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| 19:18 Uhr

Offene Werkstatt
Die Werkstatt für alle Spremberger

Frank Jannack zeigt Oliver Wartenberg in der Freien Werkstatt Spremberg, wie man eine Sicherheitsanlage für die Wohnung selbst basteln kann.
Frank Jannack zeigt Oliver Wartenberg in der Freien Werkstatt Spremberg, wie man eine Sicherheitsanlage für die Wohnung selbst basteln kann. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Im Keller des City-Centers wird getüftelt, gebastelt und Hilfe zur Selbsthilfe gegeben. Von Annett Igel-Allzeit
Annett Igel-Allzeit

Die Lampe ist klein, ihr Licht aber stark. Mit zusammengekniffenen Augen hocken Frank Jannack und Oliver Wartenberg vor winzigen Elektrobauteilen. Die Sicherheitsanlage einer Wohnung könnte „Raspberry Pi“, der Mini-Computer, steuern, erklärt Frank Jannack. Aber eigentlich wollte er Oliver Wartenberg überreden, die Siebdruck- und Grafik-Strecke in Sprembergs Offener Werkstatt zu übernehmen.

Der Verbund Offener Werkstätten hat auf seiner Deutschlandkarte Anlaufstellen in allen Bundesländern. In Großstädten wie Hamburg und Berlin überlagern sich die roten Punkte. Die Werkstätten werben damit, dass sie öffentliche Räume beleben, handwerkliches Arbeiten fördern, Kontakt zu Schulen halten, Chancengleichheit sichern, einen nachhaltigen Lebensstil fördern, glücklich machen. Und sie werben für die Kampagne: „Fordert mit uns das Recht auf Reparatur!“

Ein Punkt auf dieser Werkstatt-Karte zu sein, darum ringt seit einem Jahr eine Spremberger Gruppe von Tüftlern und Bastlern. Beim ersten Treffen sahen sie, was ein 3D-Drucker alles kann. Eine neongrüne Spielzeug-Lok erinnert noch an diesen Abend. Sie haben mit Sprembergs Wirtschaftsförderer ASG, Bürgermeisterin Christine Herntier und mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Schulze gesprochen, Vereine und Unternehmen kontaktiert. Sie besuchten ähnliche Werkstätten in Weißwasser und Chemnitz, die „Maker Faire“, Festival für Inspiration, Kreativität und Innovation in Berlin.

Bei jedem Treffen werden die Bau- und Bastelideen, die Hilfe zur Selbsthilfe mehr. „Eine weitere Holzwerkstatt, in der Vogelhäuser gebaut werden, brauchen wir nicht. Aber vielleicht treffen sich hier Jugendliche, um ihre persönliche Handyschale zu entwickeln. Oder Frauen, um eine Kochkiste zu bauen. Wir helfen Rentnern, ihren alten Rechner soweit flott zu machen, dass sie Briefe schreiben und ins Internet gehen können.“ Über Fotografie wird nachgedacht, lustige Wandgestaltung, Lampenschirme, eine Näh-Ecke. „Denn irgendwas“, so Frank Jannack, „machen wir als Eltern falsch, wenn unserer Kinder kein Regal anbohren, keinen platten Fahrradreifen reparieren können.“  

 Am 12. September haben sie die Schlüssel für 70 Quadratmeter im Keller des City-Centers am Spremberger Markt übergeben bekommen. Die Stadtwerke steuern Strom bei. Das Albert-Schweitzer-Familienwerk nimmt die Offene Werkstatt unter ihre Fittiche. Möbel, erste Werkzeuge und Rechner wurden gesponsert. Die Fenster haben sie schon geputzt. Malerarbeiten beginnen.

Gemeinsam reparieren, konstruieren, ausprobieren, programmieren: Das sei auch Praxis für die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik, die begeistern soll. So sehr, dass die Jugendlichen beruflich oder im Studium mehr diese Richtungen wählen. Fördermittel-Anträge hat Frank Jannack auch schon gestellt. Der Cantdorfer bringt Erfahrung mit. Er hat mit Schülern die Internetseite der Berufsorientierenden Oberschule gestaltet und Kinder auf die Robotertage vorbereitet. Aber nicht nur junge Leute sind willkommen. „Wir brauchen auch die Eltern, Großeltern, alle interessierten Bürger“, sagt Jannack, „die Werkstatt könnte verbinden, bündeln und zum Beispiel den Austausch unserer Modellbauer und Elektrotechniker fördern.“