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| 01:00 Uhr

Null Bock auf eine Schar von Ziegen

Spremberg.. „Zehn zahme Ziegen zogen zehn Zentner Zucker zum Zwickauer Zoo“ – dieser Zungenbrecher fiel mir ein, als mir Bürger der Spremberger Zuckerstraße von ihrem Ziegen-Problem schrieben. Annett Igel

Sie hatten in der RUNDSCHAU gelesen, dass Dieter Grimm - nach seinen Aussagen ein Freund Kanadischer Bergziegen - acht Jungziegen an Familien abgegeben hatte. Auch die Anwohner hätten sich über die Mitteilung gefreut, wenn sich damit das Problem in ihrer Straße wenigstens verringert hätte. Hat es aber nicht.
Ziegenvater Dieter Grimm hält auf einem gepachteten Grundstück in der Zuckerstraße seit Jahren Bergziegen. Nach dem Verkauf der Jungtiere zählten die Anwohner der Zuckerstraße / Am Wasserturm trotzdem noch 18 Ziegen und zehn Ziegenböcke. „Der penetrante Gestank und der Krach der Tiere ist für uns Anwohner unerträglich... Und die Menge der Vierbeiner vergrößert sich jährlich... Herr Grimm aber wohnt auf dem Kollerbergring und bekommt nicht mit, was hier täglich - auch in den Ruhe- und Nachtzeiten - abläuft. Er hält sich vier bis fünf Stunden pro Tag in seinem Garten auf und verlebt sonst seinen Lebensabend in Ruhe und ohne Geruchsbelästigung auf dem Kollerberg“ , ärgern sich insgesamt 20 Anwohner, die sich inzwischen zu einer Initiative zusammengeschlossen haben und nicht möchten, dass sie namentlich genannt werden, weil sie Repressalien befürchten.
Vor einem Jahr hatte die RUNDSCHAU schon einmal über das Ziegenproblem in der Zuckerstraße geschrieben, und auch Ordnungsamtsleiter Joachim Mikucki weiß sofort, worum es geht, wenn die Stichworte Ziege und Zuckerstraße fallen. Aber das Ordnungsamt beschäftige sich nicht mehr damit. Der Fall liege jetzt im Bauordnungsamt des Landkreises Spree-Neiße.

Mehrere Vor-Ort-Termine
Das bestätigte gestern auch Jana Weber, Pressesprecherin des Landkreises. Es habe mehrere Vor-Ort-Termine gegeben. Das von Dieter Grimm gepachtete Grundstück liege in einem Bereich, der im Flächennutzungsplan als „allgemeines Wohngebiet“ ausgewiesen ist. Als „allgemeines Wohngebiet“ werden Gebiete bezeichnet, die nach der Baunutzungsverordnung in erster Linie dem Wohnen dienen. Einrichtungen wie Lebensmittelläden, Apotheken, Drogeriemärkte, die zur Versorgung der Anwohner dienen, sind erwünscht, nicht aber eine intensive Tierhaltung, wie sie Grimm in der Zuckerstraße seit Jahren praktiziert. Deshalb, so Jana Weber, sei er vom Bauordnungsamt aufgefordert worden, den großen Ziegenbestand abzubauen. Dagegen habe der Spremberger Widerspruch eingelegt, der wiederum von Seiten des Amtes zurückgewiesen wurde. Dass es für die Anwohner in der Zuckerstraße derzeit so aussieht, als würde das Amt hier nicht tätig werden, liege am noch „laufenden Verfahren“ . Ob für die Erfüllung von Auflagen oder für die Widerspruchseinlegung - immer müssen dem Bürger Fristen gewährt werden. Und die seien im Fall Grimm einfach noch nicht abgelaufen.

Tiere artgerecht gehalten
Von Seiten des Veterinäramtes gebe es derzeit keine Beanstandungen zur Ziegenhaltung, sagte Jana Weber. Die Tiere, die Stallungen und die Außenanlage seien untersucht worden. Das Ergebnis: Grimm verstoße nicht gegen den Tierschutz. Die Ziegen würden artgerecht gehalten. Nur zum „allgemeinen Wohngebiet“ passe die Ziegenschar eben nicht.