie sich gerade aufhalte. Für die Frau schien damit klar zu sein: Es handelt sich um einen klassischen Fall von Stalking. Also erstattete sie eine Anzeige.

Im Juli 2016 erhielt sie jedoch einen Brief der Staatsanwaltschaft. Ein hinreichender Tatverdacht liege nicht vor, hieß es darin. Das Verfahren werde eingestellt. Der Tatbestand der Nachstellung verlange unter anderem, „dass die Lebensgestaltung des Opfers durch die Handlungen des Täters schwerwiegend beeinträchtigt wird“. Das wäre zum Beispiel bei einem notgedrungenen Umzug oder einem Wechsel des Arbeitsplatzes ihrerseits der Fall.

Für die Frau ging damit der Ärger erst richtig los. „Nach wie vor verfolgt uns der Mann“, berichtet die Frau. „Er bremst uns regelmäßig mit seinem Auto aus, ging bereits mit einem Knüppel auf meinen neuen Lebensgefährten los.“

Sie erinnert sich daran, dass im März 2017 Reifen zerstochen wurden, an ihrem Auto und dem ihrer Chefin. Diese hatte im Jahr 2016 als Zeugin ausgesagt. Laut einer Anzeige fielen im Januar 2018 Schüsse, als sich die Sprembergerin auf ihrem Balkon aufhielt, abgegeben von dem Mann, der in einem Auto saß. Sie erzählt von zerschlagenen Scheiben, von Einschusslöchern im Geschäft ihrer Chefin.

Nie ließ sich eindeutig feststellen, wer der Täter war. Die Chefin der Frau sagt: „Angst haben wir schon eine ganze Weile, aber das hat sich in jüngster Zeit noch zugespitzt.“ Bei Gefahr Hilfe von der Polizei zu bekommen – dieses sichere Gefühl sei mittlerweile weggebrochen.

Torsten Wendt von der Pressestelle der Polizei erklärt dazu: „Wir ermitteln in solchen Fällen immer, wenn die Betroffenen eine Anzeige erstatten.“ Deshalb habe sich auch die Staatsanwaltschaft im Jahr 2016 mit dem Konflikt befasst. Doch nach ihren Angaben fehlte es an Beweismitteln und an Spuren, die eindeutig auf einen Täter hinweisen.

Käme es nun wegen neuer Vorwürfe wieder zu einem Verfahren, hätte die Sprembergerin eventuell bessere Chancen vor Gericht. Denn im Jahr 2017 wurde der Stalking-Paragraf zu Gunsten der Opfer geändert. Das teilt Staatsanwalt Horst Nothbaum mit. Demnach wird bereits bestraft, „wer einer anderen Person in einer Weise unbefugt nachstellt, die geeignet ist, deren Lebensgestaltung schwerwiegend zu beeinträchtigen“. Tätern drohen nun bis zu drei Jahre Haft. So besagt es inzwischen Paragraf 238 des Strafgesetzbuches. Vielleicht jedoch zwei Jahre zu spät für die Frau, deren Auto in der Nacht zum Dienstag abgebrannt ist.