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| 19:14 Uhr

Fahrplanwechsel Spree-Neiße
Fahrplanwechsel gefällt nicht allen

 Vom Spremberger Bahnhof fährt der Plus-Bus 800 auch nach Hoyerswerda, um dort Reisende zu ihren Zuganschlüssen nach Dresden und Leipzig zu bringen.
Vom Spremberger Bahnhof fährt der Plus-Bus 800 auch nach Hoyerswerda, um dort Reisende zu ihren Zuganschlüssen nach Dresden und Leipzig zu bringen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Plus-Bus-Angebot verkürzt Fahrzeiten. Spremberg-Cottbus-Pendler vermissen Alternative. Von Annett Igel-Allzeit und Katrin Kunipatz

Allmorgendlicher Andrang am Spremberger Bahnhof. Gerade ist die Odeg-Bahn aus Görlitz eingetroffen. Reisende steigen flink aus. Groß sind die Trauben der Wartenden vor den Zugtüren. Der Schaffner schiebt seinen Kopf weit aus dem Fenster. Um 8.38 Uhr ist Abfahrt. In den Zug nach Cottbus setzen sich nicht nur Spremberger. Der Plus-Bus 800 hatte 8.29 Uhr Pendler aus Hoyerswerda gebracht.

Die erste Plus-Bus-Linie im Landkreis Spree-Neiße verkehrt seit dem 1. Januar zwischen Cottbus, Spremberg und dem sächsischen Hoyerswerda. Pendlern, die bis Berlin müssen, soll das Angebot die Gesamtfahrzeit um 30 Minuten verkürzen. Wer weiter nach Dresden und Leipzig muss, hat in Hoyerswerda schneller Anschluss an die Schiene.

Doch allen rechtgetan, ist eine Kunst, die auch die Deutschen Bahn nicht kann. Spremberger, die seit Jahren nach Cottbus pendeln, vermissen seit dem Fahrplanwechsel eine Alternative: Die Odeg-Bahn kommt um 9 Uhr am Cottbuser Hauptbahnhof an, um 9.13 Uhr trifft auch der Plus-Bus 800 aus Spremberg am Cottbuser Busbahnhof ein. Eine Sprembergerin, die das ärgert, muss erst um 10 Uhr ihren Dienst antreten und ist nun stets zu früh in Cottbus. „Jahrelang konnte ich früh um 8.52 Uhr am Spremberger Bahnhof in die Stadtlinie einsteigen, zum Busbahnhof fahren und dort um 9 Uhr in die Buslinie 800 einsteigen. Um 9.45 war ich am Busbahnhof in Cottbus und schaffte es genau richtig zur Arbeit.“ Musste sie eine halbe Stunde früher in Cottbus sein, entschied sie sich für die Bahn. Die Wahlmöglichkeit fehlt ihr jetzt.  

Tatsächlich gab es schon vorm Fahrplanwechsel auf dieser Route einen Taktfahrplan, bestätigt Grit-Maren Pfitzmann im Spree-Neiße-Verkehrsausschuss. Er wurde nun an die Kriterien des Plus-Bus-Konzepts angepasst, erklärt sie. Die Sachgebietsleiterin Zentrales Controlling ist für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verantwortlich.

Demnach wurde der Stundentakt um 30 Minuten verlagert, um kürzere Übergangszeiten zu den Zügen zu ermöglichen. Hinsichtlich der Linienführung seien nur geringfügige Änderungen nötig gewesen. Die Buslinie 800 wurde in Spremberg bis zum Bahnhof verlängert. Um die Vorgaben des Landes für den Plus-Bus zu erfüllen, gibt es am Wochenende auf dem Streckenabschnitt zwischen Schwarze Pumpe und Hoyerswerda ein zusätzliches Buspaar.

Teilweise habe man den Regionaltakt einzelner Fahrten entsprechend angepasst. Denn hier, so Burkhard Ahlert, Pressesprecher der Deutschen Bahn in Berlin/Brandenburg, hatte es zuvor nämlich Kritik gegeben, dass die Linie 800 am Spremberger Busbahnhof zu den übrigen Regionalbuslinien versetzt verkehrte. Vermisst wurde in Spremberg der Übergang zu den Regionalbuslinien 856, 879, 880 und 884. „Und kritisert haben Fahrgäste, dass sie nach Ankunft und Abfahrt der Züge von und nach Dresden und Leipzig in Hoyerswerda unsere Linie 800 stets knapp verpasst haben, so dass hier das Umsteigen nur mit sehr langen Wartezeiten verbunden war“, sagt Ahlert. Und positiv seien die barrierefreien Übergangswege. Dass sich für einzelne Pendler die Situation verschlechtert, bedautert Ahlert. Es würden Hinweise gesammelt. „Wo es möglich ist, versuchen wir nachzusteuern“, so Ahlert.

Da der 800er Bus die Plus-Bus-Vorgaben des Landes erfüllt, kann nun die Markenvereinbarung abgeschlossen werden. Im Moment wird die Plus-Bus-Linie auf der Internetseite des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg noch nicht benannt.

Abgeschlossen ist das Projekt Plus-Bus für den Landkreis damit nicht. Für vier weitere Linien will die Verwaltung mit den Leistungserbringern zu den Landesvorgaben ins Gespräch kommen. Dies betrifft die Busse 851 (Forst, Döbern, Cottbus), 858 (Forst, Guben), 847 (Cottbus, Werben, Burg) und 821 (Cottbus, Peitz, Lieberose).

Andreas Paul Mekelburg (Linke) regte im Wirtschafts- und Verkehrsausschusses an, die Linie 851 bis Weißwasser zu verlängern. Ähnliches schlägt der sachkundige Einwohner Thomas Hirsch vor. Statt von Cottbus nur Lieberose anzufahren, sollte die Linie nach Beeskow oder Goyatz weitergeführt werden. Das Bus-Linienbündel, das die Deutsche Bahn für den Landkreis Spree-Neiße anbietet, schaffe in seiner Hauptachse den Ein-Stunden-Takt. „Allerdings“, so Ahlert,  „sind 37 Prozent aller Siedlungsgebiete noch nicht an das Angebot angeschlossen. Daran arbeiten wir.“

Die Spremberger Pendlerin hofft noch: „Ich bin nicht die Einzige, die mit der Änderung Probleme hat. Doch die Deutsche Bahn wird das jetzt sicher längerfristig beobachten.“