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| 17:06 Uhr

Ungünstige Öffnungszeiten
Paket-Frust plagt Spremberg

Spremberg. Drei Monate nach dem Ende der Filiale der Deutschen Post bleibt vor allem Ärger zurück. René Wappler

Das Ende der Postfiliale an der Langen Straße in Spremberg beschäftigt die früheren Kunden mehr denn je. Denn nun erfahren sie im Alltag, welche Probleme damit einhergehen. Die alternativen Angebote in der Stadt füllen die Lücke eher schlecht und recht: Zu den Einwohnern, die nach den ersten drei Monaten dieses enttäuschte Fazit ziehen, zählt die 72-jährige Roswita Müller, die regelmäßig Pakete bestellt und nun deutlich mehr Zeit als früher aufwenden muss, um sie auch wirklich zu empfangen.

Am Freitag der vergangenen Woche steckte wieder mal ein Zettel im Briefkasten von Roswita Müller, als sie heimkam: Leider habe der Postbote sie nicht zu Hause angetroffen, also werde ihre Lieferung an die Paketstation zugestellt.

„Zum Glück habe ich da gesehen, wie das Postauto losgefahren ist“, berichtet sie. „Also bin ich hinterhergelaufen und konnte es gerade noch so einholen.“ So bekam sie das Paket, ohne sich noch einmal am nächsten Tag auf den Weg zur Station zu begeben. Doch so ein Erlebnis ist inzwischen eher die Ausnahme, wie sie sagt – und seit dem Ende der Hauptpost in Spremberg gestaltet sich der Empfang der Pakete für sie komplizierter als früher.

„Dabei habe ich ja als Rentnerin mittlerweile mehr Zeit“, sagt Roswita Müller. „Wenn ich erst an die vielen Leute denke, die um 16 Uhr Feierabend haben oder gar für einen Spätdienst eingeteilt sind – für die sieht es ja noch schlimmer aus.“

So beklagt die Sprembergerin, dass die Paketabholung in der Nähe der Kaufland-Tankstelle montags bis freitags von 14 Uhr bis 16 Uhr und samstags von 9 Uhr bis 11 Uhr öffnet: Wer berufstätig ist, hat demnach wochentags kaum eine Chance, sein Paket selbst dort in Empfang zu nehmen. Allerdings belässt es Roswita Müller nicht bei ihrer Kritik, sondern sie unterbreitet einen Vorschlag: „In Spremberg stehen einige Geschäfte leer, in denen man eine Paketabholung einrichten könnte.“ Darüber hinaus würden sich nach ihren Worten die Muskauer Straße und der Supermarkt-Parkplatz an der Heinrichstraße als Standorte für Packstationen eignen.

Noch trägt sich die Deutsche Post mit dem Plan, eine neue Partnerfiliale im Spremberger Einzelhandel einzurichten: Das erklärt Tim Rehkopf von der Pressestelle der Postbank, die ihre Filiale im Gebäude an der Langen Straße im August ebenfalls aufgab. Er räumt ein: Die Postbank habe sich inzwischen entschieden, keine neue eigene Filiale mehr in Spremberg zu eröffnen, da sich dies nicht lohne. „Die damit verbundenen hohen Investitionskosten in einen neuen Standort in der Stadt würden eine nachhaltig wirtschaftliche Nutzung nicht möglich machen“, erläutert der Pressesprecher.

Ähnlich hatte das Unternehmen bereits im Jahr 2010 das Ende der Postbank in der Nachbarstadt Weißwasser begründet: Die Nachfrage der Kunden sei drastisch gesunken. Sie nutzten eher die Chance, ihre Bankgeschäfte zu Hause über das Internet oder bei Bedarf telefonisch zu regeln: Eine gründliche Analyse habe zu diesem Ergebnis geführt.

Wie damals in Weißwasser weisen die Mitarbeiter der Postbank darauf hin, dass die Kunden auch in Spremberg „in unmittelbarer Nähe“ der früheren Filiale die Automaten weiterer Geldinstitute nutzen können, am Markt und in der Dresdener Straße. Außerdem biete eine Partnerfiliale der Deutschen Post in der Bergmannstraße Dienstleistungen der Postbank an.

Mit den Vertretern der Deutschen Post spricht unterdessen auch die Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) über Alternativen zum bisherigen Standort an der Langen Straße. Im September schrieb sie deshalb einen Brief an Landrat Harald Altekrüger (CDU), und vor den Mitgliedern des städtischen Hauptausschusses erklärte sie: „Wo man geht und steht, erlebe ich, dass die Leute in Spremberg stark verärgert sind.“

Insofern fühlt sich die Rentnerin Roswita Müller mit ihrem Frust immerhin nicht allein. Sie arbeitete selbst 20 Jahre lang als Filialleiterin einer Drogerie. „Ich glaube, dass ich weiß, wie vernünftiger Kundenservice aussieht.“

Dabei liegt der nächste Standort einer Postfiliale im Spree-Neiße-Kreis schon jetzt für ein Drittel der Menschen über 67 Jahren so weit entfernt von ihrer Wohnung, dass sie ihn nicht zu Fuß erreichen: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Infrastruktur- und Gesundheitsfragen. Im Vergleich zu anderen Regionen weise der Spree-Neiße-Kreis zwar noch ein relativ dichtes Netz an Postfilialen und Paketshops auf. Doch der Einwohnerschwund führe langfristig zu einem reduzierten Angebot.