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Papierfabrik setzt auf neues Patent

Die Papierfabrik in Spremberg soll mit der Investition in eine zweite Maschine ihre Kapazitäten erheblich erweitern.
Die Papierfabrik in Spremberg soll mit der Investition in eine zweite Maschine ihre Kapazitäten erheblich erweitern. FOTO: dpa
Spremberg. Mithilfe eines weltweit einmaligen Patents will die Prinzhorn-Gruppe im Industriepark Schwarze Pumpe eine neue Papiermaschine errichten. Das langfristige Ziel lautet, jährlich 493 000 Tonnen Papier zu fertigen. René Wappler

Wenn die Mitarbeiter der Spremberger Papierfabrik im Supermarkt einkaufen, schauen sie oft eher auf die Verpackungen als auf den Inhalt der Waren. Das bekennt der Geschäftsführer der Hamburger Rieger GmbH, zu der die Papierfabrik in Schwarze Pumpe gehört. Vom Sechser-Karton Bier bis zur Verpackung für neue Technik: Die Produkte der Firma finden sich überall in den Regalen wieder.

Trotzdem spricht Geschäftsführer Andreas Noss von einem "extremen Umbruch" in seiner Branche, befeuert durch digitale Innovationen: Der Internethandel führe zu kleineren Kartons und größerer Stückzahl vertriebener Produkte. "Jeder einzelne Datenträger wird heutzutage in einer eigenen Verpackung zu Ihnen nach Hause geliefert", erklärt der Unternehmer den Gästen der Papierfabrik. "Für uns ist das zunächst gar kein Nachteil." Allerdings schrumpft nach seinen Worten zugleich der Umfang des Altpapiers, das die Fabrik als Rohstoff benötigt: Darum hat die Prinzhorn-Gruppe ein Patent angemeldet, mit dessen Hilfe sie diese Rohstoffe ressourcenschonender aufbereiten kann.

Dieses Patent gilt wiederum als ein Grund dafür, dass die Kommission der Europäischen Union dem Konzern eine Beihilfe von 34 Millionen Euro für den geplanten Bau der neuen Papiermaschine bewilligt. Damit rückt das Ziel des Unternehmens näher, mit einer Investition von 370 Millionen Euro 200 neue Arbeitsplätze in Schwarze Pumpe zu schaffen.

Bis dies passiert, können allerdings noch Jahre ins Land gehen. Denn zuvor ist noch ein Genehmigungsverfahren für diese Anlage nötig. Geschäftsführer Andreas Noss räumt selbst ein: "Das Projekt befindet sich noch in einer frühen Phase."

Das Unternehmen im sächsisch-brandenburgischen Industriepark Schwarze Pumpe hat einen "deutlichen Anteil" daran, dass sich das Land Brandenburg zu einem wichtigen Produktionsstandort für Papier entwickelt: Das erklärt der brandenburgische Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) bei seinem Besuch in Spremberg. Der Plan für die zweite Papiermaschine belege die Stärke der Lausitz als Industrieregion. Neben den geplanten neuen Jobs sichere die beabsichtigte Investition die bestehenden 280 Arbeitsstellen in der Papierfabrik. "Deswegen unterstützen wir als Landesregierung dieses Vorhaben." Zwar sei die neue Investition noch nicht beschlossen, aber sie rücke nun in greifbare Nähe. Albrecht Gerber bezeichnet die Energieindustrie als "eine tragende Säule unseres Wohlstandes, die zugleich für gut bezahlte Arbeitsplätze sorgt".

Die Firma Hamburger Rieger produziert an drei Standorten in Deutschland Wellpappe-Rohpapier. In Spremberg befindet sich mit 256 Mitarbeitern die größte dieser Niederlassungen - neben Trostberg mit 204 und Gelsenkirchen mit 161 Angestellten. Die übergeordnete Prinzhorn-Gruppe mit Hauptsitz in Wien hat sich mit ihren Firmen inzwischen in 15 Ländern angesiedelt. Andreas Noss erklärt dazu: "Unser Fokus liegt weniger auf den saturierten westlichen Märkten, sondern eher in den neuen europäischen Staaten."

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Die Prinzhorn-Gruppe hat nach eigenen Angaben in denn vergangenen Jahren 407 Millionen Euro in Schwarze Pumpe investiert. Somit seien 500 direkte Arbeitsplätze entstanden - in der Papierfabrik, dem Kraftwerk der Spreerecycling GmbH und Co. KG und der Dunapack Spremberg GmbH & Co. KG.