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Diskussion über den Nahverkehrsplan
Jeder Dritte nutzt Bus und Bahn

Blick auf den Spremberger Busbahnhof: 53 Prozent der branchenangehörigen Unternehmen in Deutschland gehen davon aus, dass Senioren künftig als Passagiere noch wichtiger werden, als es ohnehin schon der Fall ist.
Blick auf den Spremberger Busbahnhof: 53 Prozent der branchenangehörigen Unternehmen in Deutschland gehen davon aus, dass Senioren künftig als Passagiere noch wichtiger werden, als es ohnehin schon der Fall ist. FOTO: René Wappler / LR
Spremberg. Öffentliche Verkehrsmittel bleiben relevant – in Spremberg wie in anderen Städten.

Nahezu täglich wundert sich Dieter Leopold aus Spremberg über Busse, die nur mit wenigen Passagieren an seinem Haus im Spremberger Stadtteil Trattendorf vorbeifahren. Bereits im Jahr 2016 fragte er sich, ob das Verkehrsunternehmen sich das leisten kann. Bis heute lässt ihm dieser Umstand keine Ruhe: „Es wäre doch günstiger, für diese Touren Kleinbusse einzusetzen“, sagt Dieter Leopold.

Grundsätzlich fahren zwar bereits Kleinbusse auf Strecken mit geringer Auslastung, wie die Pressestelle von DB Regio Bus Ost mitteilt. Doch die Zahl der Fahrgäste sei im Verlauf eines Tages „großen Schwankungen unterworfen“. Somit lohne sich der Einsatz eines Kleinbusses nur, wenn sich die Nachfrage stabil gering gestalte. Darüber hinaus komme es vor, dass die größeren Busse im Anschluss an eine Tour mit wenigen Passagieren weitere Strecken befahren, auf denen wieder mehr Leute einsteigen.

Mit den Fahrgastzahlen befasst sich auch der Nahverkehrsplan des Spree-Neiße-Kreises. Die Mitglieder des Kreistages werden im April über diesen Plan beraten, wie Pressesprecherin Silvia Friese berichtet. Derzeit gibt es im Spree-Neiße-Kreis mehr als 1000 Haltestellen und über 160 Fahrzeuge „in unterschiedlichen Größen“, die unter anderem im Schülerverkehr und bei „schwachen Verkehrsströmen“ eingesetzt werden. Das Angebot im Stadtverkehr bezeichnet der Plan als angemessen. An Schultagen werde inzwischen eine „sehr gute“ Abstimmung erreicht. An Ferientagen wirke sich hingegen das geringere Angebot im Regionalverkehr auch auf das innerstädtische Angebot in Spremberg und Forst aus.

Der Anteil der Beförderung von Schülern und Auszubildenden beträgt im Spree-Neiße-Kreis 56 Prozent des öffentlichen Nahverkehrs mit Bussen. Damit pegelt er sich nach Angaben des Planes im Vergleich zu anderen Landkreisen auf einem relativ geringen Niveau ein. Denn in vergleichbaren Regionen liegt er bei bis zu 70 Prozent.

Einen weitreichenderen Verkehrs­plan hat die Potsdamer Landesregierung für die nächsten Jahre vorgelegt. Demnach nutzen in Brandenburg nach wie vor besonders viele Menschen den Bus und die Bahn: Jeder dritte Einwohner fährt mindestens einmal in der Woche mit einem dieser Verkehrsmittel.

Der hohe Stellenwert des regionalen Busverkehrs spiegelt sich auch in der Spremberger Kommunalpolitik wider. Am Montagabend trafen sich die Mitglieder des Hauptausschusses im Ratssaal des Bürgerhauses. Dort erläuterte die Fachbereichsleiterin für Finanzen, Cornelia Koch, dass in Trattendorf und Groß Luja zwei barrierefreie Haltestellen eingerichtet werden sollen. Das Investitionsvolumen beträgt 28 000 Euro.

Christina Schönherr von den Vereinten Wählergruppen berief sich bei der Konferenz des Hauptausschusses auf die Aussage der Kreisverwaltung, die Städte Spremberg und Drebkau hätten keinen Investitionsbedarf bei der Barrierefreiheit angemeldet: „Was haben wir hier wirklich vorgeschlagen oder angemahnt?“, fragte sie die Mitarbeiter des Rathauses.

Der Fachbereichsleiter für Bauen und Wohnen, Gerd Schmiedel, bestätigte, er habe im Juli 2016 ein Schreiben erhalten, auf das er innerhalb weniger Tage antworten sollte. „Darin stand jedoch nicht, dass der Landkreis bis zum Jahr 2022 Barrierefreiheit erreichen will.“ Dieser Aspekt habe in dem Brief vielmehr überhaupt keine Rolle gespielt. „Sonst hätten wir natürlich anders reagiert.“

Auch im Streit um die Standorte der Spremberger Bäder spielte der Busverkehr im vergangenen Dezember eine gewichtige Rolle. Zwar merkte damals der CDU-Stadtverordnete Raik Nowka an, dass die meisten Besucher ohnehin mit einem eigenen Verkehrsmittel anreisen.

Ihm entgegnete Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos): So einfach sei das Problem des öffentlichen Nahverkehrs nicht „beiseite zu wischen“. Bei einem Besuch der Stadt Burgstädt habe sie bemerkt, dass die Busse dort im kurzen Abstand an der Schwimmhalle halten. Für eine neue Bus-Ringlinie sprach sich unterdessen Benny Stobinski von der Nächsten Generation aus.

Der Diskussionsbedarf äußerte sich ebenfalls bei einer RUNDSCHAU-Veranstaltung, die im November 2017 im Gemeindebüro von Wadelsdorf stattfand: Wie viele andere Menschen in den ländlichen Regionen von Spremberg ärgern sich die Einwohner über die Busverbindungen und Rufbusse. An den Schultagen kommen sie früh noch problemlos nach Spremberg, mittags und nachmittags geht es hin und zurück. Aber nach 19 Uhr fährt nichts mehr.  Deshalb bleiben vor allem die älteren Dorfbewohner auf ihr Auto angewiesen.

Dabei gelten Senioren für die Verkehrsfirmen als zweitwichtigste Gruppe – nach Studenten, Schülern und Kindern. Das geht aus der Konjunkturumfrage vom Bundesverband deutscher Omnibusunternehmer für das Jahr 2017 hervor. 53 Prozent der Unternehmer glauben demnach, dass Senioren künftig noch stärker in den Fokus geraten werden.