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Pflasterstein-Puzzle schmückt Kirche

Frank Janetzke und Wolfgang Kutschik von der Firma aus Terpe arbeiten auf dem Gelände der Kirche.
Frank Janetzke und Wolfgang Kutschik von der Firma aus Terpe arbeiten auf dem Gelände der Kirche. FOTO: wr
Spremberg. Auch an Gotteshäusern hinterlässt die Zeit ihre Spuren: Eine Fachfirma saniert derzeit das Gelände der katholischen Kirche St. Benno in Spremberg. Da sie dicht an der Spree liegt, dringt immer wieder Nässe in die Mauern ein. René Wappler

Zwei Jahre lang mussten die Besucher der Kirche an der Bergstraße auf einem provisorischen Gerüst über einen kleinen Graben gehen, wenn sie das Gebäude betreten wollten. Im Vorraum bröckelte der Putz von der Wand, und der Kirchenvorstand ahnte, dass eine Sanierung unumgänglich sein würde.

Genau das passiert nun. "Das Dach wurde ja bereits im Jahr 2015 repariert", sagt Pfarrer Daniel Laske. "Wir freuen uns darüber, dass es weiter geht: Endlich haben wir einen barrierefreien Eingang, und der Vorplatz bekommt eine ansprechende Gestaltung."

Um die Bauarbeiten kümmern sich die Mitarbeiter der Firma Klammer und Pech aus Terpe. Einem Kunstwerk gleicht ihr Job: So legen sie Pflastersteine an der Kirchenmauer ab, um sie dann mit Feingefühl passgerecht wie schwere Puzzlestücke in den Weg einzusetzen.

Auf einen "niedrigen fünfstelligen Betrag" belaufen sich die Kosten für das Projekt, wie Pfarrer Daniel Laske anmerkt. Der Vorraum ist verputzt und neu gestrichen. Schon jetzt trägt sich die Gemeinde mit weiteren Plänen. Sie hegt die Absicht, den Innenraum der Kirche zu sanieren - insofern es sich finanzieren lässt. Auch die Heizkörper haben eine Reparatur nötig, und der Fußboden müsste erneuert werden. Auf diese Weise schreiten die Arbeiten langsam, aber stetig voran, nach und nach, in überschaubaren Abschnitten. Das Bistum steuert den Hauptanteil des Geldes bei. Mitglieder der Gemeinde unterstützen die Sanierung ebenfalls mit ihren Spenden.

Im Jahr 1887 wurde die Kirche an der Bergstraße eingeweiht. Schon bald überschwemmte die Spree erstmals das Gelände, und noch Jahrzehnte später drang immer wieder das Hochwasser vor: So existieren nach den Worten des Pfarrers Berichte über Kähne, die auf der überfluteten Straße schwammen.

"Man kriegt so eine alte Kirche vermutlich nicht so trocken wie ein modernes Einfamilienhaus", sagt der Pfarrer. "Aber wenn wir nichts unternehmen würden, könnte die Feuchtigkeit auch unserer kostbaren Orgel schaden."

Dabei sah sich die katholische Gemeinde in Spremberg schon mit dramatischeren Ereignissen konfrontiert. Rudolf Schulze vom Kirchenvorstand pflegt die Chronik der Pfarrei. Daraus geht hervor, dass sie im Jahr 1941 nach der offiziellen Auflösung des Religionsunterrichts an den Schulen hartnäckigen Verhören durch die Geheime Staatspolizei des Nazi-Regimes unterzogen wurde. Im Jahr 1949 überfiel ein sowjetischer Offizier laut der Chronik die Seelsorgehelferin Ingeborg Staschick, die daraufhin ihren Dienst aufgeben musste. Zu DDR-Zeiten folgten erneut Verhöre, dieses Mal durch die Polizei und die Staatssicherheit: Die Kirche galt stets als gefürchteter Gegenpol zur kommunistischen Diktatur. Nach dem Zusammenbruch der DDR zogen Gemeindemitglieder im Zuge der ersten demokratischen Kommunalwahlen des Jahres 1990 in den Kreistag und das Spremberger Stadtparlament ein.

So birgt das Gotteshaus auch politische Geschichte. Ganz werden die Spuren der Zeit also nie aus den Mauern der Kirche verschwinden.