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| 13:24 Uhr

Neue Anlaufstelle für Tüftler
Eine Spielwiese der Technik

 Kai Kretschmer (vorn) und Phillipp Snelinski warten auf die Namensschilder, die der 3D-Drucker Schicht für Schicht entstehen lässt.
Kai Kretschmer (vorn) und Phillipp Snelinski warten auf die Namensschilder, die der 3D-Drucker Schicht für Schicht entstehen lässt. FOTO: LR / Marcel Laggai
Spremberg. Der erste Schautag einer offenen Werkstatt hat in Spremberg für regen Andrang gesorgt. Die Organisatoren haben das Ziel erreicht: Kinder und Jugendliche lassen sich für Technik begeistern. Von Marcel Laggai

Hier wird gebohrt, dort rattert ein Drucker und über allem liegt kindliches Stimmengewirr. Wer dieser Tage im City-Center Spremberg unterwegs war, kam schwerlich umhin, das Gewusel aus dem Kellergeschoss zu ignorieren. Denn die Offene Werkstatt des Albert Schweizer Familienwerks (ASF) Brandenburg hatte zum ersten Schautag geladen. „Wir haben hier mehrere Stationen aufgebaut, an denen sich nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrer und Eltern informieren und auch ausprobieren können“, sagt Frank Jannack, der als Leiter der Werkstatt von einer Station zur nächsten „springt“ und den Kindern der Grundschule Kollerberg alles erklärt.

Lehrerin Peggy Koinzer und insgesamt 17 ihrer Schützlinge sind der Einladung Jannacks gefolgt und lassen sich bereitwillig durch die Räume führen. Koinzer selbst hatte erst am 10. Januar von dem Projekt erfahren, war aber sofort Feuer und Flamme. „Mein Schwerpunkt ist die Naturwissenschaft, aber hier können sich die Schüler weiteres Rüstzeug für die Zukunft aneignen“, so die Lehrerin. Schließlich sei der MINT-Bereich in aller Munde, heißt es weiter. Damit sind speziell die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gemeint, deren Initialen das Wort MINT ergeben. Auch der Wirtschaftsförderer ASG Spremberg hat sich dieses Thema auf die Fahnen geschrieben und plant in Zusammenarbeit mit dem ASF und weiteren Partnern gar eine MINT-Allianz in der Spree-Neiße-Region auf die Beine zu stellen (die RUNDSCHAU berichtete).

In Sachen Informatik zeigt Jannack den Schülern auch das Programmieren von Spielen, simplen Computern und kleinen Robotern. Auch Kai Kretschmer und Phillipp Snelinski haben an diesem Tag den Weg in die Räume der Werkstatt gefunden. Beide, selbst kleine Technikfreaks, sind heilfroh über dieses Angebot. „Daheim habe ich keine richtige Möglichkeit zum Basteln, was ich hier natürlich sehr gern mache“, beteuert Kretschmer, während er an einem offenen Computer herumschraubt und versucht den Kühler auszubauen. Vor den Augen von Snelinski und Jannack gibt es immer wieder kleine Hinweise, wie man es besser oder leichter machen könnte, während der 13-Jährige seine Augen verdreht und doch umsetzt, wie ihm geheißen. Mit dabei ist ebenfalls Kais Mutter, die offen gesteht: „Ich bin richtig froh über dieses Angebot. So stellt er wenigstens keinen Blödsinn an.“ Derweil Kai immer mehr Einzelteile des Computers demontiert und zutage befördert, wird an anderer Stelle die Funktionsweise eines 3D-Druckers gezeigt.

Das übernimmt Volkmar Kantor, einer von insgesamt sieben Leuten, die regelmäßig in der Werkstatt zu finden sind. „Hilfe zur Selbsthilfe lautet unser Motto, und das versuchen wir den Kindern hier zu vermitteln“, so der hauptberufliche Programmierer. Das sei schließlich kein Hexenwerk und mit fachkundiger Unterstützung geradezu ein Kinderspiel, fügt Kantor hinzu, während der 3D-Drucker Schicht für Schicht und ratternd ein Namensschild druckt. Dieses wurde zuvor mittels Programm gestaltet und nimmt nun allmählich Form.

An anderer Stelle wird mithilfe eines Bohrhammers die Beschaffenheit etwa von Backsteinen oder Beton geprüft, was den Kindern vielfach ein angestrengtes, aber glückliches Lächeln abringt.

„Sehr gute Arbeit“, heißt es da mehrfach von Udo Fiebinger, der sich in der geräumigen und gut ausgestatteten Fahrradwerkstatt engagiert. „Hier bringen wir den Kindern bei, ihre Fahrräder selber zu reparieren“, so der Ehrenamtler. Was man früher wie selbstverständlich nebenbei erlernt habe, müsse man den Kindern heutzutage erst beibringen, heißt es weiter. „Die Kinder müssen einfach wieder für das ‚Handwerk’ sensibilisiert werden und nicht ständig vorm Computer hängen und daddeln.“ Und genau dafür sei die Offene Werkstatt die richtige Spielwiese, ergänzt Jannack mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Auch wenn die Räume bereits im September betrieben werden, ist das Programm noch ausbaufähig. „Es ist hier alles noch im Entstehen und sicherlich noch nicht perfekt, aber an Ideen mangelt es uns wirklich nicht“, sagt der Leiter und Tüftler fast schon entschuldigend, aber mit voller Zuversicht in seinem Blick.