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| 18:05 Uhr

Streit um Geld
Dorf protestiert gegen Stadt

Die Ortsbeiräte haben am Dienstagabend im Bürgerhaus getagt.
Die Ortsbeiräte haben am Dienstagabend im Bürgerhaus getagt. FOTO: René Wappler / LR
Spremberg . Dieter Freißler aus Terpe sieht Ortsteile von Spremberg systematisch im Nachteil.

Irgendwann reicht es Dieter Freißler. Gemeinsam mit anderen Ortsbeiräten sitzt der Mann aus Terpe am Dienstagabend im Ratssaal des Spremberger Bürgerhauses. Über Geld sprechen sie mit Kämmerin Cornelia Koch. Darüber, wo die Stadt in den nächsten Jahren investieren wird.

Nach einer Stunde ruft Dieter Freißler: „Wir lassen uns nicht mehr länger vorführen.“ Er rechnet laut. Zehn Millionen Euro wird der Neubau der Schwimmhalle kosten. 1,5 Millionen Euro plant der Haushalt für das Bürgerhaus ein, das saniert werden soll. „Ich höre immer vom Stadtumbau“, sagt Dieter Freißler. „Wer redet denn mal vom Landumbau?“ Für das Familienhaus in Terpe gebe es kein Geld, für die Loge in Spremberg hingegen schon. Darin steckt System, wie der Ortsvorsteher annimmt. Die Innenstadt erhalte den Vorzug, während die Dörfer fast leer ausgingen. „Ich habe null Verständnis“, merkt er an.

Kämmerin Cornelia Koch weist darauf hin, dass es ja Kritik an der Investition für die Loge gab. Benny Stobinski von der Nächsten Generation hatte sich im Januar verwundert geäußert. „Die leerstehende Loge für eine halbe Million Euro zu kaufen und herzurichten, geht eigentlich gar nicht“, sagte er. „Ich will nur vermeiden, dass wir im Februar  die Geschichte mit dem Stadtumbau nicht rund kriegen.“

Den Mitarbeitern des Rathauses liegt eine Liste vor. Auf ihr haben die Ortsbeiräte ihre Wünsche vermerkt. 68 Millionen Euro würde der gesamte Bedarf kosten, samt der Spremberger Innenstadt. Über eine Million Euro plant der Haushalt für die Feuerwehren ein. Mehr als drei Millionen Euro sieht er für Kindergärten und Schulen vor.

Die Kämmerin sagt: „Ich denke, die Investitionen für Spremberg und die Ortsteile sind eine große Hausnummer.“ Dabei müsse die Stadt knallhart kalkulieren. Die steigende Abgabe an den Kreis übersteige ihre Finanzkraft. Erst im Jahr 2021 könne Spremberg mit einem kleinen Überschuss im Haushalt rechnen. 850 591 Euro werde er betragen.

„Am Ende ist es wie bei Ihnen und mir zu Hause“, erklärt Cornelia Koch im Gespräch mit den Ortsbeiräten. „Man kann nur so viel Geld ausgeben, wie man hat.“ Sonst bekäme man ein Problem.

Bei den Ausgaben hakt der Ortsbeirat aus Weskow nach. Ingo Miersch zeigt Interesse daran, dass die Brücke in Wilhelmsthal ebenso wie die Bahnbrücke in Groß Luja saniert wird. Er bezieht sich auf die Studie, die ermitteln soll, ob sich das lohnt. „Was passiert denn, wenn herauskommt, dass die Brücken abgerissen werden müssen?“

Für die Stadt gibt es bei beiden Brücken nur zwei Optionen: Sanierung oder Neubau. Das betont die Kämmerin. Ein Abriss sei nicht vorgesehen.

Der Ortsbeirat aus Trattendorf fragt, ob für einen Kauf des Spremberger Bahnhofes Geld einzuplanen ist. Schließlich wolle die Deutsche Bahn eine große Zahl dieser Gebäude an die Kommunen veräußern.

Die Stadt Spremberg interessierte sich einst für den Bahnhof, wie die Kämmerin erläutert. Der Kauf scheiterte an einem „viel zu hohen Preis“. Nun sei ohnehin offen, wie sich das Gebäude vernünftig nutzen lasse.

Am Tag darauf, dem Mittwoch, beraten die Stadtverordneten im gleichen Saal des Bürgerhauses. Dabei betont die parteilose Bürgermeisterin Christine Herntier: „Unsere Ortsteile sind uns sehr wichtig.“ Ab diesem Jahr werde sie die Ortsbeiräte von Spremberg besuchen. Den Auftakt bilden Trattendorf und Türkendorf am 6. März. In Cantdorf sei ein Bürgerforum geplant. Es werde sich der Qualität der Spree und dem Schutz vor Hochwasser widmen.

Zu den Zuschauern im Ratssaal gehört Dieter Freißler aus Terpe. Als Termin für einen Besuch in seinem Dorf nennt Christine Herntier den 20. März. So lange will er nicht warten, um erneut seinen Ärger zu zeigen. In der Fragestunde tritt er an das Mikrofon. „Zehn Jahre bin ich jetzt Ortsvorsteher. Seitdem sind nur 600 000 Euro von der Stadt nach Terpe geflossen.“ Wieder nennt er das Familienhaus als Beispiel. Für die Spremberger Loge werde Geld ausgegeben. In Terpe hingegen bewege sich nichts.

Bürgermeisterin Christine Herntier antwortet: „Wir fordern immer Mittel für die gesamte Stadt.“ Momentan sei aber Fördergeld für Projekte im Zentrum in Aussicht. Das Familienhaus in Terpe werde nicht vergessen. Dafür seien jedoch andere Ideen nötig. Dann lasse es sich ebenso fördern. „Wir investieren in den Ortsteilen“, sagt Christine Herntier. „Trotz miserabler Haushaltslage.“

Dieter Freißler nimmt ihre Worte zur Kenntnis.