Von Marcel Laggai

Die aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamts belegen: Das Risiko, in Armut abzurutschen,  sinkt. Senioren hingegen sind immer stärker von Altersarmut betroffen. Auch in der Spree-Neiße-Region.

Diesen Trend bestätigt auch Kai Noack. Als Geschäftsführer des Albert-Schweizer-Familienwerks Brandung und stellvertretender Geschäftsführer der Tafel Deutschland ist er täglich mit Armut konfrontiert. Besonders die zunehmende Altersarmut bereitet ihm Sorgenfalten. „Meist kommen die Senioren nämlich erst dann zu uns, wenn für sie wirklich nichts mehr geht und man meist auch nicht mehr gegensteuern kann.“ Dies sei schlichtweg eine Frage der Generation und mehrfach auch falscher Stolz, schätzt Noack ein. „Da wird sich alles vom Mund abgespart, bis die Rentner letztlich über ihren Schatten springen, um Hilfe anzunehmen“, so der Geschäftsführer, der sich in der Region um sieben Tafel-Projekte kümmert.

Mehr als bloße Essensausgabe

In den Zweigstellen Spremberg, Cottbus, Welzow, Drebkau, Lübben, Luckau und Golßen betreut die gemeinnützige Hilfsorganisation insgesamt 8100 Bedürftige. „Gut 20 Prozent davon sind Senioren und die Tendenz ist steigend“, so Noack. Einem Großteil davon stünde gar so wenig Geld zur Verfügung, dass dadurch nahezu keine Teilhabe am sozialen Leben mehr stattfinde. Keine Theaterbesuche, vielmehr Verein­samung und oftmals daraus resultierende, psychische Erkranken. Was folgt: zusätzliche Kosten für das Gesundheitssystem.

Noack und Tafel-Koordinatorin Manuela Krawietz sehen die karitative Einrichtung daher nicht nur als reine Essensausgabe, sondern als Ort der Begegnung. „Wir versuchen hier nicht nur Rentnern eine Tagesstruktur mit auf den Weg zu geben, damit sie ihre Zeit sinnvoll nutzen und die Sorgen des Alltags mal kurzzeitig vergessen“, so Manuela Krawietz. Dies geschehe auch durch Einbinden in die täglichen Arbeiten der Einrichtung und interne Veranstaltungen, heißt es weiter. „Insgesamt haben wir 125 ehrenamtliche Helfer, wovon 25 allein am Standort Spremberg tätig sind.“

Gebrochene Erwerbsbiografien

Kai Noack mahnt indes an, „wenn der Staat nicht bald sein Rentensystem überarbeitet, dann rutschen immer mehr Senioren in die Altersarmut“. So seien es gerade die sogenannten „Wendeopfer“ die davon betroffen wären, heißt es weiter. Gemeint sind diejenigen, die unmittelbar nach der Wiedervereinigung arbeitslos wurden und daraufhin nicht mehr durchgängig Rentenpunkte sammeln konnten.

Diese „gebrochen Erwerbsbiografien“ bereiten auch der Volkssolidarität Spree-Neiße „Bauchschmerzen“. „Bei vielen reicht die Rente nicht mal mehr aus, um sich zusätzliche Pflegeleistungen finanzieren zu können“, weiß Ines Rauer, Chefin der regionalen Geschäftsstelle in Forst. Manchen Rentnern würde gar der Mitgliedsbeitrag von drei Euro bereits schwerfallen, heißt es weiter. Daher richtet Ines Rauer ihren Appell direkt an die Politik: „Die Sozialhilfe und das Pflegesystem müssen unbedingt überdacht und an die jetzigen Bedingungen angepasst werden.“

Andernfalls müssten die Schultern der Rentner und Pflegebedürftigen bald noch mehr stemmen. Auch wenn die Geschäftsführerin nicht alles schwarzsehen möchte, fordert sie eine finanzielle Anpassung der jeweiligen Pauschalen an die aktuellen und künftigen Bedürfnisse. „Damit schlussendlich keiner auf der Strecke bleibt.“