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| 19:00 Uhr

Spremberg
Pfarrerin Sabine Ernst geht

Pfarrer Wolfgang Selchow war am Sonntag in die Groß Döbberner Kirche geeilt, um sich von Pfarrerin Sabine Ernst zu verabschieden.
Pfarrer Wolfgang Selchow war am Sonntag in die Groß Döbberner Kirche geeilt, um sich von Pfarrerin Sabine Ernst zu verabschieden. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg/Groß Döbbern. Gemeinde Klein Döbbern und auch Spremberger bedauern Weggang der jungen Theologin.

Immer wieder müssen Stühle in der Michaelkirche aufgestellt werden. Der Chor rückt zusammen. Die Gesangbücher werden knapp. Einigen Besuchern bleibt nur noch ein Stehplatz. Die Glocken verstummen, der Spremberger Gospelchor beginnt, der Kirchenchor übernimmt. Es folgen: Lesung aus dem Matthäus-Evangelium, Glaubensbekenntnis, Predigt, Kollektensammlung, Fürbitte, Vaterunser, Segen. Vom Ablauf her ein Gottesdienst wie immer. Doch die Anspannung im Kirchenraum ist groß: Pfarrerin Sabine Ernst verabschiedet sich nach ihren zwei Jahren Entsendezeit.

Es sind nicht nur Mitglieder der Michaelkirchgemeinde gekommen. Auch Christen weiterer Kirchgemeinden sind da, wollen Sabine Ernst nicht ohne ein paar nette Worte ziehen lassen. Andreas Heydrich, Prediger des Landeskirchlichen Gemeinschaft, dankt für die gemeinsamen Veranstaltungen und schenkt ihr eine Kaffeetasse, die alle seine Mitarbeiter bekommen. Sie signalisiert, dass jeder Einzelne wichtig ist im Team. Brigitte Kröger von der Auferstehungsgemeinde lobt sie als gute Theologin, als besonders herzlichen und fröhlichen Menschen. Es gibt Tränen, Umarmungen, langes Händedrücken.

Auch eine Stunde später in der Kirche in Groß Döbbern rollen Tränen. Zum kleinen Empfang nach dem Gottesdienst bleiben fast alle. „Wir hätten Pfarrerin Ernst gerne behalten“, sagt Volkmar Wank, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates Klein Döbbern. „Wir haben alle für sie gestimmt.“ Aber seine Gemeinde mit den Kirchen in Groß Oßnig, Klein und Groß Döbbern sei der Michaelkirche nur angegliedert. Die Hauptentscheidung treffe deshalb der Gemeindekirchenrat der Michaelkirche. Und bei dessen Abstimmung hatte es nicht für Pfarrerin Ernst gereicht.

Sabine Ernst stammt aus Berlin. Dort hat sie Theologie studiert und noch während des Studiums beschlossen, in die Gemeinde gehen zu wollen, Pfarrerin zu werden. Im September 2016 wurde sie feierlich in den evangelischen Kirchendienst aufgenommen – bei der Ordination mit zwei weiteren jungen Frauen und zwei Männern in der Sankt-Nikolai-Kirche in Luckau. Die Fußstapfen, in die sie zum Start ihrer Entsendezeit in der Michaelkirche in Spremberg trat, waren groß: Pfarrer Johann-Jakob Werdin, der die Gemeinde über Jahrzehnte betreute, hatte so viel für diese Gemeinde in der DDR, während der Wende und auch danach bewegt, dass es unmöglich ist, ihn zu ersetzen. Sollte also eine ganz junge Pfarrerin die Chance bekommen – in der Hoffnung, dass eine gestandene Gemeinde Verständnis hat, wenn anfangs Fehler passieren?

Sabine Ernst ist eine Meisterin der Gleichnisse. Thema der Lesung aus dem Matthäus-Evangelium und ihrer Predigt war die Bibelgeschichte, in der Jesus übers Wasser geht und auch Petrus vom Boot der Jünger aus zu ihm übers Wasser will. Petrus beginnt übers Wasser zu gehen. Doch dann bringt ihn ein Sturm ins Wanken. Er droht zu ertrinken. Mit so einem plötzlichen Sturm vergleicht die junge Pfarrerin ihre Erfahrungen in Spremberg. Sie beschreibt, wie sie sich im falschen Boot glaubt, das Vertrauen verliert, keinen Ausweg mehr sieht.

Sie wird nun in die Prignitz gehen. Vielerorts werden Pfarrer gesucht. „Wer weiß, ob unsere Stelle wieder besetzt werden kann“, so Volkmar Wank. Aber ausgeschrieben wird sie, das verspricht Pfarrer Christoph Otto in Vertretung von  Superintendent Michael Moogk.