So besuchten bereits am Freitag vergangener Woche die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Dietmar Woidke und Ulrich Freese die JVA und kamen zu einem Gespräch mit dem Personalrat zusammen. Woidke und Freese stellten klar, dass sie sich in Potsdam für den Erhalt der JVA in ihrer jetzigen Form einsetzen werden. Freese erklärte, er halte es für ein Flächenland wie Brandenburg für unverzichtbar, auch im südlichen Teil des Landes eine Vollzugsanstalt für junge Straftäter zu betreiben. Woidke und Freese sagten dem Personalrat ihre politische Unterstützung in Potsdam zu. Woidke erklärte: „Die JVA Spremberg ist mit der hiesigen Region eng verbunden. Es wäre nicht gut, die vielfältigen und weit reichenden Kontakte der Anstalt mit sozialen Einrichtungen, freien Trägern und Behörden zu kappen. Auch angesichts der bisher getätigten Investitionen von 25 Millionen Euro in die Spremberger JVA erscheint es nicht sinnvoll, Teile der JVA zu schließen oder zu verlegen.“
Einen Vorort-Termin hatten in dieser Woche auch die PDS-Stadtverordnete und Landtagskandidatin Birgit Wöllert und der CDU-Stadtverordnete Hartmut Höhna, die sich ebenfalls hinter die Forderung nach Erhalt der JVA stellten. Höhna kündigte an, dass das Thema auch am kommenden Montag im Hauptausschuss eine Rolle spielen wird, dem Höhna vorsteht.
Ebenfalls am Montag werden Vertreter der Gewerkschaft, des Bundes der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD), beim Spremberger Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze empfangen. Und am Dienstagmorgen hat sich Spree-Neiße-Landrat Dieter Friese in der JVA angesagt.
Sybille Müller, Kathrin Welach und Udo Jawinski vom BSBD wollen dabei vor allem darauf aufmerksam machen, dass eine sinnvolle Betreuung von jugendlichen Straftätern im Vollzug mit einer Jugendanstalt allein nicht zu gewährleisten sei. Verbliebe für diesen Zweck nur noch die JVA Wriezen in Brandenburgs Nordosten, dann würden die sozialen Bindungen der jugendlichen Inhaftierten aus Südbrandenburg mit Sicherheit leiden, denn Angehörige machten sich möglicherweise seltener oder gar nicht zu Besuchen auf den Weg in die entlegene JVA. Die Folge wären schließlich mehr Probleme bei der Wiedereingliederung nach der Haft.
„Wir haben eine ordentlich funktionierende Jugendanstalt, die durch keine negativen Vorkommnisse von sich reden macht und im Arbeitsangebot für Häftlinge und in der Ausbildung vorbildlich für Brandenburg ist.“ , betont Sybille Müller. „Dort sind Millionen investiert worden. Das muss doch bei der Fortschreibung des Landesvollzugsplans berücksichtigt werden.“
Justizministerin Barbara Richstein (CDU) hat nach Informationen der RUNDSCHAU am Mittwoch ebenfalls die JVA Spremberg besucht, sich zu konkreten Vorstellungen über etwaige strukturelle Veränderungen in Brandenburg nicht geäußert.

Hintergrund Die JVA in Zahlen
  Die JVA Spremberg verfügt über 522 Haftplätze, davon steht nur etwa ein Viertel im offenen Vollzug zur Verfügung. Die Zahl der inhaftierten Jugendlichen in Spremberg beläuft sich ebenfalls auf etwa ein Viertel.
Für die Gefangenen stehen 380 Arbeitsplätze zur Verfügung.
In der JVA Spremberg werden Freiheitsstrafen bei Erwachsenen bis zu zwei Jahren und bei Jugendlichen bis zu zehn Jahren vollstreckt.
In der Anstalt sind 190 Bedienstete und 42 justizfremde Personen beschäftigt. Es herrscht ein Verhältnis von 46,5 Bediensteten zu 100 Gefangenen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 48,32 Bediensteten pro 100 Häftlinge.