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| 16:39 Uhr

Investition von 370 Millionen Euro in Spremberg
Papierfabrik setzt auf wachsendenVersandhandel

Die bestehende Papiermaschine im Industriepark produziert täglich 888 Tonnen Material bei einer Betriebsgeschwindigkeit von 1200 Metern pro Minute.
Die bestehende Papiermaschine im Industriepark produziert täglich 888 Tonnen Material bei einer Betriebsgeschwindigkeit von 1200 Metern pro Minute. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Spremberg. Unternehmen lädt in Schwarze Pumpe zum ersten Spatenstich für sein ehrgeiziges Projekt.

Der Stolz ist ihm anzusehen. Geschäftsführer Harald Ganster blickt in die Menge der Menschen, die an den Tischen im weißen Zelt Platz genommen haben. „Ich hatte das Privileg, einst den Standort in Spremberg auszusuchen“, sagt er. Im Jahr 2005 eröffnete deshalb im Industriepark Schwarze Pumpe die erste Papiermaschine. Nun folgt eine zweite Anlage dieser Art. Als „logische Konsequenz unserer Produktstrategie und unseres Wachstumskurses bis zum Jahr 2030“ bezeichnet Harald Ganster den Bau der neuen Maschine.

Ein finanzieller Einsatz von 370 Millionen Euro verknüpft sich mit dem Projekt. Deshalb spricht die Abteilungsleiterin für Mittelstandspolitik im Bundeswirtschaftsministerium von „einer der größten Investitionen in der Region“. Sabine Hepperle vertritt beim Spatenstich in Schwarze Pumpe den CDU-Minister Peter Altmaier. Er kümmert sich derweil in Berlin um den Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit, der dem Osten der Republik auch nach 28 Jahren noch eine niedrigere Wirtschaftskraft zuschreibt.

So lassen sich die Worte von Sabine Hepperle vor dem Publikum in Schwarze Pumpe auch als Kommentar zum Bericht interpretieren. „Sichere Arbeitsplätze entstehen hier“, sagt sie. „Spremberg wird als wichtiger Standort für die Papierindustrie gestärkt.“ Schließlich erfahre gerade der Versandhandel  ein enormes Wachstum, von dem dieser Wirtschaftszweig profitiere. Die Abteilungsleiterin des Ministeriums spricht von einem „Vertrauensbeweis für die Region“. Ein Unternehmen wie die Hamburger Rieger GmbH könne „neue Perspektiven aufzeigen“, erklärt Sabine Hepperle. „Wir werden die Lausitz weiter tatkräftig unterstützen.“

Zu den Gästen des Spatenstichs zählt auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze. Er arbeitete einst als Dezernent beim Spree-Neiße-Kreis, und er scheint seine Terminpläne aus jener Zeit bis heute aufgehoben zu haben. Denn er berichtet, dass er am 28. August 2000 vom damaligen SPD-Landrat Dieter Friese erfuhr, es gäbe Investoren, die eine Papierfabrik in Schwarze Pumpe errichten wollen. Drei Jahre später folgte die Grundsteinlegung, im Jahr 2005 schließlich die Inbetriebnahme. Dazu merkt Klaus-Peter Schulze an: „Der eine oder andere Flughafenplaner sollte sich ein Beispiel nehmen.“ Als Abgeordneter arbeitet er im Umweltausschuss des Bundestages mit, was ihn zu der Frage verleitet: „Warum benötigen wir so viele Verpackungen?“ Die Antwort gibt er gleich selbst. Das Einkaufsverhalten der Verbraucher verlange nun einmal danach. Die Zahl der verschickten Päckchen in Deutschland habe sich in den Jahren 2012 bis 2017 verdoppelt. Für das Jahr 2021 rechnen Fachleute nach seinen Worten mit ungefähr fünf Milliarden Päckchen, die per Post den Weg durch die Bundesrepublik nehmen. „Deshalb brauchen wir die neue Papiermaschine“, sagt Klaus-Peter Schulze. „Der Trend wird leider auch Einfluss auf die Innenstädte nehmen, wo Händler dem Kostendruck nicht mehr begegnen können.“

Seit einer Woche ist der neue Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg im Amt. Somit gilt der Besuch im Industriepark als einer der ersten Termine von Jörg Steinbach, der bislang keiner Partei angehört. „Der Bedarf an Wellpappe wächst durch Firmen wie Amazon und Zalando“, sagt er. „Hier werden rund 200 Mitarbeiter in einem Sektor eingestellt, der nicht von der Braunkohle abhängig ist.“ Das Beispiel zeige, dass sich die Lausitz „längst mitten in der Entwicklung neuer Strukturen“ befinde.

 Die Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) spricht von „Unternehmern, wie wir sie vielleicht zu wenig kennengelernt haben in dieser Region“. Zwar verfolgten sie knallharte wirtschaftliche Interessen. Zugleich sei es ihnen jedoch gelungen, ein „Bestandteil der Stadt Spremberg und der Gemeinde Spreetal zu werden“, sagt die Bürgermeisterin. „Gute Beispiele sind durch nichts zu toppen.“

Sie nahmen den ersten Spatenstich vor: Werner Ofenböck, Cord Prinzhorn, Christine Herntier, Arno Liendl, Jörg Steinbach, Sabine Hepperle, Klaus-Peter Schulze und Uwe Amann (von links).
Sie nahmen den ersten Spatenstich vor: Werner Ofenböck, Cord Prinzhorn, Christine Herntier, Arno Liendl, Jörg Steinbach, Sabine Hepperle, Klaus-Peter Schulze und Uwe Amann (von links). FOTO: LR / René Wappler