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| 16:36 Uhr

Politiker fürchtet Ärger aus Proschim

Protest für und gegen neuen Tagebau in Welzow Süd.
Protest für und gegen neuen Tagebau in Welzow Süd. FOTO: Michael Helbig/mih1
Spremberg/Welzow. Der Spremberger SPD-Fraktionschef Andreas Lemke wehrt sich dagegen, dass alle Einwohner von Proschim nach einer möglichen Abbaggerung ihres Dorfes nach Terpe ziehen. Er fürchtet: Die harten Tagebaugegner würden Konflikte heraufbeschwören. Doch damit trifft er auf herbe Kritik. René Wappler

Auch wenn er sich auf diese Weise keine neuen Freunde machen dürfte, bleibt Andreas Lemke bei seiner Position: In Proschim beherrschten "fragwürdige zwischenmenschliche Beziehungen" den Alltag. Was er damit meint: Dauernd gibt es Zoff in der Welzower Region - und den will er nicht nach Spremberg verlagert sehen. "Terpe betrachtet sich als bergbaufreundlichen Ort", sagt der Spremberger Stadtverordnete. "Wenn nun ausgerechnet die Leute dort hinziehen, die als absolute Gegner des Tagebaus auftreten, sind Spannungen vorprogrammiert." Zwar könne Spremberg mit der Umsiedlung seine Einwohnerzahl wieder aufbessern. Doch die Stadt müsse nicht jedes Geschenk annehmen.

Ihm widerspricht Anita Schreiber von der Linksfraktion - und sie ist damit keineswegs die einzige Kommunalpolitikerin. "Wer für Tagebaue ist, der sollte auch für die Konsequenzen einstehen", erklärt sie. Ihr schließt sich die Landtagsabgeordnete Birgit Wöllert an, die zur gleichen Fraktion gehört: "Mich befremdet die Diskussion, die Andreas Lemke hier lostritt."

Auch Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) hält nichts davon, die Umsiedlungsdebatte auf diese Weise zuzuspitzen: Das Resultat sei eine Abschottung von Spremberg gegenüber bestimmten Bürgern, und dies könne kaum hilfreich sein.

Andreas Lemke lässt sich von diesen Argumenten nicht umstimmen - eher im Gegenteil. Er bekräftigt seinen Standpunkt: "Die Welzower Stadtverordneten kommen oft nicht zu einer vernünftigen Sacharbeit, weil Bürgermeisterin Birgit Zuchold regelmäßig angegriffen wird, obwohl sie ihre Arbeit recht gut macht." So befürchtet der SPD-Fraktionschef, dass dieses Klima langfristig auf Spremberg übergreifen könnte. Und er nennt Namen: Es seien vor allem die CDU-Stadtverordneten Erhard Lehmann und Günter Jurischka sowie die Proschimer Ortsvorsteherin Petra Rösch, die ihre Opposition gegenüber den Tagebauplänen mit aller Macht durchsetzen wollten. Zugleich betont Andreas Lemke, seine Kritik betreffe keineswegs alle Einwohner von Proschim: "Ich kenne dort auch Leute, die vernünftig verhandeln wollen und mit denen sich reden lässt." Dass er sich als Mitarbeiter des Unternehmens Vattenfall mit seiner Position selbst angreifbar machen könnte, ist ihm bewusst. Deshalb erläutert er: "Ich spreche vor allem als Spremberger Stadtverordneter, der bei einer Umsiedlung des ganzen Ortes Proschim nach Terpe arge Bauchschmerzen hätte."

Ein Spremberger Kommunalpolitiker hält die Bedenken des SPD-Mannes für nachvollziehbar: Es ist der CDU-Fraktionschef Hartmut Höhna, der ihm zur Seite springt. "Man muss vor so einer Umsiedlung über mögliche Probleme reden und die Dinge beim Namen nennen", sagt er. "Es geht doch gar nicht darum, dass wir eine Mauer um Spremberg ziehen wollen, sondern dass wir darauf hinweisen, welche Sorgen uns beschäftigen."

Die Welzower Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) hat ebenfalls vom Streit in der Spremberger Kommunalpolitik gehört, will sich jedoch nicht direkt dazu äußern. Vielmehr verweist sie auf ihre politischen Grundprinzipien: "Sicher ist die Arbeit in Welzow nicht einfach, aber sie bereitet mir unheimlich viel Spaß." Dazu gehöre eben auch die Toleranz gegenüber Menschen, die widerstreitende Auffassungen vertreten. "Ich versuche, Entscheidungen im Interesse unserer Stadt vorzubereiten", sagt Birgit Zuchold. "Und die Beschlussfassung lautet nun einmal, die Umsiedlung von Proschim möglichst zu verhindern."

Zum Thema:
Braunkohlegegner laden im Juli zum dritten Lausitzcamp nach Proschim ein. Unter dem Motto "Kein Land mehr für Kohle" wollen vom 13. bis 21. Juli Aktivisten aus ganz Deutschland über die Energiewende diskutieren. Proschim ist eines der Dörfer, dem im Rahmen der Pläne für den Tagebau Welzow Süd II die Abbaggerung droht. Rund 800 Einwohner müssten von dort und aus Teilen Welzows umgesiedelt werden.